Sa, 25. Mai 2019
20.04.2019 06:00

Erzbischof im Gespräch

„Wir vergeben keine Noten an Politiker“

Ostern – Zeit der mahnenden Worte: Wie Erzbischof Franz Lackner seine Rolle in Zeiten sozialen Wandels sieht. „Wir sind die Stimme der Schwachen“, meint er, erschüttert von den aktuellen Bildern aus Paris und voller Zuversicht, was die Aufarbeitung der Geschehnisse in Kärnten betrifft.

Es gab vor Ostern aus Kirchenkreisen mahnende Worte an die Politik

Dem schließe ich mich an. Wir sind aber nicht bessere Politiker und schon gar nicht Opposition. Ich sehe es als Aufgabe der Kirche, an die Schwachen zu denken. Wir haben sicher ein gutes soziales Netz, aber trotzdem gibt es auch Verlierer. In puncto Sozialhilfe würde ich beim Begriff der Mindestsicherung bleiben. Menschen haben Anrecht auf ein Mindestmaß an Sicherung.

Läuft Asylpolitik falsch?

Es ist nicht unsere Aufgabe, Noten zu verteilen, sondern die Stimme derer zu sein, die durch das System fallen. Ich erlebe es schon, dass sich bei Flüchtlingen eine humanitäre Katastrophe abspielt. Der Begriff ,Humanitäres Bleiberecht‘ ist fast verschwunden. Ich möchte laut die Frage stellen, ob er nicht mehr zu Geltung kommen müsste.

Die Bettler polarisieren. Stichwort: Vorfall bei den Franziskanern

Ich glaube schon, dass ich positiv einwirken konnte. Ich bin ja selbst ein Franziskaner und war 18 Jahre im Kloster. Es ist in die DNA der Franziskaner geschrieben, mit den Armen zu sein. Sie werden ihre Spiritualität nicht aufgeben.

Schmerzen die aktuellen Bilder aus Paris?

Eine Hiobsbotschaft. Für mich ist es erschütternd. In solchen Momenten spüren die Menschen, dass etwas, das zu unserer Identität gehört, bedroht ist. Ich sehe aber keine apokalyptische Bedeutung. Es sind Ereignisse, die uns nachdenklich machen sollen. Berührend ist, dass die Dornenkrone und das Allerheiligste gerettet wurden.

Sind Sie nach Abschluss der Visitation in Kärnten jetzt in Kontakt mit Rom?

Der Bericht ist übergeben. Wir haben die 15 Aktenordner mit dem Auto nach Rom gefahren. Wir haben viel gearbeitet, über hunderte Gespräche geführt. Unsere Aufgabe war es, dass dort wieder Ruhe einkehren kann. Wenn ich nicht mehr nach Rom gerufen werde, gibt es keinen weiteren Besuch.

Gibt die Kirche zu wenig von sich preis?

Es gibt Bereiche, wo wir sehr offen sind. Ich lade zum Beispiel immer zu mir, die Salzburger sollen wissen, wie ich wohne. Aber wenn es zu sehr in die Persönlichkeit geht, wird es schwierig. Man muss die Menschen schützen.

Ihre Osterbotschaft?

Auferstehung gibt dem Leben Hoffnungsstruktur.

 krone.at
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Sabine Salzmann
Sabine Salzmann

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