11.03.2019 06:08 |

Geplagte Seele

Schon Schulkinder haben Depressionen

Nicht immer steckt hinter einem auffälligen Verhalten die „Modeerkrankung“ ADHS. Nach starken Belastungen im Leben der Sprösslinge können psychische Verstimmungen auftreten. Es gibt aber Hilfe!

Emil ist sieben Jahre alt. Seine Mutter macht sich große Sorgen, da er sich seinen Mitschülern gegenüber aggressiv verhält. So nimmt er seiner Sitznachbarin das Heft weg und wirft es aus dem Fenster. Außerdem rauft er mit den anderen Buben. Im Raum steht die Drohung, dass Emil die Schule verlassen muss. Die Mutter definiert ihren Sohn als unruhig und „schlimm“, auch äußerte er letztens, dass ihm „alles egal“ sei.

„Schon alleine diese Aussage lässt darauf schließen, dass das beschriebene Kind sehr verzweifelt ist“, berichtet Prim. Dr. Ralf Gößler, Vorstand der Kinder- und Jugendpsychiatrie Rosenhügel am Krankenhaus Hietzing. „Typisch für Burschen ist auch, dass sie sich in Zeiten seelischer Not ungehorsam und schlimm benehmen, während Mädchen sich eher zurückziehen und angepasst wirken.“Seelische Verstimmung ist gar nicht so selten5 bis 10 Prozent aller Kinder sind von Depressionen betroffen. „Als Ursache kommt sehr oft ein erschütterndes Ereignis in der Familie in Frage“, erläutert Prim. Gößler. „Etwa, wenn Arbeitslosigkeit eines Elternteils, Schulden oder Trennungen zu bewältigen sind. Je jünger, desto mehr spielen solche äußeren Einflüsse eine Rolle im Leben des Sprösslings. So bricht mit einer Scheidung im wahrsten Sinne seine ganze Welt zusammen.“ Manche haben auch große Probleme mit dem Wechsel von der Volks- in die Sekundarschule. Vor allem wenn sie sozial nicht so gut vernetzt sind, kann das zu seelischen Verstimmungen führen.Oftmals zeigen sich körperliche Schmerzen„Neben einem seit längerer Zeit auffällig verändertem Verhalten treten bei depressiven Kindern sehr häufig auch psychosomatische Beschwerden auf“, warnt der Psychiater. „Je jünger der kleine Patient, desto häufiger ist zu beobachten, dass er über unerklärliches Bauch- oder Kopfweh klagt. Schlafstörungen, Ängste und Einnässen können auftreten.“

Im Fall des kleinen Emil suchte die Mutter eine kinderpsychiatrische Ambulanz auf. Es stellte sich heraus, dass es zwischen den Eltern kriselte, was den Buben stark belastete. „Wenn es Probleme, z. B. partnerschaftlicher Natur oder Geldsorgen, gibt, sollte man das mit dem Kind besprechen und es beruhigen. Wichtig ist, dem Nachwuchs immer wieder deutlich zu machen, dass die Unstimmigkeiten nichts mit ihm zu tun haben. Kleine können viel ertragen, wenn Klarheit herrscht“, bestätigt Prim. Gößler. Anlaufstellen für geeignete Therapien stellen neben den Ambulanzen auch die Schulpsychologen oder die Jugendhilfe dar. Dort wird mit Experten nach der körperlichen Krankheitsabklärung das geeignete Behandlungskonzept besprochen. Bei Volksschülern kommt oft Spieltherapie zum Einsatz, bei der die Kids ihre Sorgen im Spiel mit Therapeuten und später auch Eltern ausdrücken. Medikamente werden bei kleinen Patienten nur ausnahmsweise verabreicht.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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