01.05.2020 03:18 |

Information „gesehen“

Trump gibt Labor-Theorie um Ursprung nicht auf

Obwohl die meisten Wissenschaftler und Geheimdienste davon ausgehen, dass das Coronavirus von infizierten Tieren auf Menschen übergesprungen ist und sich dann rasch verbreitete, will US-Präsident Donald Trump von der Verschwörungstheorie nicht ablassen, dass SARS-CoV-2 seinen Ursprung in einem chinesischen Forschungslabor genommen haben könnte. Auf die Frage eines Journalisten, ob er Informationen gesehen habe, die ihm ein „hohes Maß an Zuversicht“ in dieser Hinsicht gäben, sagte Trump am Donnerstagabend Ortszeit bei seiner nahezu täglichen Corona-Pressekonferenz im Weißen Haus: „Ja, habe ich.“

Trump bezog sich auf das Institut für Virologie in der chinesischen Stadt Wuhan, in der Ende vergangenen Jahres die ersten Fälle bekannt geworden waren. Der Leiter des Labors, Yuan Zhiming, hatte entsprechende Vorwürfe bereits vor mehreren Tagen kategorisch zurückgewiesen. Selbst Trumps eigener geschäftsführender Geheimdienstkoordinator Richard Grenell hatte am Donnerstag mitgeteilt, die Geheimdienste gingen wie die meisten Wissenschaftler davon aus, dass es sich um einen natürlichen und nicht vom Menschen gemachten oder manipulierten Erreger handle. Trump sagte, er habe die entsprechende Mitteilung nicht gesehen. Es gebe viele Theorien, und die USA untersuchten den Ursprung: „Wir werden es herausfinden.“

China wolle „mit diesem Land Schlitten fahren wie nie zuvor“
Trump kritisierte erneut die Führung in China, der er vorwarf, das Virus nicht in dem Land eingedämmt zu haben: „Sie waren dazu entweder nicht dazu in der Lage oder sie haben entschieden, es nicht zu tun, und die Welt hat schwer gelitten.“ Aufhorchen ließ Trump auch mit der Aussage, dass das im Jänner nach monatelangem Zollstreit mit China geschlossene Handelsabkommen nun „zweitrangig“ sei. Es gehe nun darum, zu ergründen, was China mit dem Virus getan habe.

Neuerlich warf er der chinesischen Führung vor, seine Wiederwahl verhindern zu wollen. China wolle den „schläfrigen Joe Biden“ im Weißen Haus sehen, weil sie ihn ausnützen könnten. „Sie würden mit diesem Land Schlitten fahren wie noch nie zuvor“, warnte Trump.

Weltgesundheitsorganisation „sollte sich schämen“
Er kritisierte außerdem die Weltgesundheitsorganisation WHO, die er mit einer „PR-Agentur für China“ verglich. „Sie sollten keine Entschuldigungen dafür vorbringen, wenn Menschen furchtbare Fehler begehen“, sagte Trump. „Sie sollten sich schämen.“ Trump hat die finanziellen Beiträge der USA für die WHO in der Corona-Krise auf Eis gelegt und dafür massive internationale Kritik geerntet.

Trump weiß noch nicht, ob er bei Trip Maske tragen will
Offen lässt er, ob er bei seiner ersten Inlandsreise seit Wochen eine Schutzmaske tragen wird oder nicht - trotz der offiziell geltenden Empfehlung, dies zu tun. Trump hatte das Weiße Haus wegen der Corona-Pandemie in den vergangenen Wochen so gut wie nicht verlassen. In der kommenden Woche plant er seinen ersten Trip seit Wochen - einen Besuch im US-Bundesstaat Arizona. Auf die Frage, ob er dort eine Atemschutzmaske tragen werde, sagte der Präsident, dies hänge von den Bedingungen bei dem Besuch ab. „Ich habe kein Problem damit, eine Maske zu tragen.“ Es stelle sich aber die Frage, ob dies sinnvoll sei, wenn er etwa eine Rede halte.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt seit Anfang April, dass im Kampf gegen das Coronavirus auch gesunde Menschen ohne Symptome Stoffmasken in der Öffentlichkeit tragen sollten. Dies gelte vor allem für Situationen, in denen es schwierig sei, stets genügend Distanz zu anderen Menschen zu halten.

Vizepräsident ohne Maske auf Spitalsbesuch
Sein Vizepräsident Mike Pence hatte erst am Dienstag diesbezüglich für Schlagzeilen gesorgt, als er ungeachtet einer entsprechenden Vorschrift bei einem Klinikbesuch im US-Bundesstaat Minnesota keine Atemschutzmaske trug. Die Mayo Clinic schrieb auf Twitter, Pence sei vor seiner Ankunft über die Richtlinie zum Tragen von Masken informiert worden. Wenige Minuten nach der Veröffentlichung des Tweets wurde dieser wieder gelöscht.

Seit Mitte April verlangt die dortige Klinik von allen Patienten und Besuchern, eine Atemschutzmaske zu tragen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Pence versuchte, seinen Verzicht auf eine Maske damit zu rechtfertigen, dass er als Vizepräsident regelmäßig auf das Coronavirus getestet werde und nicht infiziert sei.

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