18.03.2019 14:18 |

„Ziel erreicht“-Post

Video verbreitet: Teenager drohen 14 Jahre Haft

Mehr als 1,5 Millionen Mal musste Facebook Videos des Massakers in der Al-Noor-Moschee im neuseeländischen Christchurch löschen, in denen zu sehen ist, wie Dutzende Menschen während des Freitagsgebets eiskalt niedergeschossen wurden. Wie ein Lauffeuer hatten sich Clips der insgesamt 17-minütigen Wahnsinnstat verbreitet (das Video oben zeigt die Anfangsszenen). Ein 18-Jähriger Neuseeländer, der den Livestream des rechtsextremen Brenton Tarrant geteilt und ein Foto aus der Moschee mit dem Titel „Ziel erreicht“ gepostet hatte, wurde am Montag angeklagt. Eine Kaution wurde ihm verwehrt, ihm drohen 14 Jahre Haft.

Am Montag wurde der 18-Jährige, dessen Name nicht bekannt gegeben wurde, in Christchurch dem Richter vorgeführt. Ihm wird vorgeworfen, das Livestream-Video des Massakers in der Al-Noor-Moschee, bei dem 42 Menschen - darunter auch mehrere Kinder - starben, geteilt zu haben. Zudem habe er ein Foto einer der Moscheen hochgeladen und es mit der Aufschrift „Ziel erreicht“ versehen sowie in Chat-Messages zu „extremer Gewalt aufgestachelt“. Eine Kaution lehnte der Richter ab, am 8. April steht der nächste Gerichtstermin für den 18-Jährigen an. Ihm drohen bei einer Verurteilung 14 Jahre Gefängnis.

Zeichen der „White-Power-Bewegung“ vor Gericht gezeigt
Der mutmaßliche Massenmörder von Christchurch war am Samstag erstmals vor Gericht erschienen. Während des kurzen Termins zeigte Brenton Tarrant, der von zwei Polizisten flankiert war, mit seiner rechten Hand ein „Okay“-Symbol, das sich weiße Suprematisten, die Verfechter einer „Vorherrschaft der weißen Rasse“, angeeignet haben und das auch von rechtsextremistischen Internettrollen verwendet wird.

Tarrant wurde bei dem Gerichtstermin offiziell des vielfachen Mordes beschuldigt. Weitere Anschuldigungen würden aber folgen, heißt es von der neuseeländischen Polizei. Der 28-Jährige stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

1,5 Millionen Videos der Tat gelöscht
Facebook hat nach eigenen Angaben in den ersten 24 Stunden nach dem Massaker auf die zwei Moscheen in Christchurch 1,5 Millionen Videos der Tat aus dem sozialen Netzwerk gelöscht. „Wir arbeiten weiter rund um die Uhr, um gegen die Regeln verstoßende Inhalte zu entfernen“, twitterte Mia Garlick von Facebook Neuseeland am Sonntag. Tarrant hatte seine Wahnsinnstat mit einer Helmkamera mitgefilmt und live ins Internet übertragen.

Die Betreiber sozialer Medien und Internetplattformen wurden vielfach dafür kritisiert, die Verbreitung des Videos nicht schneller gestoppt zu haben. Die Polizei sowie die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hatten Nutzer aufgerufen, den Clip nicht zu teilen. Experten warnten, die Verbreitung des Videos könne die Gefahr von Nachahmertaten erhöhen.

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