Di, 20. November 2018

Kult-Komponist

10.11.2018 07:00

Filmmusik-Grandseigneur Ennio Morricone wird 90

Eine Abschiedstour, ein Buch und noch ein letzter Soundtrack: Der legendäre Filmmusik-Komponist Ennio Morricone feiert heute, am 10. November, seinen 90. Geburtstag, gönnt sich aber keine Ruhepause. Der legendäre Musiker, der über 500 Filmmusiken für Kino und Fernsehen komponierte, hat noch viele Termine vor sich.

Nächste Woche startet der römische Maestro seine letzte Tournee unter dem Motto „The Farewell Tour“. Damit will er seinen Abschied von den Konzertbühnen der Welt gebührend feiern. Auftritte sind in Moskau, Paris, London, Berlin und Budapest vorgesehen. „Meine Werke ein letztes Mal live für Menschen verschiedener Generationen und unterschiedlicher Herkunft aufzuführen, ist toll“, erklärt Morricone.

Legendäre Filmmusik
Der Dirigent komponierte in den letzten Jahrzehnten die Musik für mehr als 500 Filme, darunter für viele Klassiker wie Brian De Palmas „The Untouchables - Die Unbestechlichen“ oder Sergio Leones „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Für eine Handvoll Dollar“. Für seine Leistungen wurde Morricone bereits dutzendfach geehrt. Viele seiner Soundtracks sind weltweit bekannt - allen voran die Mundharmonika-Melodie aus dem Western-Klassiker „Spiel mir das Lied vom Tod“ aus dem Jahr 1969.

Doch auch fast 50 Jahre danach hat der gebürtige Römer noch nicht genug. Er arbeitet zurzeit an der Musik des neuen Films von Giuseppe Tornatore. 2000 hatte Morricone für den Soundtrack des Tornatore-Werks „Die Legende vom Ozeanpianisten“ den Golden Globe für die beste Filmmusik erobert. Morricone schrieb auch den Soundtrack für Tornatores oscargekröntes Werk „Cinema Paradiso“. Der sizilianische Regisseur Tornatore widmet Morricone ein Buch mit dem Titel „Ennio, un maestro“, das anlässlich des 90. Geburtstags des Filmmusikkomponisten erscheint. „Wenn man zum Herzen meiner Musik gelangen will, muss man zwischen den Pausen, in der Stille suchen. Denn Stille ist Musik, so viel wie die Klänge und vielleicht noch mehr“, enthüllt Morricone, der Giganten wie Bach und Strawinski als Vorbilder nennt.

Stiller Held
Millionen Menschen kennen die Melodien Morricones, bringen sie oft aber nicht sofort mit seinem Namen in Verbindung. Der introvertierte Italiener bleibt lieber im Hintergrund, Glamour ist ihm fremd. Lange Zeit komponierte er unter zwei Pseudonymen. Preise sind ihm eher egal. „Erfolg kann schon befriedigend sein, aber die Musik muss stets pur und korrekt sein, niemals bloß ein Vehikel, um anerkannt zu werden“, schreibt er in seinem Erinnerungsbuch „Life Notes“ („La musica e oltre“). Geboren ist Morricone im Römer Stadtteil Trastevere in einer musikbegeisterten Familie mit vier Geschwistern. Sein Vater war Trompeter und auch Morricone interessierte sich schon als Kind für die Musik, begann im Alter von sechs Jahren zu komponieren. 1938 schrieben ihn seine Eltern am Konservatorium in Rom ein, wo er Diplome in Komposition und Trompete erwarb und danach zunächst in Orchestern spielte.

Von 1964 an arbeitete Morricone gemeinsam mit seinem ehemaligen Klassenkameraden, dem Regisseur Sergio Leone, für dessen Filme, „Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) und „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968), er die Musik schrieb, sowie mit Bernardo Bertolucci. Leone beteuerte immer wieder die Wichtigkeit von Morricones Musik für seine Filme, da dieser Dinge auszudrücken vermag, die sonst in Bildern hätten dargestellt werden müssen.

Späte Krönung
Im Laufe seiner Karriere arbeitete der Römer mit weltbekannten Regisseuren wie Roman Polanski, Oliver Stone und Margarethe von Trotta zusammen. Aber auch klassische Musik und Fernseh-Melodien hat er komponiert. 2007 erlebte Morricone mit dem Oscar für sein Lebenswerk die Krönung seiner Karriere, nachdem er zuvor die Hoffnung auf die begehrte Trophäe fast schon aufgegeben hatte. Fünfmal war der Italiener nominiert worden, aber leer ausgegangen. 2016 erhielt er im Alter von 87 Jahren den ersten Oscar für seine Filmmusik zu Quentin Tarantinos Western „The Hateful Eight“.

Trotz seiner internationalen Erfolgen ist der grauhaarige Italiener mit der Hornbrille immer auf seine Privatsphäre bedacht. Morricone ist seit 1956 mit Maria Travia verheiratet, gemeinsam hat das Paar drei Söhne und eine Tochter. Einer der Söhne arbeitet ebenfalls als Komponist. Morricone wünscht sich, so lang wie möglich mit seiner Frau leben zu können. „Maria habe ich meine beiden Oscar-Preise gewidmet. Es ist nicht einfach, mir zur Seite zu stehen, eine Person auszuhalten, die vor allem mit sich selbst anspruchsvoll ist“, pflegt er zu sagen.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
OeNB-Boss verärgert
Bankenaufsicht geht von Nationalbank an FMA
Österreich
„Pro-Russisch“
USA teilen wegen FPÖ weniger Geheiminfos
Österreich
Ermittlungen laufen
Wettbetrug? Liverpool-Star Sturridge im Fokus
Fußball International
Rutschiges Vergnügen
Auch Vierbeiner wollen manchmal einfach nur Spaß
Video Viral
Holland-Star tröstet
Traurig! Schiri erfuhr in Pause vom Tod der Mutter
Fußball International
Australiens Superstar
Rekordtorschütze Cahill beendet Teamkarriere
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.