07.05.2020 02:50 |

„Kann nirgends hin“

Mörder stellt sich wegen Corona-App nach 24 Jahren

China geht in der Corona-Krise in Sachen Überwachung von Handydaten wohl am weitesten: Dort gibt ein QR-Code in den Farben Grün, Gelb oder Rot darüber Auskunft, ob jemand gesund ist oder sich an Orten mit hohem Infektionsrisiko aufgehalten hat. Das wiederum entscheidet darüber, ob die Person beispielsweise Bahnhöfe und öffentliche Verkehrsmittel betreten darf. Ohne diese Handy-App ist man mittlerweile so gut wie aufgeschmissen in dem Land. Dies musste auch ein Mann am eigenen Leib erfahren, der seit 24 Jahren wegen Mordes auf der Flucht ist. Weil er ohne die App „nirgends hingehen“ konnte, stellte er sich nun der Polizei.

Wie das China Global Television Network sowie die Lokalzeitung „Hangzhou Daily“ am Dienstag berichteten, habe sich diese Woche ein Mann namens Shimou in einer Polizeistation in der Stadt Hangzhou eingefunden. Dort habe er den Polizisten gesagt, dass er sich stellen wolle. Weil er vor 24 Jahren in seinem Heimatdorf einen Mann getötet habe, werde er seitdem gesucht, so der bald 48-Jährige. Mit Gelegenheitsjobs in allen Teilen des Landes, für die er weder Personalausweis noch Handy gebraucht habe, habe er sich all die Jahre über Wasser gehalten. Doch dann kamen die Corona-Pandemie und mit dem Virus die Handydatenüberwachung der chinesischen Bürger.

Flucht endete in „sehr strenger Stadt“
Shimou, dem Bericht zufolge am 1. Mai mit der Aussicht auf viele Jobmöglichkeiten auf den Baustellen in Hangzhou angekommen, sah sich mit einer bis dahin nicht gekannten Schwierigkeit konfrontiert: Ohne Handy mit dem grünen QR-Code bekam er keinen Job, keine Unterkunft und zu vielen Orten nicht einmal Zutritt. Selbst beim Einkaufen seien seine Körpertemperatur gemessen und er nach seinem grünen Code gefragt worden, schilderte der Mann den Beamten.

Als ihm nach kurzer Zeit das Geld ausgegangen sei und er aufgrund dessen, dass er „nirgends hingehen“ könne, in Panik geraten sei, habe er keinen anderen Ausweg gesehen, als sich zu stellen. Hangzhou sei „eine sehr strenge Stadt“, so Shimou, dessen Angaben nun überprüft werden.

Nur mit grünem Code kann man sich frei bewegen
In China wurde die Bevölkerung im Kampf gegen die Verbreitung des Coronavirus dahin gehend eingebunden, dass in Kooperation mit dem Online-Handelsriesen Alibaba der Alipay Health Code lanciert wurde. Die mit dem gleichnamigen Zahlungsdienst verknüpfte App weist dem Nutzer einen grünen, gelben oder roten QR-Code zu, nachdem dieser einige persönliche Daten eingetragen hat. Nur der grüne Code erlaubt es, sich frei zu bewegen. Wer den gelben bekommt, soll sieben Tage zu Hause bleiben, Rot bedeutet eine 14-tägige Quarantäne.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Dienstag, 26. Mai 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.