Mi, 15. August 2018

Gellende Pfiffe

13.02.2009 09:10

Für die Fans ist Ivanschitz der Sündenbock

Andreas Ivanschitz bekommt den Ärger der österreichischen Fußballfans über die jüngsten enttäuschenden Leistungen des österreichischen Nationalteams derzeit wohl am stärksten zu spüren. Beim 0:2 am Mittwoch in Graz gegen Schweden wurde der Kapitän vor allem in der zweiten Hälfte oft ausgepfiffen, bei seiner Auswechslung in der 76. Minute hallte ein gellendes Pfeifkonzert durch die UPC-Arena.

Dabei hatte der Panathinaikos-Legionär vor allem in der Anfangsphase bei manchen halbwegs gelungenen Aktionen seinen Fuß im Spiel, was aber nichts daran änderte, dass der Burgenländer als Projektionsfläche für den Publikumsfrust herhalten musste. "Bei einem 0:2 wird ein Sündenbock gesucht, und das bin dann meistens ich. Ich weiß nicht warum, aber es ist so. Ich kann nur sagen, dass ich mich wirklich bemüht und phasenweise auch gut gespielt habe", sagte der 25-Jährige.

Kapitän schon als 19-Jähriger
Nach seinem Wechsel von Rapid zu Salzburg im Jänner 2006 lief es für Ivanschitz, der von Hans Krankl bereits als 19-Jähriger zum ÖFB-Kapitän gemacht wurde, nie mehr richtig rund, auch nicht bei Panathinaikos, wo der Linksfuß nur sporadisch zu Einsätzen kommt. Gegen Schweden absolvierte der 49-fache Internationale (sieben Tore) erstmals seit langem wieder eine Partie von Beginn an, die Freude darüber wurde aber durch das Resultat und das Verhalten einiger (zu großer Zahl auch aus Wien angereister) Matchbesucher getrübt.

Gellende Pfiffe
Derartige Ausmaße wie beim 0:1 gegen Schottland im Mai 2007 im Hanappi-Stadion nahmen die Unmutsäußerungen zwar nicht an, dennoch wurde Ivanschitz schon beim Verlesen der Mannschafts-Aufstellungen mit Pfiffen bedacht - ein Vertrauensvorschuss sieht anders aus. "Aber ich brauche keine faire Chance. Ich habe fast 50 Länderspiele und schon oft meine Leistungen im Team gebracht."

Brückner steht hinter Ivanschitz
Trotzdem gingen die Pfiffe nicht spurlos vorüber. "Im Fußball ist Akzeptanz ein wichtiger Punkt, um Leistung zu bringen. Doch ich muss jetzt schauen, dass ich da selbst wieder rauskomme", erklärte Ivanschitz, der Unterstützung von Teamchef Karel Brückner erhielt. "Die Pfiffe haben mir nicht gefallen. Andi hat eine gute Leistung geboten, brachte Qualität nach vorne. Er verdient das nicht." Die Auswechslung habe er nur "wegen der Atmosphäre" vorgenommen.

Doch auch für den Tschechen wird das Klima künftig rauer, selbst wenn er die Unterstützung des Kapitäns hat. "Es sind wir Spieler gefordert, weil wir auf dem Platz stehen. Der Trainer spricht die Sachen an, auf die es ankommt, aber wir müssen sie umsetzen", meinte Ivanschitz. Nicht umgesetzt wurde unter anderem das Vorhaben, richtig auf einen eventuellen Rückschlag zu reagieren - nach dem ersten Gegentreffer war es mit der Ordnung zumindest kurzfristig vorbei. "Da hält der schwedische Goalie den Scharner-Kopfball unglaublich, und dann bekommen wir praktisch im Gegenzug ein Tor. Genau mit solchen Situationen werden wir nicht fertig, da können wir uns nicht genug aufbäumen."

Schreckliche Bilanz
Drei Niederlagen in Folge, vier Partien ohne Sieg, 14 Matches en suite mit zumindest einem Gegentor und sieben Jahre ohne vollen Erfolg zum Auftakt eines Länderspieljahres - so lautet die Bilanz der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft nach der erste Heimniederlage in der ÖFB-Geschichte gegen Schweden. Das Testspiel sollte als Moralinjektion für die WM-Qualifikationspartie gegen Rumänien dienen, stürzte die rot-weiß-rote Auswahl aber vor dem Spiel der letzten Chance noch tiefer in die Krise.

Brückner äußert sich nicht zum THema Rücktritt
Gegen die Karpaten-Auswahl muss am 1. April in Klagenfurt unbedingt ein Sieg her, um die letzte theoretische Chance auf eine WM-Teilnahme zu wahren. Sollte dieses Unterfangen misslingen, wäre das wohl gleichbedeutend mit dem Ende der Regentschaft von Karel Brückner als österreichischer Teamchef. Im Rahmen der Nachbetrachtung am Tag nach dem Spiel wollte der Tscheche auf diese Situation jedoch nicht eingehen. "Ich beantworte nur Fragen zum Spiel. Diese Sache verhandle ich nicht auf einer Pressekonferenz, sondern mit dem ÖFB", meinte der 69-Jährige auf die Frage nach einem möglichen Abgang noch vor dem Rumänien-Match.

Letzte Chance gegen Rumänien
Gegen die Rumänen wird Brückner noch einmal die Chance bekommen, wie auch der designierte ÖFB-Präsident Leo Windtner am Donnerstag noch einmal klarstellte. "Es ist davon auszugehen, dass Brückner gegen Rumänien auf der Bank sitzt. Nach diesem Spiel wird dann resümiert und analysiert."

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