26.03.2020 15:02 |

Pfeift auf Kompromisse

Alpine A110S: Warum stärker nicht perfekter heißt

Es soll ja Leute geben, die an der Alpine A110 etwas auszusetzen hatten. Zu schwach, zu weich. Nun könnte man sagen, sie haben das Auto nicht verstanden, aber trotzdem scheinen sich die Franzosen von der Kritik getroffen gefühlt zu haben. Und sie haben Hand angelegt. Et voilà, die Antwort heißt Alpine A110S. Mal sehen, ob wir die jetzt lieber mögen als das „Normalmodell“.

Natürlich kann man die Alpine A110 verstanden haben und sich trotzdem mehr Kompromisslosigkeit wünschen. Aber so weich, wie sie sich im ersten Moment anfühlt, ist sie nicht. Dank ihres geringen Gewichts, des tiefen Schwerpunkts und wahrscheinlich auch wegen ihrer Geschichte (na gut, das vielleicht weniger) liegt sie trotzdem auch in schnellsten, engsten Kurven wunderbar. Vor allem wenn der Asphalt eher zur kaputten Sorte gehört. Schlaglöcher, Verwerfungen und Flicken gleicht das Fahrwerk ziemlich geschmeidig aus. Beinahe komfortabel. Und 252 PS bei rund 1100 kg Eigengewicht sind nicht im engeren Sinn schmalbrüstig.

Vier gewinnt
Sei‘s drum, jetzt haben wir die A110 S vor uns: gleiches Gewicht, 40 PS mehr (also 292 PS), dazu 50 Prozent härtere Federn und entsprechend abgestimmte Dämpfer. Auch die hohlgebohrten Querstabilisatoren sind steifer ausgeführt. Außerdem liegt die S um vier Millimeter tiefer.

Die Vier ist überhaupt so etwas wie DIE Zahl an der Alpine-Sportversion, denn die Mehrleistung des 1,8-Liter-Triebwerks resultiert aus einer Steigerung des Turbo-Ladedrucks von 0,4 bar und einer Drehzahlanhebung um 400 Touren. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt nun in 4,4 Sekunden. Das ist ein Zehntel schneller. Das Höchsttempo steigt auf 260 statt 250 km/h. Normverbrauch steigt um einen Zehntelliter auf 6,5 l/100 km. Der Testschnitt betrug knapp über acht Liter.

Mehr Power oben raus
Wer einsteigt, losfährt und sofort glaubt, die A110S geht besser als die A110, hat sich wohl von der Optik und der Erwartung täuschen lassen. Die Bremssättel der serienmäßigen 320-mm-Brembos sind orange lackiert, die „GT Race“-Räder sind exklusiv und dann sind da noch die Flaggenlogos in Carbon-Optik. Besonders schnell wirkt die mattgraue Lackierung; die ist diesem Topmodell vorbehalten, kostet aber 5200 Euro Aufpreis.

Bis 5000 Touren verhält sich der Mittelmotor in beiden Versionen gleich, er klingt so herrlich, wie ein Vierzylinder nur klingen kann, inklusive Turbo-Pfeifen, und schiebt über die Hinterräder ordentlich an. Erst dann kommt der S-Zuschlag zum Tragen. Die Leistungskurve steigt steil weiter, bis sie bei 6400/min. ihr Maximum von 292 PS erreicht. Die Standard-Alpine erzielt ihre 252 PS bei 6000/min. Das maximale Drehmoment unterscheidet sich nicht, ab 2000/min. liegen 320 Nm an. Aber: Die Drehmomentwelle ebbt nicht bei 5000/min. ab, sondern spült die Endorphine bis 6400/min. durch die Adern.

Hart, aber nicht schmerzlich
Mit der geboosteten Motorisierung möchte man glatt die nächstbeste Rennstrecke heimsuchen, so geht die fesche Französin bei hohen Drehzahlen ab. Das würde auch dem Fahrwerk entgegenkommen, das doch spürbar härter geworden ist. Im Vergleich zu einer aktuellen AMG-A-Klasse ist die Alpine aber noch immer reeeelativ komfortabel. Irritierend am Testwagen war allerdings, dass die Lenkung von selbst nicht ganz gerade stellt, sondern die Räder leicht schräg laufen lässt, wenn man sie nicht daran hindert. Ansonsten ist sie aber gefühlvoll.

Sportlich auch im Interieur
Die tollen Sabelt-Rennsitze sind in der A110S serienmäßig, gegen Aufpreis besteht ihre Rückseite aus Carbon. Nicht gut für die Sitzposition: Eine Sitzlehnenverstellung gibt es aber weder für Geld noch gute Worte. Das passt aber durchaus ins Gesamtbild, denn Ergonomie ist grundsätzlich nicht die größte Stärke der Alpine. Der linke Fuß findet keinen guten Platz, verwendbare Ablagen gibt es nicht, ein Handschuhfach schon gar nicht (nur eine optionale Tasche zwischen den Sitzlehnen) und die zu kurzen Schaltpaddles des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes sind fix an der Lenksäule montiert.

Faktisch entspricht der Innenraum der Standard-A110. Bei der S ist er gekennzeichnet durch die schwarzen Lederpolsterungen mit orangefarbenen Kontrastnähten, die sich auch an Armaturentafel, Mittelkonsole und Türverkleidungen wiederfinden. Optional lässt sich die Alpine A110S durch ein Carbondach und Fuchs-Leichtmetallräder weiter personalisieren.

Unterm Strich
Die Preisliste beginnt bei 71.900 Euro, wobei sich der Mehrpreis zum großen Teil schon aus der Mehrausstattung ergibt. Der Testwagen kommt auf über 78.000 Euro, vor allem wegen der Lackierung, aber auch u.a. wegen der Focal-Hifi-Anlage und der Rückfahrkamera, die ihr Bild im Tacho-Display einblendet.

Die Alpine ist und bleibt ein herrliches Auto, das optisch wie auch technisch besticht. Die S-Version ist konsequent zugespitzt und damit auf ihre Art genauso stimmig wie die Standardversion. Verwendet man die Alpine als Alltagsauto, wird man sich in der Standardversion auf Dauer wohler fühlen. Ideal wäre das Fahrwerk der normalen und der Motor der S …

Warum?
Stärkerer Motor
Brembos serienmäßig

Warum nicht?
Gibt den Vorteil des geschmeidigen Fahrwerks auf

Oder vielleicht …
… Porsche 718 Cayman,
Toyota GR Supra, Audi TTs

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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