22.01.2004 18:44 |

"Krone"-Serie Teil 6

Integration, Unterricht im Wald: Schule mal anders

Geduldig erklären die Kinder ihrem Klassenkollegen Julian das neue Kartenspiel. Und nimmt Julian einmal eine falsche Karte in die Hand, so macht das gar nichts. Julian leidet am Down-Syndrom. Und fühlt sich in seiner Volksschulklasse in der Integrativen Lernwerkstatt in Wien-Brigittenau so richtig wohl - eine ganz normale Klasse eben.
Lehrerin Karin Märzinger: "Wir versuchen,jeden Menschen so zu fördern, wie es seinen Möglichkeitenund persönlichen Fähigkeiten entspricht." Einzelne Jahrgängegibt es in der Lernwerkstatt nicht, die Kinder werden in Mehrstufenklassenunterrichtet. Von mindestens zwei Lehrern. Denn in jeder Klasse,die hier übrigens Stammgruppe heißt, sind auch vier,oft schwer behinderte Schüler. "Durch die Integration erlangensie eine gewisse Selbstständigkeit. Sie schauen sich auchimmer wieder etwas von den anderen Schülern ab, machen gewisseHandgriffe oder Verhaltensweisen nach. Außerdem profitierennatürlich auch die nicht Behinderten enorm von ihren Freunden",so Karin Märzinger.
 
Kinder erforschen den Wald
So gar nicht alltäglich ist auch der Unterrichtin der Böhmerwaldschule in Ulrichsberg (Oberösterreich).Dort führen Förster die Schüler das ganze Jahrüber durch den Wald, erforschen mit den Kindern das Holz,den Boden und vieles mehr. Jede freie Minute verbringen sie imFreien, sammeln Rinde, Blätter, Zweige, aus denen dann späterkunstvolle Collagen oder Marionetten gebastelt werden. "Geradejetzt im Winter ist es interessant und macht es so richtig Spaß,die Spuren der Tiere im Schnee zu suchen und zu bestimmen", sinddie Schüler vom Unterricht im Freien begeistert.
 
Alle Schulfächer in 2 Sprachen
Zweisprachig gehts in der Grazer "Gibs" (Grazer InternationalBilingual School) zu: In allen Schulstufen wird sowohl auf Deutschals auch auf Englisch unterrichtet. Direktorin Elisabeth Fleischmann:"Bei uns wird hauptsächlich englisch gesprochen, verstehtein Kind aber einmal gar nichts mehr, machen wir halt auf Deutschweiter. Doch das wird im Laufe der Zeit ohnehin immer seltenernotwendig."
 
Auch in Sachen moderner Unterricht ist die "Gibs"ein Vorreiter in ganz Österreich. Denn das Kurssystem, dasin vielen Schulen erst im kommenden Jahr als Versuch gestartetwird, ist hier schon längst Realität. Die Module sindentweder verpflichtend oder freiwillig - bei Letzteren ist einDurchfallen unmöglich. Fleischmann: "Durch die Zweisprachigkeitfinden die Kinder einen ganz anderen Zugang zum Erlernen einerFremdsprache. Untereinander sprechen sie zwar nur deutsch, kommtaber ein ausländischer Schüler dazu, wird sofort undohne Probleme auf Englisch umgeschwenkt."
 
Ganztagsschule & Gesamtschule
Bei der von Unterrichtsministerin Gehrer ins Lebengerufenen Zukunftskommission wurde auch die Einführung einerGanztagesschule - hier werden die Kinder bis 16 Uhr betreut, nebendem Unterricht gibt es Sport, gemeinsame Beschäftigung inkleinen Gruppen sowie Übungen - diskutiert. 43 Prozent derÖsterreicher könnten sich durchaus mit diesem Modellanfreunden, doch sollte der Besuch einer Ganztagsschule unbedingtfreiwillig sein.
 
Ziemlich skeptisch sind die Eltern gegenüberder Gesamtschule - sie kann von Kindern im Alter von zehn bis14 Jahren gemeinsam besucht werden, es gibt keine Trennung inHauptschüler und Gymnasiasten. Viele sehen in diesem Systemeinen großen Nachteil für die Ausbildung. Befürworterbetonen jedoch immer wieder, dass man die Kinder noch nicht sofrüh in verschiedene Altersklassen stecken müsse.
 
Eine Gesamtschule der besonderen Art ist etwa dieRudolf-Steiner-Landschule in Schönau (Niederösterreich),eine von zwölf Waldorfschulen in Österreich. Hier werdendie Kinder nicht mit Noten beurteilt, sondern erhalten ein ausführlichesschriftliches Jahreszeugnis mit einer Gesamteinschätzungder Persönlichkeit und der Leistung in den einzelnen Fächern.Außerdem wird viel Wert auf erfahrungs- und praxisbezogenesLernen gelegt. Es gibt kein Wiederholen auf Grund von Lernschwächen.