21.03.2019 16:32 |

Neue Studie zeigt:

„Harter“ Brexit kostet jeden Österreicher 83 Euro

Einen ungeordneten Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union werden die Österreicher einer Studie zufolge im Geldbörserl zu spüren bekommen - wenn auch nicht dramatisch. Sie müssten sich auf Einkommensverluste in Höhe von insgesamt jährlich rund 724 Millionen Euro oder durchschnittlich 83 Euro pro Kopf und Jahr einstellen. Das ist der elfthöchste Wert innerhalb der EU. Am stärksten von einem „No Deal“-Brexit betroffen wäre Großbritannien selbst: Auf das Vereinigte Königreich würden Einkommensverluste von jährlich 57 Milliarden Euro oder rund 873 Euro pro Kopf zukommen.

Fakt ist: Österreich wäre bei einem „harten“ Brexit von den wirtschaftlichen Folgen deutlich weniger betroffen als andere EU-Länder. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung vom Donnerstag, rechtzeitig zum EU-Brexit-Gipfel in Brüssel, wurden die Konsequenzen eines sogenannten No-Deal-Szenarios analysiert. Demnach hätte Österreich beim Wohlstand nur 0,2 Prozent an Einbußen zu befürchten. Bei der Produktivität würde das Minus sogar nur 0,062 Prozent betragen. Insgesamt würde der Wohlstandsverlust für Österreich 724 Millionen Euro betragen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt von rund 386 Milliarden Euro im Jahr 2018.

Pro-Kopf-Verlust in Salzburg am höchsten
Die Bertelsmann-Stiftung hat auch ein Bundesländer-Ranking erstellt. Demnach wäre der Wohlstandsverlust pro Kopf in Salzburg mit 90 Euro am höchsten und im Burgenland mit 52 Euro am niedrigsten (siehe Grafik unten). Als Grundlage für die Errechnung hat die Stiftung Wirtschaftsstruktur und Exportabhängigkeit der einzelnen Bundesländer herangezogen.

„Die Einkommensverluste sind als Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und Jahr angegeben“, heißt es auf der Homepage der Bertelsmann-Stiftung zur Erläuterung. Die größten Verluste pro Kopf werden nach Großbritannien (873 Euro) in Irland (726 Euro) und Luxemburg (220 Euro) erwartet.

Auf das Vereinigte Königreich käme laut Simulation bei einem „No Deal“-Austritt ein jährlicher Einkommensverlust von 57 Miliarden Euro zu. Auf fast acht Milliarden Euro weniger müssten sich die Franzosen und auf gut vier Milliarden Euro weniger die Italiener gefasst machen, sagt die Studie voraus. Die knapp zehn Milliarden Euro absoluter Einkommensverlust für Deutschland jedes Jahr seien zwar ein hoher Wert, das entspreche aber nur etwa 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erläuterte Mitautor Dominic Ponattu.

Geordneter Brexit würde negative Auswirkungen deutlich abmildern
Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die negativen Auswirkungen deutlich abmildern, betonen die Autoren. Sie hatten auf Basis von amtlichen Handelsdaten in zwei Szenarien - Brexit mit oder ohne Vertrag - Einkommensentwicklungen geschätzt, auf Grundlage erwarteter Veränderungen beim Bruttoinlandsprodukt.

Zölle würden Waren verteuern
Als Gründe für die erwarteten Verluste nennen sie Zölle, die Waren verteuerten, aber auch einen wohl sinkenden Wettbewerb in Europa mit negativen Folgen für Preis- und Lohnentwicklung. Bei einem vertraglich geregelten Austritt sieht die Simulation weit weniger negative Auswirkungen. Für Deutschland nehme man dann Einkommensverluste von rund fünf Milliarden Euro an, für Österreich 402 Millionen Euro. Auch für die gesamte EU (ohne Großbritannien) würde sich der Verlust in etwa halbieren - auf geschätzte 22 Milliarden Euro.

Umfrage: 58 Prozent der Österreicher wollen keinen Brexit
Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) sind 58 Prozent der Österreicher für den Verbleib Großbritanniens in der EU, fast ein Viertel ist für den Austritt. „Die Österreicher wissen, dass ein Brexit eine suboptimale Lösung ist. Ich glaube, dass es einen Brexit-Effekt für die Europawahlen geben könnte“, sagte ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt.

Die Österreicher wollen außerdem einen geregelten Ablauf des Austrittsprozesses. 57 Prozent sind für eine Fristverlängerung, um einen ungeregelten Austritt Großbritanniens zu verhindern. Ein Drittel der Befragten ist der Meinung, dass die Briten die EU, mit oder ohne Abkommen, Ende März verlassen sollten. Die hohe Zustimmung für eine Verlängerung erklärt sich Schmidt damit, dass so die Kosten eines Brexit mit einem möglichen Abkommen minimiert werden könnten.

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