Erst Maiers jüngster Abtritt macht die Sicht wirklich frei auf die Leistungen, die Raich bereits vollbracht hat. Elf Winter in Folge beendete er seit 1999 in den Top-Ten der Gesamtwertung, die jüngsten fünf war er nie schlechter als Zweiter. In diesen fünf Saisonen matchte sich der Tiroler stets mit Svindal und/oder dem US-Amerikaner Bode Miller um die Weltcup-Kugel. 2006 setzte sich Raich zwar vor Svindal und Miller durch, zweimal wurde er aber nur jeweils von Miller bzw. Svindal besiegt. Vom Norweger beide Male sogar nur hauchdünn um 13 (2007) bzw. vergangenen März um nur zwei Punkte.
"Eine meiner größten Niederlagen!"
Unmittelbar bevor es am kommenden Wochenende in der Söldener Heimarena mit dem Kampf um die große Kristallkugel wieder losgeht, hatte Raich aber kein Problem, das einzugestehen. "Das war schon ein Hammer. Denn ich war überzeugt, dass ich es schaffe", kann der Tiroler heute mit genügend Abstand über diesen unfassbare letzten Tag der Saison in Schweden sprechen, an dem er zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren die große Kugel um einen Hauch an Svindal verloren hatte.
"Ich gebe zu, dass ich ein bis zwei Wochen daran geknabbert habe, denn am Anfang ist so etwas schwer zu akzeptieren", so Raich heute dazu. Was helfe, sei aber ausschließlich die sachliche Auseinandersetzung. "Ich bin bis zum Schluss um die Kugel mitgefahren und habe damit bewiesen, dass ich's kann. Die Wunde ist verheilt, Aare abgehakt", versichert der Pitztaler, der nach eigenen Angaben keinen Psychologen braucht, sondern lieber auf Kraft aus der Familie baut. "Ich denke nur noch an Aare, wenn man mich daran erinnert."
Mehr Sympathie- als Weltcuppunkte
Raich hatte schon unmittelbar nach der Entscheidung mit seinem sportlichen Verhalten mehr Sympathiepunkte als Weltcupzähler eingeheimst. "Ich war ja selbst Schuld und Aksel hatte es nicht weniger verdient", würde der Atomic-Fahrer aus Tirol das Thema gerne endgültig ad acta legen. Und sich viel lieber nach vorne orientieren. Er kann ja im kommenden Februar Geschichte schreiben, indem er vier Jahre nach Turin bei Olympia in Vancouver erneut Gold holt.
Bisher kein Glück in Sölden
Wären da nicht diese offenen Dinge wie die knappen Weltcup-Niederlagen. Oder auch Sölden. Ausgerechnet bei seinem Heimrennen ist der aus dem Nachbartal stammende Raich über Platz vier nie hinausgekommen. "Vierter ist doch besser als Fünfter", nimmt er mit einem Scherz Anlauf, um aber dann doch ernsthafter nachzusetzen. "Ich will bei jedem Rennen gewinnen, in Sölden wie auch anderswo. Vielleicht habe ich am Anfang etwas zu viel gewollt, deshalb bin ich's in den vergangenen Jahren auch etwas lockerer angegangen."
Zu wenig Punch sei aber sicher nicht der Grund gewesen. "Im Gegenteil. Vielleicht habe ich immer versucht, gleich beim ersten Rennen alles zu zeigen." Aber irgendwann wird das klappen, ist sich Raich sicher und scherzt: "Und wenn ich dafür noch zehn Jahre fahren muss!" Am liebsten wäre ihm freilich, wenn der Coup schon am Sonntag zum Jubiläum seines 300. Weltcup-Starts gelingt.
Im Kampf um die große Kristallkugel hat sich Raich zuletzt zweifellos ein wenig verspekuliert. Das forcierte Speed-Training brachte nicht den gewünschten Erfolg, vielmehr ging dadurch die einstige Slalomstärke verloren. Er sei zuletzt materialmäßig im Slalom einfach nicht mehr auf dem Laufenden gewesen, gibt Raich auch zu. "Es stand zwar immer der richtige Ski da, aber ich hab vielleicht nicht immer den richtigen genommen."









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