31.07.2019 09:00 |

Für 500 Mrd. Dollar

Saudi-Prinz plant Stadt mit Robo-Dinos & Flugtaxis

Saudi-Arabiens Machthaber Mohammed bin Salman will in der nordarabischen Wüste eine Megastadt errichten lassen, die direkt aus einem Science-Fiction-Film stammen könnte. „Neom“, so der Name der Reißbrettstadt, soll 500 Milliarden US-Dollar kosten, Kliniken zur Gen-Manipulation, Robo-Dinos und -Haushälterinnen sowie Flugtaxis bieten und nachts von einem riesigen falschen Mond beleuchtet werden.

Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman (33) hat viele Gesichter: Kaltblütiger „Blutscheich“ gegenüber Kritikern wie dem ermordeten Journalisten Kashoqqi. Deal-Maker im Säbeltanz mit US-Präsident Donald Trump. Oder technikbegeisterter Silicon-Valley-Pilger mit einem Faible für Computerspiele wie „Call of Duty“.

Mit dem Reichtum, den sein Land in den vergangenen Jahrzehnten mit Ölexporten angehäuft hat, und Investoren aus dem Ausland, will er nun eine Stadt bauen lassen, die aus einem Science-Fiction-Film stammen könnte und vor modernster Technik nur so strotzt.

Stadt der Zukunft soll 500 Mrd. Dollar kosten
„Neom“, so der Name des Projekts, befindet sich in der Konzeptphase und soll an der saudischen Küste auf fast 30.000 Quadratkilometern aus der Erde wachsen. Für das Projekt will man 500 Milliarden US-Dollar in die Hand nehmen, berichtet das „Wall Street Journal“.

Visionen für die futuristische Metropole lässt der saudische Prinz etwa von den US-Beratungshäusern McKinsey und Boston Consulting entwickeln. Geld spielt eine untergeordnete Rolle: Sie haben ihm etliche ambitionierte Vorschläge unterbreitet, die in der Reißbrett-Stadt Umsetzung finden könnten.

  • Weil die geplante Küstenstadt am Roten Meer von Wüste umschlossen ist, will man sie künstlich mit Regen versorgen, der von „geimpften“ Wolken kommen soll.
  • Kameras, Drohnen und Gesichtserkennung sollen allgegenwärtig sein und die Bürger von „Neom“ auf Schritt und Tritt überwachen - zur eigenen Sicherheit, heißt es.
  • Die Hightech-Stadt soll Gentechnik-Kliniken beherbergen, mit denen man durch genetische Modifikationen, etwa bei der menschlichen Intelligenz oder Körperkraft, „einen neuen Lebensstil von der Geburt bis zum Tod“ ermöglichen will.
  • „Neom“ soll voller Roboter sein: Robo-Haushälter, Robo-Kämpfe und ein Vergnügungspark voller Robo-Saurier schweben den Stadtentwicklern vor.
  • Von A nach B soll man in „Neom“ mit dem Flugtaxi kommen. In einem Planungsdokument heißt es: „Autofahren wird man nur mehr zum Spaß, nicht mehr für den Transport.“
  • Sogar ein falscher Mond schwebt den Stadtplanern vor: Er könnte von Drohnen dargestellt werden oder ein Live-Bild des echten Mondes sein und die Stadt nachts erleuchten.

Erstmals 2017 angekündigt, will Bin Salman mit der Stadt „die größten Geister und besten Talente der Welt“ anlocken und die reichste Stadt der Welt erschaffen. Bei den US-Beratungshäusern hat er sich informiert, wie weit er mit einer Investition von 500 Milliarden US-Dollar dabei kommt. Verantwortet wird das „Neom“-Projekt von Nadhmi al-Nasr, der zuvor Entscheidungsträger an der King Abdullah University of Science and Technology war.

Laut dem „WSJ“-Bericht gibt es zu „Neom“ bereits 2300 Seiten an Planungsdokumenten. Auch die Umsiedlung von 20.000 Menschen - viele wohnen dort seit Generationen - am geplanten Bauort an der saudischen Nordgrenze am Golf von Akaba wird ins Auge gefasst.

Neben einer Hightech-Metropole will man mit „Neom“ auch einen Touristenmagnet erschaffen, Luxushotels und Paläste sind geplant. Wirtschaftsschwerpunkte umfassen insbesondere IT- und Biotechnologie, man hofft auf internationale Unternehmen und Experten.

Alkohol darf getrunken werden
Offen bleibt in den Plänen eine zentrale Frage: Ob sich die futuristische Lebensweise und die mondäne Bevölkerung, die angelockt werden soll, mit den religiösen Traditionen des autoritär-islamischen Landes vertragen? Kleine Zugeständnisse - Alkohol darf getrunken werden - werden in den Unterlagen angedeutet, wie es um die Rechte von Frauen oder eine unabhängige, vom Klerus entkoppelte Justiz stehen soll, ist aber unbekannt.

Noch eine Vision in der Planungsphase, zeigt „Neom“, wo man in Saudi-Arabien hin will. Die Welt will unabhängiger vom Öl werden, damit würde Saudi-Arabien den wichtigsten Wirtschaftsmotor verlieren. Schafft man nicht wie die benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate oder Katar andere Einkommensquellen, droht langfristig ein böses Erwachen.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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