Fr, 17. August 2018

Mit Glück überlebt

09.06.2018 10:06

„Herr LH Gleißner, ab ins Konzentrationslager!“

Für den legendären „Landesvater“ Heinrich Gleißner begann nach dem „Anschluss“ 1938 ein siebenjähriger Leidensweg. Dass er diesen überlebte, verdankte er wohl zwei Frauen!

13. März 1938: Gauleiter August Eigruber marschiert ins Landhaus zu Landeshauptmann Heinrich Gleißner und erklärt ihn kurz und bündig für abgesetzt...

Der 45-Jährige kommt ins Konzentrationslager Dachau
Gleißner will sich für einige Tage ins Stift Schlägl zurückziehen, wo ihn bei seiner Ankunft am 15. März ein SS-Mann erkennt. Er wird verhaftet und ins Linzer Polizeigefängnis gebracht. „Ab ins KZ, Herr Landeshauptmann“, teilt ihm das NS-Regime am 24. Mai 1938 mit. Der 45-Jährige kommt ins Konzentrationslager Dachau. Im Juni 1939 kommt er zwar wieder frei, doch im Oktober wird er erneut verhaftet und im KZ Buchenwald festgehalten.

Ehefrau bittet Mutter des SS-Reichsführers Himmler um Fürsprache
Seiner verzweifelten und zutiefst besorgten Ehefrau Maria kommt dann aber ein rettender Gedanke: Sie fährt nach München, fängt vor einer Kirche Anna Himmler ab und bittet die Mutter des gefürchteten SS-Reichsführers Heinrich Himmler um Fürsprache. Die schließlich tatsächlich bei ihrem Sohn interveniert: Heinrich Gleißner kommt zu Silvester 1939 frei, erhält aber ein Gauverbot und muss als Zwangsarbeiter bis 1945 in Berlin bleiben.

Gleißner wird zum 2. Mal Landeshauptmann
Nach sieben Jahren hat sein Martyrium endlich ein Ende. Gleißner kehrt nach Linz heim, wird zum zweiten Mal zum Landeshauptmann gewählt und bleibt bis Mai 1971 im Amt.

Zur Legende geworden
Seine Verdienste machten ihn in 26 Landeshauptmann-Jahren zur Legende. OÖVP-Landesgeschäftsführer Wolfgang Hattmannsdorfer sieht Gleißner auch als „mahnendes Vorbild für uns heutige Politiker“.

Gotteshofrat...
Auch der Linzer Bürgermeister Wilhelm Bock wurde 1938 verhaftet. Im KZ Dachau reifte sein Entschluss, Ordenspriester zu werden.

Wilhelm Bock teilte gleiches Schicksal
Zwei unterschiedliche Männer, ein Schicksal: Wie Landeshauptmann Heinrich Gleißner wurde auch der 1934 zum Linzer Bürgermeister gewählte Wilhelm Bock nach dem am 12. 3. 1938 erfolgten „Anschluss“ von Österreich an Hitler-Deutschland erst abgesetzt, verhaftet und im Juni vor 80 Jahren in das KZ Dachau überstellt. Bevor die Gestapo Bock abführte, dankte ihm der neue NS-Bürgermeister Sepp Wolkerstorfer für die „tadellose Geschäftsführung“ und wünschte alles Gute für die Zukunft.

Ruf als sozialer Bürgermeister
Bock, zuvor stellvertretender Direktor der Landesbrandschaden-Versicherung, erarbeitete sich als Linzer Stadtoberhaupt während der schwierigen Zeit des „Ständestaats“ den Ruf eines sozialen Bürgermeisters. In seine Ära fielen die Eröffnung der Studienbibliothek, des Linzer Hauptbahnhofs und des Senders am Freinberg. „Bock war aber auch ein entschiedener Gegner der Sozialdemokratie - 1935 ließ er deshalb die Dametz- in Dollfuß-Straße umbenennen“, betont Dr. Walter Schuster, Leiter des Linzer Stadtarchivs.

Haft im KZ Dachau
Während seiner Haft im KZ Dachau fasste Wilhelm Bock schließlich den Entschluss, Priester zu werden: „Nur einer ist wert, dass wir ihm dienen: Gott“, schrieb er einem Freund.

Bock wurde Ordenspriester
Seinen Entschluss machte er nach seiner Entlassung am 4. Mai 1939, dem Tag des Heiligen Florian, wahr: Bock fragte um seinen Eintritt in das Augustiner Chorherrenstift Sankt Florian an und wurde Ordenspriester.

Als Pfarrer erneut verhaftet
Als Pfarrer von Lasberg wurde Wilhelm Bock im Oktober 1944 erneut verhaftet, erst Ende April 1945 kam er wieder frei. Nach dem Kriegsende übte er führende Ämter im Stift aus, von 1958 bis zu seinem Tod 1966 war er Stadtpfarrer von Vöcklabruck.

Pension an Bedürftige
Anno 1951 ernannte ihn das Land Oberösterreich rückwirkend zum Hofrat - Bock wurde fortan „Gotteshofrat“ genannt. Seinen Ruhegenuss spendierte er übrigens Bedürftigen.

Max Stöger, Kronen Zeitung

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