13.05.2008 07:59 |

Hüllenlos im Stadion

"Soziale Plastik" aus 1.840 Nackten in Wien

"Stay very still, don't move!" - Die Aufforderung zum Stillhalten ist am Sonntag wohl zum ersten Mal von einem Platzsprecher in einem Fußallstadion geäußert worden. Und sie brachte sogar das gewünschte Ergebnis, die Teilnehmer an der Nackt-Installation im Wiener Ernst-Happel-Stadion folgten Künstler Spencer Tunick aufs Wort. Insgesamt waren laut den Veranstaltern 1.840 Personen in die EM-Finalarena gekommen, um an Teil der "sozialen Plastik" zu sein. Bilder der Aktion findest du in unserer Infobox!
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Sie wurden mittels Mikrofon und Stadion-Lautsprecher von Tunick dirigiert. Die wichtigsten Regeln gab es gleich zu Beginn: Zwei Sitzplätze müssen stets frei bleiben, nebeneinandersitzen war nicht erlaubt, genauso wenig wie Sonnenbrillen, Hüte und natürlich Unterwäsche. Auch Lächeln war nicht erwünscht, die Teilnehmer sollten ernst blicken. Dann kam die wichtigste Anweisung: Ausziehen.

Nach kurzen Verzögerungen - einige wenige wollten das Stadion dann doch relativ rasch wieder verlassen - folgten die ersten Settings. Sie waren vorerst eher statischer Natur: Sitzen, Umdrehen, Hände ausstrecken ("like an Aeroplane"), auf den Tribünenstühlen hocken etc. Später kam Bewegung in die Szenerie. Die Teilnehmer mussten durch die Ränge marschieren, verschiedene Positionen folgten.

Fußbälle als Teil der Installation
Zuletzt spielte Fußball die Hauptrolle, genaugenommen 1.000 Fußbälle. Und so wie beim Sport gab es auch bei der Kunstaktion eine strenge Geschlechtertrennung: Die Bälle wurden zunächst an die Männer verteilt, dann erst an die teilnehmenden Frauen.

Spencer Tunick zeigte sich während des gesamten Nachmittags höchst penibel und wiederholte (die per Dolmetsch auch auf Deutsch erteilten) Anweisungen falls nötig auch mehrmals. Er wusste jedoch auch die Geduld der Nackedeis auf den Rängen zu schätzen. Immer wieder bedankte er sich bei seinen Akteuren.

Tunick müde, aber "really happy"
Am Sonntagabend zeigte sich Tunick dann überaus zufrieden mit dem Ergebnis seiner Arbeit im Ernst-Happel-Stadion. Er sei sehr müde aber "really happy", meinte er nach Abschluss der mehrstündigen Installation im Gespräch mit Journalisten.

"Ich möchte mich bei allen Teilnehmern bedanken, ich habe ihre Hilfe sehr geschätzt", betonte ein sichtlich erschöpfter Spencer Tunick nach Abschluss der Aktion. Alle hätten harte Arbeit geleistet. Wobei er sich selbst dabei nicht ausnehmen wollte. Wäre es ihm nur darum gegangen eine "Show" zu machen, dann wäre diese in einer Stunde erledigt gewesen. Die Arbeit an einem Kunstwerk dauere aber länger.

Ergebnis "absolutely beautiful"
Dieses sei jedenfalls "absolutely beautiful" geworden. Er sei überglücklich mit dem Ergebnis. Ohnehin sei es eine einzigartige Gelegenheit, in einem Stadion zu arbeiten. Würde er in den USA nackte Menschen in einem Stadion fotografieren, würde er dort festgenommen werden. Lob gab es für die Teilnehmer: "Die Leute waren gut." Laut Anmeldeliste haben sich Menschen aus 18 Nationen für Tunick entkleidet - darunter auch ein deutsches Model-Starlet.

Ergebnis ab 23. Juni in Wien zu bewundern
Die  Fotos, die Tunick von der "sozialen Plastik" aufgenommen hat, sind ab 23. Juni im "public space" der Kunsthalle am Wiener Karlsplatz ausgestellt. Die Teilnehmer sind unentgeltlich dabei. Sie erhalten allerdings signierte Fotografien.

Die Stadion-Installation ist Teil des EURO-Kulturprogramms. Sie wurde von der Kunsthalle sowie der Initiative "2008 - Österreich am Ball" mitorganisiert. Spencer Tunick war in Wien bereits aktiv, er hat 1999 vor dem heutigen Museumsquartier unbekleidete Menschen für eine Nacktinstallation versammelt.

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