30.12.2017 06:00 |

Wirtschaft brummt

Wie Österreich vom Ost-Aufschwung profitiert

Die osteuropäischen Länder sind 2017 Wachstumskaiser: Mit BIP-Zuwächsen zwischen 3,2 (Slowakei, Kroatien) und 6,4 Prozent (Rumänien) hängen sie große Wirtschaftsnationen wie die USA (plus 2,2 Prozent) oder die Schweiz (plus ein Prozent) ab. "Osteuropa hat Aufholbedarf – und Österreich profitiert von diesen Effekten", weiß Martin Kocher, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS). Das zeigen auch die Zahlen: Mit 3,1 Prozent BIP-Plus liegt Österreich heuer im europaweiten Ranking nur knapp hinter seinen Ostnachbarn und verweist Deutschland (plus 2,2 Prozent) auf die hinteren Ränge.

Getragen wird der Aufschwung im Osten vom privaten Konsum, der durch die Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre angekurbelt wurde. "Weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter und der Mangel von Fachkräften führen zu Lohnsteigerungen", erklärt Kocher. Es gibt, auch dank der Ansiedelung internationaler Unternehmen und Investitionen in die Infrastruktur, mehr gut bezahlte Arbeitsplätze, und die Reallöhne steigen – wenn auch inflationsbedingt nur langsam.

Für Österreich ist durch den Aufschwung unter anderem eine Entspannung bei Lohn- und Sozialdumping aus dem Ausland absehbar. So sank etwa in Ungarn – von wo 2016 knapp ein Viertel der österreichischen Verdachtsfälle auf Unterentlohnung stammte – die Arbeitslosenquote binnen eines Jahres um knapp einen Prozentpunkt auf 4,1 Prozent. In Slowenien, im Vorjahr schwarzes Schaf bei unrechtmäßigen Entsendungen, gab es heuer um knapp zwei Prozentpunkte weniger Arbeitslose. Einen zusätzlichen Schub für das Land erwartet das IHS 2018: "Magna International plant, 1,2 Milliarden Euro zu investieren. Auch insgesamt nehmen Investitionen, kofinanziert durch die EU, zu und tragen das Wachstum", so Martin Kocher.

Autoindustrie lässt Tschechien und Slowakei boomen
Tschechien und die Slowakei profitieren von der Autobranche. Ihr ist es zu verdanken, dass im Oktober nur 2,7 Prozent der Tschechen auf Arbeitssuche waren. Die Zahl der arbeitslosen Slowaken sank innerhalb eines Jahres um 2,2 Prozentpunkte auf sieben Prozent. Für beide Länder sagt das IHS auch für die kommenden Jahre ein konstantes Konjunkturplus von mehr als drei Prozent voraus.

Wachstumskaiser im Osten sind Rumänien und Polen. Beide Länder profitieren von mehr Beschäftigung und höheren Löhnen. Finanziert wird der Aufschwung allerdings zu großen Teilen auf Kosten des Staatshaushalts: Polen etwa senkte das Pensionsantrittsalter, Rumänien will im kommenden Jahr die Steuern senken. Das IHS rechnet in den kommenden Jahren mit weniger starkem BIP-Wachstum.

Aufholprozess wird noch bis zu zwei Jahrzehnte dauern
"Bis die Länder im Osten ganz aufgeholt haben, wird es noch zehn bis 20 Jahre dauern", erwartet IHS-Chef Kocher. Ausnahmen sind Österreichs Nachbarn Slowenien und Tschechien – hier rechnet er mit vier bis fünf Jahren.

Teresa Spari, Kronen Zeitung

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