16.06.2020 06:45 |

Hotspot Velden

Sommerfrische und Auszeit am Kärntner Wörthersee

Still liegt er da, der Wörthersee. Aber nur in den ganz frühen Morgenstunden. Oder an den ganz besonderen Plätzchen abseits der Promenade. Da findet die gestresste Alltagsseele Ruh – bis zum Abend, wenn die Hotspots Velden und Pörtschach zur Partynacht rufen.

Erinnerungen riechen. Zumindest bei mir. Badetage am Wörthersee sind mit einem bestimmten Duft verbunden – ein bisschen Sonnenmilch, aus einer knallgelben Flasche, die meine Mutter immer verwendet hat, dazu belegte Brote, einst noch ohne Umweltgedanken fest in Alufolie verpackt. Eine Wolldecke als Unterlage, die, wenn sie nass wurde, einen unverkennbaren Geruch verbreitet hat. Und nass war sie immer. Denn natürlich war ich den ganzen Tag im Wörthersee. Auch er riecht: nach Leichtigkeit und Luft, nach Schlamm und Fischen – nach Kindheit eben.

Diese ist lange her, die Bilder von damals sind geblieben. Und erwachen beim Blick auf das Klagenfurter Strandbad, den Pyramidenkogel, das Schloss Velden, die Pörtschacher Halbinsel. Sommerfrische heißt es, wenn man sich abseits des städtischen Alltags eine Auszeit nimmt. Seit mehr als einem Jahrhundert strömen Urlauber dafür an den Wörthersee; mal mehr, mal weniger, in Wellen, mal ruhigere, mal lautere.

Die letzten GTI-Fans etwa sind gerade abgefahren – jetzt kommen die Sportwagen. 300 Luxusschlitten mit einem Gesamtwert von 20 Millionen Euro drehen heute noch beim Internationalen Sportwagenfestival ihre Runden. Klassisch will dabei jeder Fahrer vor dem Schloss Velden einparken, für ein Foto, denn das macht schon was her, ein McLaren 600 LT Spider, oder Ferrari 812 Superfast mit dem bekannten gelben Fernsehhotel im Hintergrund.

Schein und Sein sind am Wörthersee immer schon wichtig gewesen. Nicht umsonst geben sich in den Top-Hotels zwischen Pörtschach und Velden Sommer für Sommer Promis die Türklinke in die Hand, sofern sie nicht bereits eine Villa an den begehrten Ufergestaden ihr Eigen nennen. Glock, Piëch, Horten, Flick müssen zwar damit leben, dass ihre Anwesen vom Boot aus von jedermann bestaunt werden können – doch Berührungsängste hat man rund um den See sowieso nicht.

Denn auch wenn das Gewässer mit knapp 19,39 Quadratkilometern und 16,5 Kilometer Länge der größte See Kärntens ist, ist letztlich alles sehr klein gehalten – man kennt sich, man trifft sich, man lebt mit- und nebeneinander, erst beim Sonnenbaden in den schicken Bädern und Gastrotempeln, dann bei Events wie Fête Blanche oder See-Essspielen, zwischendurch schaut man sich beim Nobeljuwelier neben dem Casino um eine neue Uhr um.

Die Saison ist kurz
Anfang Mai hat es heuer in Velden noch geschneit, und spätestens mit Herbstbeginn schließen viele Lokale und Herbergen bereits wieder ihre Pforten. In die kurzen Monate dazwischen wird alles hineingepackt, was den Wörthersee ausmacht: Plantschen mit Superchillfaktor – unter den Alpenseen ist der ursprüngliche „Werdse“ der wärmste. Naturerlebnis besonderer Art – es gibt nach wie vor stille Refugien für die Tierwelt und Trinkwasserqualität für alle. Dann wieder Partykult um Kultpartys – auf Straßen und Plätzen, in VIP-Zonen.

Gar zu wild sollte es aber dabei nie werden. Daran gemahnt das Wörtherseemandl, das der Sage nach den See erschaffen hat. Als das Kärntner Volk zwischen Klagenfurt und Velden vor Ostern gar zu wild feierte, schritt es ein: „Oh, ihr Schwelger, kehret heim, ehe die Stunde der Buße verrinnt und die Strafe euch erreicht!“ Die Strafe ist bekannt: Das Männchen öffnete ein Fass, aus dem Wasser strömte und alle Menschen und Dörfer verschlang – der Wörthersee. In stillen Stunden, ganz früh am Morgen oder an ganz besonderen Plätzen abseits der Promenaden kann man noch heute die Glocken der versunkenen Kirche hören, heißt es.

Kerstin Wassermann, Kronen Zeitung

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