Di, 11. Dezember 2018

Marie Gamillscheg:

03.08.2018 09:35

Glänzendes Debüt für steirische Autorin

Junge steirische Künstlerinnen und Künstler, die auf dem Sprung zu einer ganz großen Karriere sind, wollen wir Ihnen in den kommenden Wochen vorstellen. Den Beginn machen wir mit Autorin Marie Gamillscheg. Die gebürtige Grazerin, die mittlerweile in Berlin lebt, wird im deutschen Feuilleton gefeiert. Im Interview erzählt sie von der Entstehung ihres glänzenden Debütromans.

Gab es für Dich irgendwann die bewusste Entscheidung, Autorin zu werden?
Ich habe mit zehn Jahren bei der Jugendliteraturwerkstatt Graz angefangen - gemeinsam mit Irene Diwiak und Cordula Simon übrigens. Wir haben Geschichten geschrieben, uns gegenseitig vorgelesen, diese kritisiert und gemeinsam daran weitergearbeitet. Ich habe gemerkt, wie viel Freude mir das macht, aber ich habe nie geglaubt, dass ich einmal vom literarischem Erzählen leben kann. Als ich älter wurde, habe begonnen mich für Journalismus zu interessieren. Aber die Leidenschaft für die Literatur ist geblieben und als ich vor vier Jahren nach Berlin gezogen bin, hat einfach alles gut geklappt, ich habe viele andere Schreibende kennengelernt und bin da so reingerutscht.

Es war dann trotzdem ein langer Weg bis der Debütroman fertig war, oder?
Ja (lacht). Ich habe 2014 eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Das Dorf“ geschrieben, in der die Grundidee und Stimmung des späteren Romans bereits zu finden war. Davon hat es aber, glaube ich, kein einziger Satz ins Buch geschafft. Ich habe dreimal neu angefangen, musste erst Sprache und Stil finden. Im Sommer 2016 habe ich dann bei einer Agentur unterschrieben, die mir geholfen hat, einen Verlag zu finden.

Es wurde ein namhafter Verlag und nach der Veröffentlichung gab es positive Kritiken im Feuilleton. Wie siehst du selbst den Erfolg?
Ich freue mich natürlich sehr. Man arbeitet so lang allein an dem Text, so vieles passiert nur im eigenen Kopf - und nach all den Jahren gibt es jetzt LeserInnen, die was damit anfangen können und den Text sogar schätzen - das ist eine große Überraschung und Freude.

Steirische Leser erkennen in deinem Roman über eine Schicksalsgemeinschaft im Schatten eines großen Bergs ganz deutlich Eisenerz. War das auch dein Vorbild?
Ja schon. Zumindest eines der Vorbilder. Ich war oft in Eisenerz und habe dort viel Inspiration gefunden, aber je länger ich an dem Text gearbeitet habe, desto mehr ist es in meinem Kopf auch zu meinem eigenen Ort geworden. Ich bin fasziniert von einstigen Bergarbeiterstädten - auch im Ruhrpott oder in Bolivien - und habe mich gefragt, wie es sich anfühlt, in einem Ort zu leben, dessen Lebensgrundlage verschwindet und was das mit den Menschen macht, die bleiben wollen oder müssen.

Gibt es schon Pläne für einen zweiten Roman?
Ich habe Ideen und bin gerade ganz am Anfang meiner Recherche. Ab August führt mich ein Stipendium drei Monate lang nach Lemberg, dort habe ich Zeit einen Anfang zu machen und Formen, Stile und Ideen literarisch auszuprobieren. Ich bin hoffentlich erst am Beginn einer Karriere und es gibt noch so vieles, das ich gerne probieren möchte.

Daten und Fakten

  • Marie Gamillscheg wurde 1992 in Graz geboren.
  • Nach ersten journalistischen Erfahrungen bei der „Steirerkrone“ und bei der „Zeit“, lebt sie nun als Autorin in Berlin.
  • In ihrem Debütroman „Alles was glänzt“ (Luchterhand, 224 Seiten, 18 Euro) erzählt sie von einem Bergbaudorf, das die besten Jahre hinter sich hat und den Hoffnungen und Ängsten derer, die dort geblieben sind.
  • Das Debüt wurde im deutschen Feuilleton gefeiert: Der „Spiegel“ nannte Gamillscheg „eine der aufregendsten jungen Stimmen der deutschsprachigen Literatur“ und die FAZ pries sie als „Spezialistin für den menschlichen Faktor und die Wahrheit des Körpers“. 
Christoph Hartner
Christoph Hartner

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