Absturz am Hochlecken:

Ganz Weyregg trauert um totes Bergsteiger-Paar

Sie waren auf den Bergen zu Hause, liebten es, in der Natur zu sein und fanden am Hochlecken, ihrem Hausberg, den Tod! In Weyregg ist die Bestürzung über den Absturz von Karin (53) und Alois Leitner (56) unermesslich, die Sonntagsmesse war geprägt vom schicksalhaften Unglück des Paares, das zwei Söhne im Jugendalter hinterlässt.

„Wir können es gar nicht fassen, alle sind tief betroffen“, sagt Bürgermeister Klaus Gerzer, der bei der Sonntagsmesse vom Unglück am Hochlecken erfahren hatte. Wie berichtet, war das Paar - wie unzählige Male vorher - am Samstag auf den Berg gestiegen. Bestens ausgerüstet mit Steigeisen und festem Schuhwerk. „Karin und Lois wussten genau, was sie taten, sie waren erfahrene Alpinisten“, sagt Stefan Reif, Obmann des Alpenvereins Neukirchen, wo das Paar aktiv war, Karin sogar als Tourenführerin.

Fehltritt
In 1200 Metern Seehöhe dann ein Fehltritt, gemeinsam stürzte das Ehepaar rund 200 Höhenmeter ab und über eine 30 Meter tiefe Felsstufe in den Tod. Laut Alpinpolizist Kurt Arnold haben auch erfahrene Bergsteiger bei derartigen Bedingungen, wie sie am Samstag vorherrschend waren, bei einem Sturz kaum Chancen - siehe Interview unten.

Berglauf auf Mont Blanc
Alois Leitner war ein Urgestein der Berge, hatte im Vorjahr seinen 35. Wolfgangsee-Lauf in Folge absolviert, war bei Bergläufen am Mont Blanc oder Großglockner dabei. „Zur Arbeit nach Vöcklabruck lief er oder fuhr mit seinem Rad“, weiß Bürgermeister Gerzer. Auch Karin Leitner liebte die Berge, begleitete ihren Mann bei zahllosen Touren. „Wir haben gerade eine gemeinsame Expedition nach China, auf den Muztagata, geplant, wollten im Juli dorthin“, erzählt Stefan Reif von einer geplanten Alpintour auf den 7509 Meter hohen Berg im Pamir-Gebirge.

Viele Schicksalsschläge
In Weyregg drehen sich auch die Gedanken um die Zukunft der beiden jugendlichen Söhne von Karin und Alois Leitner. Die Familie hat schon mehrere Schicksalsschläge - Mutter und Schwester von Alois kamen tragisch ums Leben, der Vater starb bei einem Mopedunfall - verkraften müssen. „Es ist nur noch die betagte Stiefmutter von Alois da. Die Nachbarschaft im Ort hält fest zusammen, aber auch seitens der Gemeinde werden wir jetzt überlegen, wie wir den Burschen helfen können, damit ihre Zukunft gesichert ist“, sagt Ortschef Gerzer.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

„Nach einem Sturz gibt es kaum noch eine Chance“
Alpinpolizist Kurt Arnold (36) aus Gmunden war bei der Bergung der Verunglückten im Bereich der Unfallstelle am Hochlecken dabei.

„Krone“:Bei Ihrer Ankunft waren schon Bergretter vor Ort.
Kurt Arnold: Zwei Teams aus Traunkirchen und Weyregg waren schon an der Auffindungsstelle. Wir wussten da bereits, dass es für die Verunglückten keine Hilfe mehr gibt.

„Krone“:Wie sind Sie selbst dort hinaufgekommen?
Kurt Arnold: Bis zum Skilift mit dem Auto. Von dort ging es mit den Skidoos des Liftpersonals durch den Wald und das letzte Stück ging es zu Fuß.

„Krone“:Der Weg zum Hocklecken ist offenbar eine beliebte Tourenroute.
Kurt Arnold: Das ganze Jahr hindurch sind dort viele Leute unterwegs.

„Krone“:Warum war es am Samstag so gefährlich?
Kurt Arnold: Nach Regen und kalter Nacht war der Schnee pickelhart und eisig. Wenn man bei solchen Bedingungen im Steilen stürzt, geht es rasend schnell - nahezu in Fallgeschwindigkeit - dahin. Gelingt es nicht, innerhalb der ersten Meter den Sturz zu stoppen, ist man chancenlos.

„Krone“:Eine Bergung der Toten war vom Helikopter aus unmöglich.
Kurt Arnold: Ja leider, weil genau dort auch eine Materialseilbahn verläuft.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

Jürgen Pachner
Jürgen Pachner
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