12.07.2019 06:00

Vorbild Deutschland

Pfand auf Plastikflaschen auch in Österreich?

Sie landen im Restmüll oder - achtlos weggeworfen - auf Straßen, Feldern, in Wäldern, Flüssen und Seen und stellen ein immer größer werdendes Umweltproblem dar. Die Rede ist von leeren Plastikflaschen, die - entsorgt in freier Natur - erst nach mehr als 400 Jahren in kleinste Plastikteilchen zerfallen. Dieses Mikroplastik findet sich mittlerweile nicht nur in Körpern von Fischen, sondern konnte auch schon im menschlichen Körper nachgewiesen werden. Höchste Zeit also, endlich etwas gegen die Plastikflut zu unternehmen. Die Einführung eines Pfandsystems für PET-Flaschen und Getränkedosen nach deutschem Vorbild wäre für viele Experten ein gangbarer Weg.

Für die Liste JETZT etwa geht das Verbot des Plastiksackerls im Einzelhandel nicht weit genug. Sie forderte bereits Ende des Vorjahres von Türkis-Blau, „eine Machbarkeitsstudie zur Einführung eines flächendeckenden und verpflichtenden Pfandsystems für sämtliche Plastik- und Aluminiumgetränkeverpackungen in Auftrag zu geben“. Die Studie solle „darüber hinaus die Einführung eines neuen rechtlichen Rahmens zum Ausbau von Mehrwegsystemen untersuchen“, hieß es in dem am 13. Dezember 2018 eingebrachten Entschließungsantrag.

Ex-Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) kündigte daraufhin Anfang April im Umweltausschuss des Parlaments an, „in den nächsten Wochen eine umfassende Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, die bis Ende des Jahres vorliegen sollte“. Eine solche Studie ist von Köstinger auch noch ausgeschrieben worden, wie eine Anfrage von krone.at ergab. Den Zuschlag soll in Kürze ein Konsortium aus BOKU Wien und Montanuni Leoben erhalten, Ergebnisse sollen noch Ende dieses Jahres oder Anfang 2020 vorliegen.

„Bevölkerung will umweltfreundliche Flaschen“
Allerdings ist im Titel der Studie „Wie kann Österreich das Sammelziel der Europäischen Union, nämlich 90 Prozent PET-Sammelquote bis zum Jahr 2029, erfüllen?“ nicht von einem Pfandsystem die Rede. Genau ein solches fordert allerdings auch Greenpeace. „Um die Plastik-Krise zu stoppen, braucht es die Mehrweg-Pfandflasche in ganz Österreich“, sagt Nunu Kaller, Expertin für Konsumfragen bei Greenpeace Österreich. Auch die Bevölkerung wolle mehr dieser umweltfreundlichen Flaschen. Das zeige auch eine im Auftrag der Umweltschutzorganisation im Februar durchgeführte Studie zum Thema Mehrweg.

Demnach ist 81 Prozent der Befragten eine umweltfreundliche Verpackung wichtig oder sogar sehr wichtig, rund die Hälfte ist sogar bereit, für alle Einweg-Getränkepackungen - egal ob Dose, Plastik- oder Glasflache - Pfand zu bezahlen. Das wäre auch dringend notwendig, denn zurzeit entsorgen nur 42 Prozent der Österreicher ihre gebrauchten Plastikflachen im gelben Sack oder in der gelben Tonne. Mehr als 55 Prozent der Befragten werfen die Flaschen teilweise in den Restmüll, drei Prozent entsorgen sie ausschließlich in diesen.

Großteil der Plastikflaschen wird verbrannt
Wodurch wertvolle Ressourcen verschwendet werden, denn nur jene Flaschen, die in gelben Tonnen oder Säcken landen, werden recycelt - alle anderen werden „thermisch verwertet“, sprich verbrannt. Der Anteil an recyceltem Plastik in neuen PET-Flaschen beträgt hierzulande zurzeit kümmerliche 20 Prozent, der Rest ist neuer Kunststoff. Die nachhaltigsten Getränkeverpackungen sind wiederbefüllbare Mehrwegflaschen (egal ob aus Glas oder Plastik), heißt es dazu bei Greenpeace. Deren Zahl im heimischen Handel ist freilich seit Jahren stark rückläufig. In nennenswerten Mengen finden sie lediglich bei Bier und Mineralwasser Verwendung.

An der Mehrweg-Pfandflasche führt aber ohnehin kein Weg vorbei, denn durch neue EU-Vorgaben müssen bis zum Jahr 2029 neun von zehn Flaschen wieder eingesammelt werden. „Die von der EU und der Regierung gesteckten Ziele können nur mit einem Pfandsystem umgesetzt werden. Dabei müssen wiederbefüllbare Mehrwegflaschen klar bevorzugt werden. Sie sind eindeutig die umweltfreundlichste Lösung“, sagt Nunu Kaller.

Kaum noch Mehrwegflaschen im Regal
Greenpeace fordert von der Regierung ein Pfandsystem auf alle Getränkeverpackungen. Bis 2025 sollen davon etwa zwei Drittel Mehrwegflaschen sein und als solche verpflichtend gekennzeichnet werden. Weil Mehrwegflaschen mehr als 40-mal wiederbefüllt werden können, werden wertvolle Ressourcen gespart. „Die Österreicher wollen mehr Pfandflaschen in den Supermarktregalen, doch sie scheitern am kaum vorhandenen Angebot“, beklagt Greenpeace-Expertin Kaller.

Auch die Grünen plädieren für ein Pfandsystem für Dosen und Flaschen sowie verbindliche Mehrwegquoten. Sie kritisieren, dass die freiwilligen Vereinbarungen des Umweltministeriums mit dem Handel und der Getränkewirtschaft zur Förderung von Mehrwegflaschen schon seit Jahren gescheitert sind. Der Mehrweg-Anteil befinde sich „auf einem historischen Tiefstand“, heißt es. Auch zahlreiche Experten sehen als Ausweg nur eine verpflichtende Quote für Mehrwegprodukte sowie die Einführung eines Pfandsystems auf PET-Flaschen und Alu-Dosen.

Pfandsysteme in mehreren europäischen Staaten
Ein solches gibt es bereits in verschiedenen europäischen Ländern - zum Teil seit vielen Jahren. Etwa in Finnland, wo es eine Pfandpflicht für Einwegverpackungen schon seit 2008 gibt, aber auch in Norwegen, Schweden, Estland und Kroatien. Bis zu 40 Cent beträgt das Pfand für PET-Flaschen und Alu-Dosen. Auch in Deutschland sind seit 1. Mai 2006 sämtliche Verpackungen für Bier, Biermischgetränke, Mineral- und Tafelwasser, Erfrischungsgetränke inklusive Eistee und Alcopops in Dosen und Einwegflaschen (Kunststoff und Glas) pfandpflichtig.

Wie in den meisten Ländern mit einheitlicher Pfandpflicht wird die Rücknahme des Einweg-Leergutes bei den großen deutschen Handelsketten vor allem durch Rücknahmeautomaten (Bild oben) abgewickelt. 25 Cent sind die retournierten PET-Flaschen dem Handel in Deutschland wert, weshalb beachtliche 97,9 Prozent wieder den Weg zurück in die Geschäfte finden. Zum Vergleich: Hierzulande werden derzeit 73 Prozent der Flaschen eingesammelt - Geld für die Konsumenten gibt es aber keines ...

Wilhelm Eder
Wilhelm Eder

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