Mi, 15. August 2018

Hormone im Taumel

11.03.2018 06:00

Frühlingsgefühle: Alles nur Chemie

Ob überschwängliche Stimmung oder doch eher Müdigkeit, beim Wechsel der Jahreszeiten tut sich etwas im Gehirn. Warum aber gerade jetzt die Lust erwacht, wissen Neurologen, Verhaltensforscher und alle Verliebten.

Es riecht nach Frühling. Wir haben Herzflattern. Die Hormone spielen verrückt. So erleben viele von uns den Beginn der wärmeren Jahreszeit und freuen sich schon auf die Schmetterlinge im Bauch. Aber was hat es damit eigentlich auf sich? Die Wissenschaft bietet darauf eine wie immer ernüchternde Antwort: Die dazugehörigen Gefühle entstehen durch angenehme Erfahrungen, die Erwartungen prägen uns. Kommt dann die ersehnte Zeit, interpretieren wir die damit zusammenhängenden Gerüche, akustischen (Vogelgezwitscher, Blumenduft) und optischen Eindrücke (erwachende Natur, leichtere Bekleidung) als angenehm. Das differiert von Region zu Region und wird bereits in der Kindheit im Gedächtnis gespeichert.

Tatsächlich tut sich aber auch etwas im Körper, und zwar im Hormonsystem. Der Schlüssel liegt hier in der vermehrten Aufnahme von Sonnenlicht. Übrigens auch bei bedecktem Himmel und im Schatten, denn es geht um die UV-Strahlung, die wir über die Netzhaut der Augen aufnehmen und um die Anzahl an Stunden, in denen es hell ist. Mehr Licht löst eine Reihe von Vorgängen im Körper aus: Vitamin D bewirkt Stimmungsaufhellung, sorgt für tiefen Schlaf, ein gut funktionierendes Immunsystem, unterstützt die Gehirnleistung und befähigt uns, mit Stress besser fertig zu werden. Im Winter entsteht oft ein Mangel, der sich dann bei Aktivität im Freien unter UVB-Einstrahlung meist wieder ausgleicht. Das Vitamin muss nämlich erst in der Haut aktiviert werden, bevor es zur Verfügung steht. Der Körper produziert weniger Melatonin. Damit steigt die Aktivitätsbereitschaft, das Ruhebedürfnis geht zurück. Der als Schlafhormon bekannte Stoff bestimmt den Tag-Nacht-Rhythmus und wird in der Zirbeldrüse im Zwischenhirn bei Dunkelheit gebildet.

Botenstoffe des Glücks
Die Hormone Adrenalin und Dopamin werden in höheren Dosen ausgeschüttet, was Effekte hat, die einander noch verstärken. Macht man etwa mehr Sport, kommt es zu einem Anstieg dieser Neurotransmitter im Blut, was wiederum den Spaß am weiteren Training vorantreibt. Das Gleiche passiert übrigens beim Sex. Ein Orgasmus gilt geradezu als Explosion der Glückshormone – und viele haben einfach mehr Lust, wenn sich die Wintersaison dem Ende zuneigt. Kein Wunder, dass die großen Online-Partnerbörsen jedes Mal im Frühjahr steigende Aktivität vermelden, je nach Anbieter 11 bis 17 Prozent.

Also reine Chemie. Denn auch Hormone sind nichts anderes als biochemische Botenstoffe. Doch ein Garant für einen spannenden Frühling sind sie noch lange nicht. Hier kommt die Psychologie ins Spiel: Nehmen Sie Ihre Umwelt bewusst wahr, schauen Sie auf die kleinen, aber feinen Dinge des Lebens (also nicht auf den Gatsch in der Wiese, sondern die zarten Blümchen, die sich durch ihn durchkämpfen), nehmen Sie Kontakt zu Ihren Mitmenschen auf, überraschen Sie Ihren Partner. Wie bereits erwähnt, hat das gute Gefühl auch etwas mit der persönlichen Erwartungshaltung zu tun. Ganz nach dem Motto: Wenn die Natur sprießt, bin ich auch bereit für Neues. Aber bitte nicht übertreiben mit den Wünschen an das große Glück – sonst sind Enttäuschungen vorprogrammiert.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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