26.03.2020 15:30 |

Salzburger Kliniken:

Ärztin kritisiert Mangel von Schutzausrüstung

Am Uniklinikum Salzburg herrscht beim medizinischen Personal derzeit offenbar einiges an Verunsicherung. Eine Ärztin berichtete im APA-Gespräch von einem eklatanten Mangel an auch nur einfacher Schutzausrüstung und zu wenig Fachinformation über die Krankheit. Viele ihrer Kollegen würden ihr Wissen zur Behandlung von Covid-19 momentan über Soziale Medien und WhatsApp-Gruppen beziehen.

Als Kritik an der Klinikleitung will die Frau - sie möchte lieber anonym blieben - ihre Schilderung aber ausdrücklich nicht verstanden wissen. „Was die Führungsebene binnen kürzester Zeit aufgestellt hat, ist nahezu übermenschlich“, sagte sie - und verwies etwa auf das Covid-Haus im Spital, das nicht nur über eine Intensivstation, sondern auch Behandlungsmöglichkeiten für akute Notfälle anderer Art für positiv getestete Personen bietet.

Klinikpersonal ist zu wenig geschützt

Hauptproblem für das Personal sei aktuell die Versorgung mit Schutzausrüstung. „Wir haben sie einfach nicht zur Verfügung.“ Selbst Ärzte und Pfleger mit Kontakt zu Erkrankten im Covid-Haus müssten derzeit mit einfachen OP-Masken auskommen, die aber kaum Schutz gegen das Virus böten. „Dabei gilt, eine Maske für ganze vier Stunden.“ Es sei derzeit so wenig hochklassige Schutzausrüstung vorrätig, dass sie dem Intensivpersonal vorbehalten sei. „Ich kenne Ärzte im Covid-Team, die fix damit rechnen, sich in den kommenden Tagen zu infizieren“, sagte die Frau. Eine Kollegin vor ihr habe sich selbst kürzlich gar als „Kanonenfutter“ bezeichnet. „Ich weiß, die Klinik versucht mit Hochdruck an Material zu kommen. Aber wenn schon bei einfachen OP-Masken Mangel herrscht, wie schaut es bei den FFP-3-Masken aus?“ Selbst Nylonschürzen würden teilweise schon limitiert werden. Auch Pfleger auf Stationen für Nicht-Covid-Patienten berichteten der APA, dass sie derzeit ohne Mundschutz arbeiten müssen. Masken und sterile Gegenstände würden eingesperrt und dürften nur wenn nötig ausgegeben werden.

Umverteilung gefordert

Sinnvoll wäre es, so die Ärztin, in der aktuellen Situation vorhandene hochwertige Schutzmasken von Einsatzorganisationen wie der Polizei hin zu den Krankenhäusern umzuverteilen. „Natürlich sollten auch diese Menschen nicht ungeschützt sein. Aber es sollten nicht Organisationen auf guter Schutzausrüstung sitzen, die diese nicht in dem Umfang brauchen.“ Während in der Bevölkerung wohl nur wenige Prozent der Menschen mit dem Virus infiziert seien, betrage im Covid-Haus die Kontaktrate zu SARS-CoV-2 immer 100 Prozent.

Fehlende fachliche Information

Zugleich beklagte die Frau, dass Kollegen, die im Covid-Haus arbeiten, keine echte Einführung bekommen hätten. „Eine proaktive, zentral zusammengefasste Fachinformation zur Erkrankung für jede Ausbildungsstufe fehlt.“ Ärzte und Pfleger würden sich momentan selbst sehr stark über die Sozialen Medien informieren. „Ab wann sind Patienten wirklich kritisch? Welche Laborparameter sind Indizien für einen schweren Verlauf? Gibt es Warnhinweise für eine akute Verschlechterung des Zustands?“, betonte die Ärztin. „Da läuft etwa viel über WhatsApp-Gruppen. Über Ärzte, die Kontakte zu Patienten hatten, oder die auf Erfahrungen oder Vorträge aus Italien zurückgreifen können.“ Das fachliche Informationsdefizit betreffe dabei nicht nur die Spitäler, sondern auch die niedergelassenen Ärzte. „Für die wäre das fast noch wichtiger als für uns.“

Klinik will Kommunikation verbessern

Wolfgang Fürweger, Sprecher der Klinik und des landesweiten medizinischen Krisenstabs für Covid-19, sagte auf APA-Anfrage, dass in den vergangen zehn Tagen das gesamte Gesundheitssystem in Salzburg umgestellt worden sei, um auf die Krise reagieren zu können. „Darum müssen wir bei der Kommunikation in manchen Bereichen nachziehen. Das passiert jetzt mit Hochdruck.“ So würden laufend „Standard Operating Procedures“ - also standardisierte Vorgehensweisen - veröffentlicht werden. Auch am Problem, Schutzkleidung am Markt zu bekommen, werde massiv gearbeitet. „Parallel dazu sind bis gestern 250 Angebote von Firmen, Vereinen oder Privatpersonen eingegangen, die Material zur Verfügung stellen wollen.“ Allerdings sei davon nur ein kleiner Teil sinnvoll, weil gewisse Qualitätskriterien eingehalten werden müssen.

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