19.06.2004 15:35 |

Toleranz-Effekt

Männer sind weniger schmerzempfindlich

Männer sind weniger sensibel als Frauen, zumindest was Schmerzen betrifft. Forscher haben herausgefunden, dass das männliche Hormon Testosteron Beschwerden ausblendet. Sie glauben, dass dieser Toleranz-Effekt Männern hilft, ihre Ausdauer bei Kämpfen zu behalten, wo das Testosteron-Niveau hoch ist. Das berichtet pressetext.de unter Berufung auf das Wissenschaftsmagazin „Nature“.
"Wenn Männer weniger empfindlich auf Schmerzsind, ist die Bereitschaft zu kämpfen größer",sagt die Leiterin der Studie, Michaela Hau, eine Tierphysiologinund Verhaltenswissenschaftlerin an der Universität Princeton,New Jersey. Das Forschungsteam hat männlichen Spatzen Testosteronimplantiert und ihre Reaktionszeit auf Schmerz gemessen.
 
Testosteron verschleiert Schmerzen
Das Testosteron hat den Vögeln erlaubt, Beschwerdenlänger auszuhalten, daher gehen die Forscher davon aus, dassdas Hormon Schmerzen verschleiern kann. Sie bestimmten die normaleReizschwelle für Schmerz bei männlichen Spatzen, indem sie ein Beinchen in einen Becher mit heißem Wasser hielten.
 
"Wir haben gemessen, wie lange es dauert, bis derVogel sein Bein wieder einzieht", erklärt Hau. Je schnellerdie Vögel ihre Beine wegnahmen, desto größer warwahrscheinlich der Schmerz. Bei Temperaturen unter 51 Grad Celsiusdauerte die Reaktion der Vögel relativ lange. Aber bei höherenTemperaturen entfernten sie ihre Beine schneller, also hat siedas heiße Wasser geschmerzt.
 
Die Forscher verabreichten das Testosteron mittelsImplantate in den Rücken der Spatzen. Bei 52 Grad Celsiushaben mit Testosteron behandelte Tiere ihre Beine drei Mal solange im Wasser behalten wie unbehandelte, was indiziert, dassihre Toleranz gegenüber Schmerz gestiegen war. Das Team hatdann den Effekt eines Medikaments getestet, das den Effekt vonTestosteron blockiert. Die Vögel wurden doppelt so sensibelauf Wasser bei 48 Grad Celsius, einer Temperatur, bei der sienormalerweise nur wenig Unbehagen zeigten.
 
Für Männer mit chronischen Schmerzen
Die Forscher glauben, dass Testosteron eine Kettevon Ereignissen auslöst, die zu einem Anstieg des Niveausnatürlicher Schmerzmittel führen, den sogenannnten Enkephalinen.Das gilt wahrscheinlich auch für Menschen. "Ich zweifle nichtdaran, dass Testosteron einen Effekt auf das Schmerzempfindenvon Menschen hat", kommentiert Roger Fillingim, der Arbeiten zumThema Schmerz an der Universität von Florida in Gainsvilledurchführt. Fillingim glaubt, dass das Testosteron Männernmit chronischen Schmerzen verabreicht werden könnte. DieseMänner nehmen oft Medikamente, die das normale Testosteronniveausenken, was in die natürliche Verminderung ihres Leidenseingreift.
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