27.05.2020 20:28 |

Talk mit Katia Wagner

„Viele Menschen fühlen sich durch Theorien besser“

„US-Milliardär Bill Gates steckt hinter der Verbreitung des Virus“ oder „Die Weltbevölkerung soll bewusst reduziert werden“ - derartige Aussagen hört man in Zeiten des Coronavirus immer öfter. Die Ideen und Theorien vieler Corona-Skeptiker finden immer mehr Anklang in der breiten Bevölkerung. Für die aktuelle Ausgabe von #brennpunkt hat sich Moderatorin Katia Wagner daher mit Wissenschaftlern und Experten von unterschiedlicher Meinung zum Coronavirus unterhalten, um Licht ins Dunkel der Verschwörungstheorien zu bringen.

Der deutsche Arzt und Autor Rüdiger Dahlke sieht das Coronavirus und eine mögliche, verpflichtende Impfung kritisch. In einem seiner Videos auf YouTube meinte er sogar, dass Bill Gates vor ein Gericht gestellt werden müsste. „Ich beziehe mich hier konkret auf eine Aussage Gates’, dass man mit Impfkampagnen die Weltbevölkerung reduzieren könne. Das ist schon eine sehr extreme Aussage“, so Dahlke im Skype-Interview mit Katia Wagner.

Dahlke: „Müssen lernen, mit Viren zu leben“
Auch hätten etablierte deutsche Medien wie der „Spiegel" im Jahr 2012 noch kritisch über eine von Gates geförderte Polio-Impfkampagne in Indien berichtet. So sollen damals 70 Prozent der Polioinfektionen durch die Impfung selbst entstanden sein, für einige Kinder hätte die Impfung sogar tödlich geendet, erklärt Dahlke.

Neue Viren und Impfungen würden von der Politik zu oft instrumentalisiert werden, um Grundrechte einzuschränken: „Wir müssen lernen, mit allen Bakterien und Viren im Ausgleich zu leben“, sagt der Humanmediziner, der das Coronavirus zwar nicht als ungefährlich betrachtet, aber auf eine Stufe mit den Influenzaviren stellt. Statt auf Impfungen zu warten, sollten sich Regierungen lieber auf Initiativen für die allgemeine Verbesserung der menschlichen Gesundheit fokussieren.

Brodnig: „Nicht überall steckt Verschwörung dahinter“
„Es gibt seit Jahren die These, dass Superreiche eine Weltverschwörung planen und dunkle Dinge im Schilde führen, da passt Bill Gates natürlich in die Zielgruppe“, erklärt Social-Media-Expertin Ingrid Brodnig. Die „Bill & Melinda Gates Foundation“, die weltweit Impfungen und Forschung im medizinischen Bereich fördert, sei dazu vor allem den Impfgegnern ein „Dorn im Auge“, sodass Corona-Skeptiker noch stärker dazu neigen würden, sich in dieser Theorie zu verlieren.

So könne man durchaus Kritik an der vermehrt privat finanzierten Weltgesundheitsorganisation (WHO) anbringen, jedoch bedeute das, so Brodnig, „noch lange nicht, dass Bill Gates uns alle Mikrochips implantieren lassen will und eine große Weltverschwörung dahintersteckt“. Jene Menschen, die mit solchen Theorien liebäugeln, beschreibt die Expertin in erster Linie als „verunsichert“: „Verschwörungstheorien geben vielen Menschen das Gefühl, etwas durchschaut zu haben, und sie erhalten damit wieder Sicherheit im Leben. Auch sind es Personen, die dazu neigen, einzigartig sein zu wollen und sich dadurch besser fühlen.“

Hagen: „Imfpflicht könnte über Hintertüre kommen“
Arno Hagen ist Initiator der Petition „Nein zu Covid-19 Impfzwang“ und sammelt in Österreich Unterschriften gegen eine solch mögliche Verordnung der Regierung. Seine Motivation hinter dem Einsetzen für impfkritische Menschen, die vom Staat benachteiligt werden würden, stützt Hagen auf einige Aussagen von österreichischen Politikern: „Bundeskanzler Kurz hat gemeint, dass eine Reisefreiheit ohne Impfung wohl nicht möglich sein wird. Auch andere Aussagen von Politikern zu einer möglichen Impfpflicht haben mich schlussendlich dazu bewogen, die Petition zu starten.“

