19.06.2020 08:00 |

Julia Gräfner

„Publikumsliebling? Das klingt mir viel zu eitel!“

Sie war 2015 kaum in Graz angekommen, da galt Julia Gräfner bereits als neuer Publikumsliebling am Schauspielhaus. Nun hat sie entschieden, die Steiermark zu verlassen und nach München zu wechseln. Im Interview erzählt sie von ihrer tränenreichen Ankunft in Graz und vergießt auch ein paar Abschiedstränen.

Können Sie sich noch an ihre allerersten Eindrücke von Graz erinnern?
Die ersten Tage hier haben ich nur geweint - auf der Parkbank, in der Straßenbahn, es war echt schlimm (lacht). Das lag aber nicht an Graz, sondern an einer sehr schmerzhaften Trennung. Trotzdem habe ich mich hier schnell wohl gefühlt. Ich bin als Kind öfter in Österreich auf Urlaub gewesen und kam daher sogar mit einem passenden Ohrwurm in die Steiermark: „Steirermen san very good“ (lacht).

Sie wurden schnell zum Publikumsliebling. Wann haben sie diese besondere Beziehung zum Publikum zum ersten Mal gespürt?
Eigentlich von Anfang an. Ich hatte gleich zu Beginn Rollen, in denen ich viele Facetten zeigen konnte - auch sehr Persönliches wie die Performance „Ich würde alles für die Liebe tun“. Ich hatte viele schöne Begegnungen mit Menschen aus dem Publikum - am Markt oder beim Weggehen. Das skurrilste Kompliment habe ich in der Sauna bekommen (lacht). Aber ich habe versucht, mich nicht selbst als Publikumsliebling zu sehen, das kam mir viel zu eitel vor.

An welche Ihrer Rollen wird sich das Grazer Publikum besonders erinnern?
Ich hoffe an einige: Bestimmt den Caliban in „Der Sturm“ für den ich den Nestroy bekommen habe. Aber auch Viktor aus „Der Auftrag“ von Heiner Müller und mein Solo, das ich vorher schon erwähnt habe

Und an welche Rollen werden Sie sich erinnern?
Die Frage ist eher, an welche will ich mich nicht erinnern, weil das sind wirklich nur die allerallerwenigsten. Ich hatte und habe wirklich eine tolle Zeit hier.

Wie kam es zu der Entscheidung, an die Münchner Kammerspiele zu wechseln?
Jan Christoph Gockel, mit dem ich auch hier schon schöne Projekte machen durfte, wird dort Hausregisseur und hat mich vorgeschlagen. Als klar wurde, dass die mich wirklich haben wollen, habe ich viele Pro-und-Contra-Listen geschrieben (lacht). Letztlich hat mich die Chance gereizt, mich menschlich und künstlerisch weiterzuentwickeln. Und die Rückkehr nach Deutschland bedeutet auch, dass ich wieder näher bei meinen Eltern sein kann!

Ihr Abschied ist für viele Grazer Theaterbesucher sehr schmerzhaft. Wie geht es Ihnen selbst emotional damit?
Also (die Stimme stockt, Tränen schießen ihr in die Augen) es tut weh! Aber es liegt auch in der Natur meines Jobs, dass man gehen muss. Es war mir wichtig, zu einem Zeitpunkt zu gehen, an dem es noch am Schönsten ist und ich noch nicht allen auf den Senkel gehe und sich ganz Graz denkt „Ach, die Gräfner schon wieder“.

Ganz sind Sie ja nicht weg. In der kommenden Woche stehen sie beim Saisonabschlussfest auf der Bühne und im Herbst sind Sie in „Der Große Diktator“ zu sehen.
Ja genau, das freut mich besonders. Wegen Corona hat es keinen richtigen Abschied vom Publikum gegeben können. Und es ist mir schon wichtig, für diese gute Zeit hier auch einen guten Abschluss zu finden.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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