15.07.2019 06:00 |

Stange, Flasche, Faust

Drei blutige Attacken auf eine Wiener Ärztin

Es grenzt an ein Wunder, dass nicht viel mehr Ärzte die OP-Haube draufhauen. Heute stellen wir Ihnen eine Chirurgin vor, die jeden Tag Leben rettet - und im Dienst um ihres fürchten muss. Die 43-jährige Ärztin aus dem Wiener Krankenhaus Hietzing wurde schon dreimal (!) attackiert: mit einer Eisenstange, einer Flasche, einer Faust. Erst kürzlich hatte im SMZ Süd ein Patient einem Arzt ein Messer in den Bauch gerammt (siehe Video oben).

„Wir sind zu wenig, wir schaffen es nicht mehr.“ „Natürlich habe ich Angst, ich habe eine kleine Tochter, ich will nicht mit einem Bauchstich enden.“ „Ich habe schon überlegt aufzuhören.“ Alleine diese drei Sätze einer Chirurgin aus dem KH Hietzing, die anonym bleiben möchte, sollte die Politik und die Verantwortlichen des Krankenanstaltenverbundes (KAV) endlich aus ihrem Dornröschenschlaf holen. Aber da kommt noch mehr, nämlich ihre persönlichen Schicksale mit gewalttätigen Patienten. Und die haben es in sich:

Die Vorfälle:

  • 2007, Stange: Ein Junkie prügelt die Chirurgin im Nachtdienst mit einer Eisenstange nieder. Von vorne. Zweimal auf den Kopf, dann schlägt er ihr ins Gesicht. „Um 1 Uhr in der Früh stand er vor meinem Dienstzimmer“, erzählt sie. Die Folgen: eine Rissquetschwunde am Schädel, Prellung des Jochbeins, im Daumen reißt ein Muskel. Sechs Wochen Krankenstand. Danach müssen Kollegen sie aus dem Dienstzimmer abholen. Die Angst ist zu groß.
  • 2016, Glasflasche: Ein Flüchtling will Schlafmittel, die Ärztin hat auf ihrer Station keine. Der Mann rastet aus, wirft eine Whiskyflasche durch die Ambulanzscheibe (kein Sicherheitsglas!), die messerscharfen Splitter regnen auf die Medizinerin herab. Schürfwunden, Prellungen. Vor Gericht landet der Vorfall nie.
  • 2018, Faust: Ein Patient, sehr verwirrt, mit starken Schmerzen, holt aus und schlägt der Chirurgin mit voller Wucht ins Gesicht.

„Wir brauchen mehr Security und mehr Personal“, sagt sie. „Alleine auf unserer Station fehlen drei Ärzte und 20 Schwestern.“

Und, liebe Politiker, liebe Verantwortliche des KAV, schon aufgewacht?

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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