500 Morde geklärt

„Niederösterreichs Columbo“ geht in Pension

Eine Mordsbilanz kann Leopold Etz, Chefkriminalist der niederösterreichischen Mordabteilung, aufweisen: In 36 Jahren klärte er mit seinem Team 500 Bluttaten! Von der Killerserie der Lkw-Mafia mit zehn Toten bis zu den Giftanschlägen der schwarzen Witwe. Trotz allem hat „Niederösterreichs Columbo“ seinen Humor nicht verloren ...

Und so bedankt sich der 60-Jährige auch mit breitem Lächeln für ein DVD-Geschenk mit dem Filmklassiker „Leichen pflastern seinen Weg“. Kurzum: Obwohl der Lilienfelder während seiner Dienstzeit viel Leid, Tragödien und Dramen hinter den Morden gesehen hat, ist er ein positiv denkender Mensch mit analytischem Klarblick und scharfer Menschenkenntnis geblieben.

„Vor 20 Jahren weit mehr Morde als heute“
„Tatsächlich hat es vor 20 Jahren weit mehr Morde als heute gegeben. Damals rückten wir pro Jahr bis zu 25-mal aus, heuer gab es bisher vier bedenkliche Todesfälle“, beschreibt der 60-Jährige den Wandel in der Kriminalgeschichte. Allerdings entstehe heute durch umfassende Berichterstattung auf weit mehr Medienkanälen als damals der „Mehrfacheindruck der Geschehnisse“. Weiters zusammengefasst: Die Mehrzahl der Morde passieren im engsten Bekanntenkreis. Oft gehe es um Trennungen, Beziehungsdramen oder um psychische Krankheiten.

Nur vier Fälle, etwa ein Prostituiertenmord in Mistelbach oder ein Messermord an einer Witwe bei Kirchberg am Wechsel, blieben ungeklärt. Aber auch diese Fälle belasten den bauernschlauen „Mord-Kieberer“ nicht. Man müsse halt zur Kenntnis nehmen, dass sich nicht alles beweisen lasse.

„Heute vieles mittels Sachbeweis geklärt“
Aber ermittlungstechnisch sei in den vergangenen Jahren ebenso vieles geschehen: Standen früher stundenlange Verhöre und Einvernahmen im Vordergrund, so wird heute vieles mittels Sachbeweis geklärt: „Rufdaten, DNA-Analysen, Faserspuren - wie im Fall Jack Unterweger - etc. werden immer wichtiger.“ In die Pension geht Etz mit ruhigem Gewissen, denn er ist sich sicher: „Alle meine verurteilten Mörder sind zu 100 Prozent die richtigen ...“

Christoph Matzl, Kronen Zeitung

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