16.08.2018 07:48 |

Brückendrama in Genua

Lkw-Fahrer überlebt wegen rücksichtsloser Lenkerin

Um Haaresbreite ist ein Lkw-Lenker auf der eingestürzten Brücke in Genua dem Tod entronnen - und das nur, weil er wegen einer anderen Fahrerin abbremsen musste. Ein Pkw hatte den 37-jährigen Berufsfahrer kurz vor dem Unglück waghalsig überholt - die Lenkerin musste kräftig auf die Bremsen steigen. Doch lange ärgerte er sich nicht über das rücksichtslose Verhalten: Nur Momente später stürzte die Verkehrsteilnehmerin vor ihm über die Kante der Brücke 40 Meter in die Tiefe.

Der Lkw-Fahrer, der mit Vornamen Luigi heißt, schildert das dramatische Erlebnis gegenüber „La Repubblica“: „Ich konnte mich retten, weil ich langsamer wurde. Ich sah sie mit den anderen herunterfallen. Da bremste ich schlagartig.“ Im Schock ließ er sein Gefährt einfach auf der Brücke stehen: „Ich öffnete die Tür und rannte weg. Der Lkw blieb dort mit laufendem Motor.“ Auf Videos ist zu sehen, dass die Scheibenwischer des Fahrzeugs nach der Katastrophe noch immer in Betrieb sind.

Luigi hatte während des Unwetters gerade zurück ins Warenlager seines Arbeitgebers, der Supermarktkette Basko, fahren wollen, als die Tragödie, bei der Dutzende Menschen ihr Leben verloren, ihren Lauf nahm.

Der Mann stammt aus Genua, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Nachdem er dem Tod ins Gesicht geschaut hatte, hatte er sich zunächst mit seiner Familie zu Hause verbarrikadiert, wie er erzählte. Freunde fürchten, dass er noch eine lange Zeit brauchen wird, das Erlebte zu verarbeiten - obwohl er ohne einen einzigen Kratzer davongekommen ist.

Viele Fahrzeuge auf Brücke zurückgelassen
Auch andere Fahrzeuge wurden auf der Brücke stehen gelassen, nachdem diese eingestürzt war. Es wurde noch nicht veranlasst, die Wagen abzuschleppen - aus Ermittlungsgründen. Eine Zeit lang wird der grün-blaue Lastwagen weiterlaufen: „Wir können sehen, dass der Treibstofftank des Fahrzeugs zu drei Vierteln voll ist“, erklärte eine Expertin eines Transportunternehmens gegenüber der italienischen Tageszeitung. „Es könnte so für drei oder vier Tage weiterlaufen - mit dem Risiko, zu überhitzen.“

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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