23.06.2019 06:00 |

Ruhestand muss warten

70 - und mitten im Scheinwerferlicht

Es gibt sie doch, die bedeutenden Frauen im fortgeschrittenen Alter, die für positive Schlagzeilen sorgen und ungebrochen Erfolg im Beruf haben. Egal, ob in der Politik oder im Show-Business, sie sind noch lange nicht reif für den Ruhestand.

Der gänzlich in Purpurrot gekleideten Simone Rethel schallten gleich nach der Vorstellung der Generationenkomödie „Wir sind die Neuen“ in Stuttgart laute Happy-Birthday-Sprechchöre entgegen. Denn die Witwe von Jopie Heesters (starb 2011 mit 108 Jahren) beging vor acht Tagen ihren 70. Geburtstag. Noch im Theaterfoyer verkündete die Aktrice und Malerin ihr Lebensmotto: „Sag nie, du bist alt!“

Frauen feiern Erfolge - auch jenseits der 70
So wie Rethel, die immer noch voll Enthusiasmus auf der Bühne steht, feiern immer mehr Frauen, die mindestens sieben Lebensjahrzehnte zählen können, in aller Öffentlichkeit Erfolge. Sie sind sichtbar, sie werden ernst genommen, sie haben etwas zu sagen.

Seit Bundespräsident Alexander Van der Bellen die bisherige Leiterin des Verfassungsgerichtshofs, Brigitte Bierlein (sie wird am 25. Juni 70), zur ersten (Übergangs-)Kanzlerin Österreichs ernannt hat, ist einiges in Bewegung geraten. Der immer schon dumme Spruch „Frauen haben ein Ablaufdatum, Männer nicht“ wird von ihr eindrucksvoll widerlegt. Mehr noch: Das Alter von Brigitte Bierlein war überhaupt kein Thema, kommentiert wurden allenfalls ihre Erfahrung als Richterin, ihre Souveränität, Gelassenheit, Professionalität.

Frauen mit 70 oder älter, die eine neue Herausforderung annehmen - das scheint derzeit fast ein Trend zu sein. In den USA stilisiert sich Nancy Pelosi, Oppositionschefin im Kongress und mittlerweile 79, zur wichtigsten Gegenspielerin von Donald Trump. Immer wieder schießt sie gekonnt ihr rhetorisches Pulver gegen den Präsidenten, und dieser explodiert ob ihrer Kritik wie ein Feuerwerk.

Streep setzt sich für Rechte der Frauen ein
Oscarpreisträgerin Meryl Streep („Kramer gegen Kramer“, „Jenseits von Afrika“), die am Samstag ihren 70er beging, tritt nach wie vor für die Rechte von Frauen ein, gerade deren Stellung in der Filmindustrie liegt ihr am Herzen. Nicht nur, dass sie einen feministisch motivierten Film nach dem anderen dreht („Suffragetten“ 2015, „Florence Foster Jenkins“ 2016, „Die Verlegerin“ 2017), sie kämpft auch für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen im Showbusiness. Und dafür, dass die Gleichberechtigung endlich auch in die amerikanische Verfassung aufgenommen wird.

Klar, dass sich die bodenständige Meryl riesig mit Hollywood-Kollegin Glenn Close freute, als diese heuer im Jänner mit 71 einen Golden Globe als „Beste Hauptdarstellerin“ für ihre Rolle in „Die Frau des Nobelpreisträgers“ erhielt. Strahlend schön nahm die Leinwand-Ikone ihren Preis entgegen.

Die Emanzipationsbewegung hat also eine längst fällige neue Facette erhalten. Es geht nicht mehr nur um die Gleichstellung von Frauen per se, sondern vor allem um jene Frauen in einem Alter, wo bei Männern noch niemand auf den Jahrgang schauen würde. Dass es auf Ausstrahlung und Wirkung ankommt und nicht auf eine Zahl im Pass, das sehen auch die Sängerinnen Barbra Streisand („Funny Girl“, 77) und Cher (73) so. Unermüdlich rocken sie die Bühnen, das Gemäkel über ihr Aussehen versuchen sie einfach galant wegzustecken.

Die Aufzählung hochaktiver Showstars über 70 ließe sich noch fortsetzen: Helen Mirren, Charlotte Rampling, Tina Turner, Diane Keaton, Dolly Parton etc. In Österreich haben 15 Prozent der Frauen ihren Siebziger bereits hinter sich. Sie dürfen sich jetzt offiziell in einem Punkt bestätigt fühlen, der ihnen selbst ohnehin immer klar war: dass sie noch lange nicht alt sind.

Karin Schnegdar, Kronen Zeitung

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