„Hatte gutes Angebot“

Ogris: „Happels Tschick waren Beuschelreißer“

Wussten Sie, dass Austria-Legende Andreas Ogris einst ganz knapp vor einem Wechsel zu Rapid stand, die legendären Austria-Litauer „mit einem großen Durst“ gesegnet waren, ihm seine Loyalität zu Herbert Prohaska zum Verhängnis wurde, Ernst Happel „Beuschelreißer“ rauchte und er Egon Cordes für einen „Ahnungslosen“ hält? All das und viele, viele weitere Schmankerl serviert Ogris in dieser Folge des neuen „Krone“-Podcasts "Fußball-Geschichte(n) (zu hören in voller Länge hier unten).

Fast 50 Minuten nahm sich Ogris Zeit, um im Zuge der Podcast-Aufzeichnung mit Michael Fally - ganz dem Namen entsprechend - legendäre Fußball-Geschichte(n) wiederzugeben. In seiner bewegten Karriere tat sich viel, vornehmlich in den 90er-Jahren. Und genau darauf fokussiert das launige Gespräch mit Ogris. Unter anderem sinniert „Ogerl“ über ...

Hier gibt‘s den Podcast in voller Länge zu hören - ebenso wie auf Spotify und iTunes. Gute Unterhaltung!

... den Mitspieler Herbert Prohaska:
"Ein extrem guter Fußballer, darüber brauchen wir ja eh nicht reden. Aber vor allem war er auch menschlich immer eine Hilfestellung für junge Spieler. Wenn du als Junger - auch abseits des Platzes - etwas gebraucht hast, war der Herbert immer einer, der ein offenes Ohr gehabt hat. Da ging‘s etwa um Fragen wie jener, ob die Austria Kontakte zu einer bestimmten Fahrschule hat, damit ich die Fahrstunden für den Führerschein möglichst so nehmen kann, dass sie den Trainings nicht in die Quere kommen. Oder ganz banal: Wenn ich ein neues Fernsehgerät zu Hause brauchte, hab ich den Herbert gefragt, ob er ein Geschäft empfehlen kann, bei dem‘s womöglich auch noch Prozente gibt. Der Herbert war immer sehr offen und hilfsbereit. Er hat uns Jungen gerne Geleise zu Menschen gelegt, die uns dann weitergeholfen haben.“

... die WM 1990:
„Einerseits war sie mein persönlicher Türöffner ins Ausland. Aber auf der anderen Seite waren wir als Mannschaft allesamt mit der Ausbeute nicht zufrieden. Wir hätten uns alle erwartet, dass wir zumindest eine Runde weiterkommen, das hat sich leider nicht ergeben. Wir sind mannschaftlich am Ende des Tages weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“

... sein Super-Tor im letzten WM-Spiel gegen die USA:
“Muskelkater habe ich danach gar keinen gehabt (lacht). Damals war ich körperlich noch besser drauf. Heute wäre das anders. Würde ich heute vom 16er weglaufen, glaube ich, dass ich spätestens bei der Mittelauflage einen Muskelfaserriss hätte. Aber damals hat mir das nichts gemacht, im Gegenteil: „Ich habe gewusst, dass die Verteidiger der USA nicht die Schnellsten sind und mich nicht aufhalten können. Deswegen habe ich‘s durchgezogen und das Tor gemacht.“

... seine Ernennung zum Team-Kapitän durch Ernst Happel 1992:
"Eines Tages hat bei mir daheim das Festnetz-Telefon geläutet. Gigi Ludwig war am anderen Ende der Leitung und sagte zu mir: ‘Andi, wir möchten dich gerne bei der Präsentation des neuen Teamchefs dabei haben. Er möchte sich im Vorfeld der Pressekonferenz gerne mit dir unterhalten. Wer Teamchef werden würde, verriet er mir nicht. Ich fuhr also zum vereinbarten Treffpunkt, wurde in ein Hinterzimmer geschleust. Und dann saß dort Ernst Happel. Er hat mich begrüßt mit den Worten: ‘Setz di nieder, Zauberer!‘ Er hat sich hingesetzt, seine „Belga“ geraucht, die ziemliche Beuschelreißer waren, und hat mir sogar eine Zigarette angeboten. Aber aus Respekt vor Ernst Happel habe ich sie abgelehnt. Ich hätte die Zigarette aber ohnehin nicht genommen, weil das wirkliche Beuschelreißer waren. Er hat mich also zum Teamkapitän ernannt. Eine größere Auszeichnung gab es für mich nicht.“

