28.02.2020 07:03 |

Nach 1029 Spielen

Vanek nach Rücktritt: „Ich sah mich nie als Held“

Am Montag ging die Karriere des besten österreichischen Eishockey-Spielers aller Zeiten zu Ende: Thomas Vanek gab seinen Rücktritt bekannt, blickt auf 1029 Spiele mit 373 Toren und 416 Assists zurück. Im Interview mit der „Krone“ erzählte der 36-jährige Steirer, dass ein Karriere-Ausklang bei den Graz 99ers durchaus ein Thema für ihn war und er auch künftig sein Leben dem Eishockey widmen wird.

Krone: Thomas, wie schwer fiel dir letztlich dein Karriereende?
Vanek: Ich war schon länger darauf vorbereitet, hatte letzten Sommer hart trainiert, aber nur zu 20 Prozent im Kopf, dass ich wo unterschreiben werde. Es fehlte in mir die letzte Überzeugung, ich wollte mal länger bei meiner Familie sein.

An Angeboten aus der NHL fehlte es bekanntlich nicht.
Es kam bis zuletzt was rein, war aber keines jener drei, vier Teams darunter, wo ich glaubte, dass es eine echte Chance auf den Stanley-Cup hat. Ich hätte  noch zwei, drei Jahre in der NHL spielen können, sagte letztlich zu mir: Genug ist genug.

Warst du letztlich auch verwundert, dass kein passendes Angebot eintrudelte?
Verwundert nicht. Denn es ist schwierig. Die Teams trainieren voll seit Mitte September, seit Oktober läuft die Meisterschaft. Da Ende Februar, nach sechs Monaten ohne Spiel, einzuspringen und ins Team zu finden, ist alles andere als einfach. Noch dazu bei einem Spitzen-Team. Hätte St. Louis, Tampa Bay oder Boston 5,6 verletzte Spieler gehabt, wäre vielleicht etwas gegangen.

Dein Handy ging nach Verkündung deines Karriereendes wohl über vor Nachrichten.
Das Ganze wollte ich vermeiden, in Ruhe abtreten. Aber ich verstehe, dass sich Medien für mich interessieren und bin auch dankbar für dieses Interesse. Ich für mich habe diese Aufmerksamkeit nie gebraucht, das entspricht nicht meiner Mentalität.

War ein Karriere-Ausklang in Graz ein Thema?
Ich spielte mit dem Gedanken, bei den 99ers aufzuhören, dachte mir andererseits: Warum sollte ich meine Karriere in Graz beenden, wenn ich mich noch fit genug für die NHL fühle? Wenn es meinen Körper schlecht ginge und ich gewusst hätte, dass es nicht mehr für die NHL reicht, hätte ich das Graz-Projekt vielleicht mit anderen Augen gesehen.

Wie geht es Dir körperlich nach 14 Saisonen NHL.
Der Rücken ist mein einziges Problem, doch das habe ich mit intensivem Training zuletzt auch besser in den Griff bekommen. Schultern und Knien geht es gut, auch dem Kopf, zumal ich wenige Gehirnerschütterungen hatte. Ich verlasse nicht 100 Prozent fit die NHL, aber wesentlich fitter, als viele andere Spieler.

Du blickst auf eine großartige Karriere zurück - mit einem Makel...
...ja, der Stanley Cup blieb mir leider verwehrt. Ich bin stolz auf das Erreichte, stand dreimal im Conference-Finale, zweimal mit Buffalo, einmal mit Montreal. Alle drei Teams hatten das Potenzial für den Stanley Cup, doch jedes Mal brachte uns auch das Verletzungspech vom Weg ab. Je länger du spielst, umso mehr wird dir bewusst, wie schwierig es ist, den Stanley Cup zu gewinnen. Doch ich habe meinen Traum von der NHL jahrelang gelebt, blicke stolz zurück, sah mich aber nie als Held.

Wem möchtest du deinen Dank aussprechen?
Allen Trainern und vor allem meinem Vater, der mich zum Eishockey brachte und als Kind coachte. Den vielen Mitspielern und den Fans für die Unterstützung. Österreichs Fahne bei NHL-Matches zu sehen, war immer was Spezielles. Dass ich 2007 zu Österreichs Sportler des Jahres gewählt wurde, war etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte.

Siehst Du deine Zukunft im Eishockey?
Auf jeden Fall, Eishockey ist mein Leben. Ich habe vieles notiert in den letzten Jahren meiner Karriere, will es nun bei einem NHL-Klub umsetzen. Mein Traum ist, eines Tages General Manager zu sein. Doch das dauert 10 bis 15 Jahre, da muss ich mich erst raufarbeiten. Ich will zunächst mal eine gute Position in einem Verein finden, beginnen zu lernen, wie die Abläufe sind.

Planst du ein Abschiedsspiel?
Keine Ahnung, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Mit Marco Rossi (oben im Bild) scharrt bereits ein Nachfolger aus Österreich in den Startlöchern.
Er wird eine super Karriere in der NHL hinlegen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. Ich schaute mir öfters im Internet seine Highlights an, der Bursche spielt phantastisch, denkt auch viel mit, was heute bei dem hohen Tempo ungemein wichtig ist. Ich traue Rossi durchaus 15 Jahre in der NHL zu.

Derzeit bist du Trainer, betreust das U12-Team deines Sohnes Blake in eurer Heimatstadt Stillwater.
Ich bin  mehr in der Eishalle als zu meinen Spieler-Zeiten - mit dem Unterschied, dass ich nicht mehr bezahlt werde (lacht). Es macht richtig Spaß, am Wochenende starten die Play-offs.

Bleiben die USA euer Lebens-Mittelpunkt?
Ja. Aber wir planen künftig im August, wenn die Kinder frei haben und ich nicht mehr so viel trainieren muss, öfters in Österreich Urlaub zu machen.

Hast du abschließend eine Botschaft für Österreichs Eishockey parat?
Meine Botschaft ist seit 15 Jahren die gleiche: Man muss in Österreich endlich beginnen, mehr in den Nachwuchs zu investieren, kann nicht oben, sprich beim Nationalteam, mit Veränderungen beginnen. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was in den Vereinen schon bei den Super-Minis passiert. Wenn man keine Spieler im Alter von 6,7 Jahren entwickelt, wird man sich sehr schwer tun, später Stars daraus zu machen. Wir müssen einen Weg finden, den Vereinen zu sagen, dass sie mehr in den Nachwuchs investieren. Das ist dann ein Prozess, der sicher zehn Jahre dauert, bis er Früchte trägt und zu Erfolgen führt.

Kannst du dir vorstellen, den heimischen Verband ÖEHV zu unterstützen?
Ich kann mir das natürlich vorstellen. Wenn sie Fragen haben, würde ich gerne mithelfen. Eishockey ist populär in Österreich, doch da ist noch viel mehr drinnen. Legionäre sind wichtig, aber es müssen nicht 12 in einem Verein sein - Ich würde lieber 6,7 pro Klub sehen, die junge Österreicher unterstützen.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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