05.02.2019 12:00 |

TVB-Chef im Interview:

„Den Gabalier wird es in Ischgl niemals geben“

Andreas Steibl, TVB-Chef von Ischgl, erschüttert nichts mehr. Seit 16 Jahren ist der gebürtige Wiener auf Du und Du mit den Weltstars. Im Interview spricht er über den heurigen Star Lenny Kravitz und Zukunftsmusik. Dass Andreas Gabalier nie in Ischgl auftreten wird, hat nichts mit der Kritik am „Volks Rock ’n’ Roller“ zu tun.

Herr Steibl, wie kommt man als Tiroler Bergdorf an die internationalen Stars ran?
Ischgl hat heute ein sehr hohes Standing in der Künstlerszene. Seit 1995 sind 64 Weltstars bei uns aufgetreten. Die Künstler sprechen sich auch untereinander ab. Mariah Carey kam zum Beispiel auf Empfehlung von Elton John.

Stehen die Kosten im Verhältnis zum Imagegewinn?
Die Konzerte mit Weltstars sind budgetintensiv. Wir sprechen von siebenstelligen Beträgen. Für die Seilbahn und den TVB ist es aber eine Win-Win-Situation. Mit 30.000 Gästen, den verkauften Skipässen, einer Vollbelegung von 100 Prozent und einem errechneten Werbewert von 2,5 Millionen Euro schreiben wir eine schwarze Zahl unter die Konzertwochenenden. Im Schnitt sind 300 Journalisten in Ischgl. Der Imagegewinn ist enorm.

Stört es Sie, wenn andere Destinationen zum Saisonende Ischgl nachahmen?
Nein. Wir sind das Original. Hochwertige Marken wie Rolex werden auch kopiert. Letztendlich werten sie die Qualität des Originals auf. 70 Prozent unserer Gäste am Konzert sind Stammgäste. Ihre Erwartungen sind sehr hoch. Deshalb können wir keine C-Liga auffahren. Es muss ein internationaler Weltstar sein. Es gibt kein Skigebiet in Europa, das Ende April/Anfang Mai fast 30.000 Gäste hat.

Nach Helene Fischer werden auf 2300 Metern nun rockigere Töne angeschlagen. Wird Lenny Kravitz den Besucherrekord toppen?
Wir haben kein Limit nach oben. Wenn 25.000 Gäste im Skigebiet sind, dann sind wir ausgebucht und sehr zufrieden. Es ist nicht notwendig, die Besucherzahl noch weiter zu steigern. Es geht um die Qualität, die wir halten wollen.

Gibt es vorab Sonderwünsche von Herrn Kravitz?
Noch nicht. Zwei Monate vor dem Konzert erhalten wir den „Rider“, also die Wunschliste des Künstlers. In den vielen Jahren erschüttert mich nichts mehr. Der Künstler ist King. Es gab verrückte Wünsche wie den Orangensaft aus Ecuador, die Ledercouch aus Finnland oder den Flipperautomat, den wir auf den Berg gekarrt haben. Etwas geschummelt haben wir. Der Orangensaft war von Billa, die finnische Couch in Wahrheit von Ikea.

Sie selbst werden demnächst bei 360° Entertainment, dem Gipfeltreffen der Schweizer Veranstalter, am Podium stehen. Auch Patrick Orth (Manager Die Toten Hosen) spricht vor Ort. Eine potentielle Band für Ischgl?
Die Toten Hosen sind eine Mega-Band. Für uns ist das aber kein Thema, weil sie schon in Samnaun aufgetreten sind. Das ist für uns ein absolutes No Go, eine Band zu engagieren, die bereits in einem Skigebiet gespielt hat. Deshalb wird auch nie ein Andreas Gabalier bei uns auftreten.

Stichwort Geld. Merken Sie, dass Gagen gestiegen sind?
Die Digitalisierung war eine Katastrophe für die Tonträgerindustrie, die Künstler kompensieren das mit höheren Gagen. Heute machen Live-Konzerte rund 70 Prozent der Einnahmen von Musikern aus.

Wäre es denkbar, statt der Konzerte auch andere Formate anzusetzen? Etwa ein Match Federer gegen Nadal?
Für Events gibt es einen gewissen Lebenszyklus. Der Impactwert verliert sich in der Regel nach zehn Jahren. Die Top of the Mountain Konzerte sind aber seit 24 Jahren erfolgreich. Für uns gibt es keine Alternative zum Skifahren und zu unseren Konzerten.

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