Trotz vieler Versprechungen, wie etwa jene vom Gesundheitsminister, dass ein Zwang in dieser Hinsicht ausgeschlossen sei, vermutet der Kritiker außerdem, dass eine Impfpflicht „über die Hintertüre“ in Form eines Immunitätsnachweises kommen könnte. „Impfungen sollten eine sehr persönliche Entscheidung sein. Ich sehe keinen Sinn hinter einem Impfzwang“, ist Hagen überzeugt.

„Die einzige Möglichkeit, sich gegen Virusinfektionen zu schützen“
Ganz anderer Meinung ist der Virologe Norbert Nowotny. Er könne zwar die Sorgen und Ängste der Menschen nachvollziehen, trotzdem gibt er zu verstehen, dass es in Österreich keine Impfpflicht gibt und es auch in Zukunft „garantiert keinen Impfzwang gegen Covid-19 geben wird“. „Trotzdem muss man sagen, dass Impfen die einzige Möglichkeit ist, sich gegen Virusinfektionen zu schützen“, fügt Nowotny hinzu, der eine klare Empfehlung für Impfungen ausspricht, einen Zwang aber als nicht sinnvoll erachtet. Er tut sich daher schwer zu verstehen, dass einige Menschen mehr Angst vor den Nebenwirkungen der Impfung hätten als vorm Virus selbst: „Nebenwirkungen kommen nur ganz selten vor. Es gibt sogar ein Gesetz, wonach beim Auftreten von Nebenwirkungen, der- oder diejenige eine Entschädigung erhält.“

Nowotny: „Zucht in Labor ausgeschlossen“
Meinungen, welche Corona in Sachen Gefährlichkeit auf eine Stufe mit den Influenzaviren stellen, widerspricht der Mediziner. So sei die Todesrate beim Coronavirus „deutlich höher“ und daher nicht mit der Grippe zu vergleichen. Die Tatsache, dass es ein komplett neues Virus ist, würde es nicht ungefährlicher machen. Außerdem könne nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgeschlossen werden, dass das Virus, wie etwa von US-Präsident Donald Trump behauptet, als Biowaffe in einem chinesischen Labor gezüchtet worden ist.

Fiala: „Lockdown wäre nicht notwendig gewesen“
„Der Lockdown wäre zu vermeiden gewesen und es gab, medizinisch gesehen, keinen Grund dafür“, sagt Facharzt Christian Fiala. Zwar sei ein „hygienischer Mindeststandard absolut notwendig“, jedoch seien aber, so Fiala, die meisten Todesfälle auf die Folgen der Lockdown-Maßnahmen zurückzuführen. So müsse man den Lockdown sofort beenden, wenn man wirklich evidenzbasiert handeln wollen möchte.

Außerdem ist der Maßnahmen-Kritiker der Meinung, dass Argumente, die sich auf die hohe Sterberate in anderen Ländern beziehen, nichts aussagen würden, da zwischen den Staaten unterschiedlich gut entwickelte Gesundheitssysteme herrschen würden.

Schwarz: „Virus macht nicht an der Grenze halt“
ÖVP-Gesundheitssprecherin Gabriela Schwarz betont in ihrem Interview, dass man, im Hinblick auf die dramatische Weltlage, in Österreich gegenseitig dankbar sein sollte. Denn das Mittragen der Maßnahmen jedes Einzelnen habe dazu geführt, dass die schrittweisen Lockerungen nun möglich seien.

Maßnahmenkritische Meinungen, wie etwa die von Christian Fiala, kann sie nicht nachvollziehen: „Wir haben es mit einem Virus zu tun, dass fünf bis 15 Mal so gefährlich ist wie die Grippe. Ich kann nicht verstehen, warum man so tut, als ob Österreich eine Insel wäre und das Virus bei der Grenze halt macht.“

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