13.01.2018 07:14 |

Nach Attacken in Wien

Buslenker: „Fahre in der Nacht nur noch bewaffnet“

Gewalttäter, Jugendbanden, rabiate Obdachlose: "Bei den Wiener Linien werden alle anderen besser geschützt als wir Fahrer und die Fahrgäste", packt ein langjähriger Bus-Chauffeur in der "Krone" aus. Und trotz Verbot sagt er: "Unbewaffnet getraue ich mich nicht mehr, einen Nachtbus zu lenken."

Pfefferspray und ein kurzer Metallschlagstock liegen zum Selbstschutz nun immer griffbereit. "Das machen andere Kollegen genauso", sagt der Wiener, der anonym bleiben will, weil ihm sonst die Entlassung droht. Die Wiener Linien untersagen ihren Mitarbeitern das Tragen jeder Art von Waffen, bestätigt Firmensprecher Daniel Amann.

40 körperliche Attacken auf Öffi-Lenker
Dabei gab es im Vorjahr 40 körperliche Attacken auf Öffi-Lenker, also nahezu jede Woche eine. "Das reicht von leichten Stößen bis zu schweren Verletzungen", so Amann. Allerdings sei die Zahl der Übergriffe seit 2015 gesunken. Verantwortlich dafür seien der Einbau von Sicherheitskabinen in Straßenbahnen oder mehr Videoüberwachung. Für den betroffenen Lenker, der von Randalierern auch mit dem Messer bedroht wurde, ist das viel zu wenig: "Seit drei Jahren ist es echt schlimm geworden. Die Aggressivität steigt massiv."

"Am Reumannplatz steige ich nachts nicht mehr aus"
Das führe zu Verletzungen von Dienstvorschriften in Problemvierteln. "Am Reumannplatz steige ich nachts nicht mehr aus. Eigentlich müsste ich einen Kontrollgang machen. Das traue ich mich nicht mehr." Was den Insider noch stört: Obdachlose und Flüchtlinge würden schwarzfahren und niemals kontrolliert. "Der Flüchtlingsausweis gilt quasi als Fahrschein. Das ist extrem unfair gegenüber allen zahlenden Kunden." Die Wiener Linien bestreiten das vehement: "Stimmt nicht. Jeder braucht ein gültiges Ticket. Und jeder wird kontrolliert", sagt Amann.

FPÖ-Stadtrat Anton Mahdalik kontert: "Die Schilderungen des Betroffenen decken sich mit dem, was uns erboste Fahrgäste berichten." Die hausinterne Security-Truppe müsste viel mehr patrouillieren.

Alex Schönherr, Kronen Zeitung

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