... seine Bestrebungen, sich das Rauchen abzugewöhnen:
“Der Einzige, der mir das Rauchen jemals versucht hat abzugewöhnen, war Horst Hrubesch. Er bat mir folgende Wette an: Wenn ich zwei Monate keine Zigarette rauche, würde er die ganze Mannschaft zum Essen einladen. Ich habe die Wette angenommen und tatsächlich zwei Monate keine Zigarette angegriffen. Nach zwei Monaten ging ich zu Hrubesch in die Trainerkabine gegangen und habe gefragt: ‘Habe ich gewonnen?‘ Daraufhin Hrubesch: ‘Ja, du hast gewonnen.‘ Ich bin aus der Trainerkabine rausgegangen und habe mir eine angezündet. Woraufhin Hrubesch zu mir gesagt hat: „Du bist ein Volltrottel.“

... die Erfolge der Austria mit Prohaska und dessen Entlassung:
“Wir haben unter Prohaska auf nationaler Ebene alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Dass man dann so einen Trainer entlässt, habe ich damals nicht nachvollziehen können. Das habe ich in einem Interview auch gesagt. Und das hat dem Herrn, der damals die Fäden gezogen hat, nicht geschmeckt. Daraufhin habe halt auch ich den Blauen Brief bekommen und musste mir einen Verein suchen.“

... seine Verhandlungen mit Rapid:
“Rapid war eine sehr ensthafte Option. Ich bin mit den Rapid-Verhandlern zweimal zusammengesessen - was zur damaligen Zeit eh schon ein Wahnsinn war. Aber sie haben sich echt bemüht um mich. Ich habe einen unterschriftsreifen Vertrag vorliegen gehabt, hätte sogar wesentlich mehr verdient als bei der Austria. Ich habe mir aber noch Bedenkzeit erbeten. Und nach dieser Bedenkzeit habe ich gesagt: ‘Nein, ich kann das nicht machen, das geht nicht, ich bin Violett bis in die Knochen. Damit war das Thema auch beendet.‘“

... seine litauischen Kollegen Iwanauskas, Fridrikas und Narbekowas:
“Vorweg: Alle drei waren unheimlich gute Kicker. Iwanauskas ging ja nach der Austria zum HSV, er war absoluter Publikumsliebling. Narbekowas war von den fußballerischen Anlagen her wahrscheinlich der beste von allen dreien, ein unglaublich guter Fußballer. Was der alles mit dem Ball konnte - Wahnsinn! Und was die wenigsten wissen: Narbekowas war der einzige Spieler, der aus dem heutigen Litauen gekommen ist und mit der UdSSR Olympia-Gold geholt hat. Fridrikas ist auch ein sehr, sehr lieber Freund von mir. Er war vielleicht nicht der begnadete Fußballer, aber dieser Mensch hat Kraft gehabt - und Muskeln an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass es dort welche gibt. Vor dessen Schuss haben sich alle gefürchtet, Wahnsinn, wie scharf dessen Schüsse waren. Ich habe selten Ausländer bei der Austria miterlebt, die so schnell der deutschen Sprache mächtig waren. Und - auch das sei gesagt (lacht) - es waren allesamt Männer, die mit einem großen Durst ausgestattet waren. Du hattest es wirklich schwer, mit ihnen mitzuhalten."

Den Podcast in voller Länge mit Ogris können Sie hier (oben) und auf Spotify anhören.

Michael Fally
Michael Fally
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Donnerstag, 09. Juli 2020
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