01.04.2020 11:15 |

Tiroler im Ausland

Corona-Krise: Ein Sturm, der durch die Welt zieht

Das Coronavirus hat aktuell den ganzen Globus im Griff, dennoch unterscheiden sich Maßnahmen und Situationen von Land zu Land. Die „Krone“ hat sich umgehört - wie geht es den Tirolern mit Wohnsitz im Ausland? Ein Rundumblick.

Es ist der 12. März, als die WHO eine Pandemie ausruft. Weltweit steigt die Zahl der an Covid-19 erkrankten Menschen drastisch. Österreich schottet sich nach und nach ab – Tirol isoliert sich selbst. Rund 47.000 Österreicher sind zu Beginn der nationalen Maßnahmen noch im Ausland – gut die Hälfte davon wurde mittlerweile nach Hause geholt. Unzählige Tiroler haben aber ihren festen Wohnsitz in nahen, aber auch ferneren Ländern.

„In Berlin ging gewohntes Leben weiter“
Etwa Andrea Bensi und Marvin Plattner. Das Paar lebt seit einigen Jahren in Berlin. „Die Situation in Österreich fühlt sich an wie ein herannahender Sturm“, schildert Marvin Plattner.

„Während in Tirol die Maßnahmen gefühlt im Minutentakt verschärft wurden, ging in Berlin das Leben in gewohnten Bahnen weiter“, erzählt Bensi. Erst seit 23. März gibt es auch in der deutschen Hauptstadt Ausgangsbeschränkungen. „Die Menschen halten sich zunehmend daran“, berichten die Wahlberliner. Dennoch, so ihr Eindruck, nicht so sehr wie in Tirol. „Manchmal würde ich mir wünschen, dass Merkel genauso durchgreift wie es Kurz macht. Welcher der bessere Weg ist, wird man aber erst im Nachhinein erfahren“, sagt der 30-Jährige.

Von Nachbarn lernen und optimistisch bleiben
Während sich der Sturm Deutschland nähert, tobt er längst in Italien. „Wenn Österreich nicht aus der Situation in Italien lernt, wird zeitverzögert dieselbe Katastrophe ausbrechen“, glaubt Christian Renwart. Der Wahlitaliener mit Tiroler Wurzeln lebt auf einem Weingut nahe Florenz. „Hier ist die Lage nicht so heftig wie etwa in Bergamo“, erzählt er. Dennoch, die Maßnahmen seien streng – und das zurecht, wie die Entwicklung zeigt: „Die Zahl der Neu-Infizierten sinkt langsam. Das macht Hoffnung – auch für Österreich“, ist Renwart optimistisch.

Strategiewechsel und Freiheitsliebe in England
Einen völlig anderen Weg wählte man zu Beginn in England: „Hier wurde zuerst auf die sogenannte Herdenimmunität gesetzt, es stellte sich aber schnell heraus, dass das wohl eine falsche Strategie ist“, erzählt Ani Owokoniran. Seit Kurzem soll man deshalb auch in England zu Hause bleiben. „Den Briten fällt das aber sehr schwer, weil sie unglaublich freiheitsliebend sind“, schildert die Innsbruckerin, die in London lebt.

„Niemand weiß, was passieren wird“
Kaum eine Strategie ist in Indonesien zu erkennen, wo Viktoria Leidlmair seit Jahren lebt. Das Gesundheitssystem in Bali ist nicht vergleichbar mit jenem in Österreich - „und niemand weiß, was passiert, wenn sich das Virus hier schnell ausbreitet“, erzählt die Tirolerin. Während in Österreich schon lange eine Ausgangssperre herrschte, verlief in Bali das Leben wie gehabt. „Dann ging aber alles sehr schnell“, erzählt die 30-Jährige: „Plötzlich waren die Supermärkte zu, die Strände gesperrt.“ Sie versucht nun, zu ihrem Mann nach Australien zu fliegen, der aufgrund der Corona-Krise nicht mehr zurück nach Bali einreisen darf. Auch wenn sie sich natürlich sehr auf ihren Ehemann freut, fällt es trotzdem schwer, „denn Bali ist mein Zuhause“.

Die Schweiz scheint unaufgeregt zu bleiben
In der Schweiz sieht das Bild anders aus, wie Daniel Shehata erzählt: „Ich habe das Gefühl, dass hier mehr auf das internationale Image und die Wirtschaft geschaut wird. Man möchte den Status des sicheren Hafens in Krisenzeiten nicht abgeben – deswegen steigt auch der Schweizer Franken oft in Krisenzeiten“, schildert der Tiroler, den es beruflich in die Schweiz verschlug. Der Blick nach Hause ist für ihn getrübt: „Das mit Ischgl könnte einem peinlich sein“, sagt er und hofft, dass aus dem Fehler gelernt wird, „damit Österreich wieder als das stabile, gut organisierte Land wahrgenommen wird, das es ist“.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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