22.03.2019 17:22 |

Verwirrung um Dürr

Doping: Nun auch Ex-Sportchef belastet?

Johannes Dürr soll laut Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom Freitag in einem intensiven Gespräch mit Anti-Doping-Ermittlern den früheren Sportlichen Leiter für Langlauf und Biathlon im ÖSV, Markus Gandler, Mitwisserschaft vorgeworfen haben. Demnach habe ein Zeuge der Unterredung am Donnerstag gemeint: „Ich kann diese Aussage nicht dementieren.“ Dürr soll auch bei der österreichischen Staatsanwaltschaft den Ex-Funktionär belastet haben, schreibt das deutsche Blatt - davon will die Staatsanwaltschaft selbst allerdings nichts wissen. Dürr habe „bei uns keine Angaben gemacht“, heißt es dort.

Der Chefermittler des Bundeskriminalamts (BK), Dieter Csefan, erklärte, dass man von den Vorwürfen nur über die Medien erfahren habe. „Ich kann bestätigen, dass er (Dürr, Anm.) bei uns keine Angaben gemacht hat, bezüglich des Herrn Gandler oder irgendwelche Vorwürfe, sonst würde Herr Gandler bei uns als Beschuldigter geführt werden“, sagte Csefan. Auch die Kollegen in Deutschland hätten „keinen Kontakt und keine Vernehmung mit Herrn Dürr“.

Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, untermauerte Csefans Aussagen: „Ich kann das nicht bestätigen, dass der Herr Dürr den Herrn Gandler in irgendeiner Form belastet hätte.“ Markus Gandler zeigte sich erbost über die von der „FAZ“ vorgetragenen Vorwürfe. „Ich habe mit der Oberstaatsanwaltschaft geredet, der war bei jeder Einvernahme des Herrn Dürr mit anwesend sowohl in Österreich als auch in Deutschland. Der Name Gandler ist dort nie gefallen“, sagte Gandler, der nun auch rechtliche Schritte gegen diese „Menschenhatz“ prüfen lässt.

Dürr war bei den Olympischen Spielen 2014 des Dopings überführt worden und hatte nach seiner Sperre laut eigenen Aussagen bis Dezember 2018 mit Eigenblut-Doping weitergemacht. Er ist Kronzeuge in den Ermittlungen rund um das Netzwerk des Erfurter Arztes Mark S., seine Darstellungen in einer im Jänner ausgestrahlten ARD-Doku hatten die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Dürr war im vergangenen Sommer bei einer sogenannten FuckUp-Night, bei der Betroffene ihr berufliches Scheitern, Fehler und den Weg zurück schildern, damit andere davon lernen können, aufgetreten. Dürr hatte am 5. Juli 2018, befragt zur Rolle des ÖSV und zu Doping, zwar von keiner aktiven Unterstützung, aber von einer Art stillschweigender Duldung berichtet.

Der ÖSV hatte daraufhin eine Einstweilige Verfügung gegen Dürr erwirkt sowie einen Widerruf verlangt. Diese Verfügung ist nach wie vor aufrecht und wird laut dem deutschen Rechtsanwalt von Dürr, Dr. Michael Lehner, Ende April behandelt. „Ich empfinde es als Meinungsäußerung, das kann man rechtlich unterschiedlich werten. Ich denke, Johannes Dürr hat dort eine Meinung gesagt, dass die Oberen, ich formuliere es in meinen Worten, die Augen verschließen. Wenn jetzt nach Ermittlungen, […] ein Herr Heigl mit reinkommt zum Beispiel als Cheftrainer, dann der Gandler möglicherweise auch, dann ist so eine Meinungsäußerung allemal zulässig nach deutschrechtlicher Überlegung. Ich bin aber kein österreichischer Rechtsanwalt.“

An jenem Abend in Wattens im Juli des Vorjahres habe sein Schützling jedenfalls keine Namen genannt. Und der erfahrene Sportrechtler rät dem ÖSV sogar die Zurücknahme dieser Verfügung. „Ich empfehle dem österreichischen Verband, seine Verfügung zurückzunehmen und Johannes Dürr dankbar zu sein für das, was er bislang ausgesagt hat und was durch die Staatsanwaltschaft erfolgreich veranlasst werden konnte. Sie sollten sich vielleicht besser um ihre Trainer kümmern und sonstige Organisation“, sagte Lehner. Allein am Beispiel des Ex-Cheftrainers Gerald Heigl sei ein gewisses Kommen und Gehen zu registrieren gewesen. „Man sollte nicht auf einem Athleten rumprügeln und ihm den Mund verbieten, sondern sollte in seinem eigenen Stall mal ganz gründlich ausforsten (sic!).“ „Der Österreichische Skiverband gibt zu diesem Thema keine offizielle Stellungnahme mehr ab“, meinte ÖSV-Medienbetreuer Bernhard Foidl.

Lehner betreut Dürr auch weiterhin gegenüber der NADA wegen seines neuen Dopinggeständnisses. Der aktuell ins Visier der Dopingfahnder geratene Erfurter Arzt Mark S. sei ihm jedenfalls vor Jahren im Prozess gegen den damaligen Radprofi Stefan Schumacher, den er damals vertreten hatte, „sehr aufgestoßen“. Man hätte schon damals wegen falscher Zeugenaussagen von Ex-Gerolsteiner-Boss Hans-Michael Holczer oder Mark S. ermitteln müssen, meinte er. „Das ist ein deutsches Großversehen, möglicherweise, wenn man damals beim Gerolsteiner-Prozess richtig nachgehakt hätte, hätte es den Mark S. nicht gegeben.“

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