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03.12.2016 - 00:14
Foto: APA/Herbert P. Oczeret

Kylie Minogue in Wien

15.05.2008, 13:43
Eine 10.000-Lichter-Discoshow brachte am Mittwochabend Kylie Minogue in die Wiener Stadthalle. Die zierliche Australierin unterhielt ihre Fans bei der ersten Welttournee seit ihrer Brustkrebserkrankung über zwei Stunden lang mit opulenten optischen Effekten und glamourösen Outfits. Die Musik der Dancefloor-Queen war da Nebensache.

Nach KISS am Pfingstmontag und Mark Knopfler am Dienstag beehrte am Mittwoch das dritte internationale K in Folge die Wiener Stadthalle. Anders als an den vergangen beiden Tagen vermochte es Kylie Minogue aber nicht, jeden Platz zu füllen. Mehr als ein Drittel der Halle blieb leer bzw. abgehängt. In Sachen Bühnentechnik konnte sich die zierliche Australierin aber durchaus mit den pompösen Aufbauten der Glamour- Hardrocker vom Montag messen. Was KISS an Dramaturgie aus Flammenwerfern und Feuerwerkskörpern herausholten, machte Miss Minogue nämlich mithilfe einiger Wunder der modernen Technik wett.

Vier haushohe, semitransparente LED- Teppiche bildeten eine Art überdimensionalen Fernseher an der Rückseite der Bühne, der von Farbillustrationen, Fotos bis zu Videos, die in der Regel Auschnitte von Kylie- Minogue- Clips beinhalteten, alle Stückerl spielte. Ebenso der Boden der mit leichtem Gefälle aufgestellten Bühne war ein einziger, riesiger Flachbildschirm ohne Nähte. Kylie Minogue im Zoom gab's auf zwei Videoleinwänden an den Flanken der Bühne zu sehen. Allerdings nicht ohne einen unauffälligen Weichzeichnereffekt, der bei Großaufnahmen jene Details um Augen und Mundwinkel verbarg, die die Sängerin wohl nicht so gern auf drei Metern Bilddiagonale herzeigt. Ab 28. Mai zählt die kleine Australierin übrigens vierzig Lenze - und da darf man ja schon eitel werden.

Mit der Showabfolge hielt sie es so, wie man es in der Stadthalle sonst nur von Acts wie STS gewohnt ist. Zur Halbzeit gab es eine 15- minütige Pause, die dann nach etwa 25 Minuten zu Ende war. In der ersten Hälfte spulte Miss Minogue eine farbenprächtige, optisch opulente Disco- Show ab. Beim Opener "Speakerphone" vom aktuellen Longplayer "X" schwebte sie als orientalische Prinzessin auf einem futuristischen Spinnennetz- Gefährt auf die Bühne. Gleich als zweite Nummer wurde der Dancefloor- Kracher "Can't Get You Out Of My Head" in abgekürzter Version verheizt. Als "brandneuen Song" sagte Goldlöckchen Kylie die Nummer "Ruffle My Feathers" an, die sie tatsächlich erstmals auf der "X"- Tour vorgestellt hatte. Im Gewumme der bis dato ausschließlich zugespielten Disco- Tracks (die Musiker an ihren Instrumenten taten derweil so, als hätten sie was zu tun) ließ sich der von einer Fechteinlage der Minogue- Tanztruppe begleitete Song aber nicht wirklich vom Vorigen unterscheiden.

Nachdem die Grammy- Gewinnerin "In Your Eyes" als letzte Nummer im lilafarbenen Prinzesschenkleid vorgetragen hatte, kehrte sie nach einer Umbaupause, bei der man das verdutzte Publikum im Dunkeln sitzen ließ, als Athletin inklusive großem "K" am blitzblauen Dress wieder zurück. "Heart Beat Rock" und die neuen Single "WOW!" (Video siehe Infobox) wummerten mit sattem Sound durch die Halle. Kein Wunder, wiederum war bis auf den Gesang alle Musik zugespielt, was perfekten Sound erschwinglich macht. Auf der anderen Seite muss man aber zugeben, dass der minoguesche Dance- Pop mit echten Instrumenten nur bedingt umsetzbar wäre... Sei's drum. Nachdem mit "Shocked" der erste Prä- Millennium- Hit serviert wurde, ging sich Kylie wieder umziehen. Im roten Kleid inklusive passendem Gendarmenkapperl ritt die Sängerin dann auf einem überdimensionalen Totenkopf zurück auf die Bühne. Dazu gab's "Like A Drug" vom aktuellen Album. Das Gespiele aus der Konserve hatte danach ein Ende und die Musiker (Drummer, Keyboarderin, Bassistin, Gitarrist sowie ein Bläsertrio und zwei Backgroundsängerinnen) durften bei "2 Hearts" nach fast einer Stunde stumpfsinniger Schauspielerei erstmals ihre Instrumente benutzen, was sogleich einen deutlichen Rückschritt in Sachen Sound bedeutete.

Der Moment des Live- Spiels währte jedoch nur kurz. Wieder wurde umgebaut, diesmal wurde die Bühne zum barocken Ballsaal, die Minogue- Tanztruppe bot zu "On A Night Like This" eine kleine Ballettaufführung dar. Beim darauffolgenden "Your Disco Needs You" leistete sich Kylie am Ende einen Satz auf Deutsch. Mit "Die Disco braucht das Volk!" oder so ähnlich, klang sie vor der Operetten- Szenerie wie eine kleine Kaiserin Sisi mit britischem Akzent. Das bisher eher verhalten reagierende Publikum tobte sich dann ausgerechnet bei "Kids" aus. Das mit den beiden stimmlich haushoch überlegenen Backgroundsängerinnen gesungene und von der Liveband kraftvoll in Szene gesetzte Robbie- Williams- Duett bescherte Kylie den heftigsten Jubel im regulären Set. Nach einer kleinen A- Capella- Einlage mit "Step Back In Time" verwandelte sich die Bühne für "In My Arms" in ein Fernsehtestbild. Nach dem Eyecatcher- Bühnenbild und dem treibenden Smashhit war die Verschnaufpause angesagt.

Das in der Wartezeit ausgeteilte Lob für die bis dahin überaus geschmackvolle Show, verwirkte gleich der erste Kostümwechsel nach der Pause. Während sich die Bühne in einen japanischen Garten verwandelte und die Tänzer mehr schlecht als recht eine Samurai- Choreografie aufführten, hatte sich Kylie die ganze Zeit in einer mannshohen Pyramide mitten auf der Bühne versteckt. Als sich das Objekt wie eine Lotusblüte entfaltete und die Entertainerin grazil aus der Mitte entstieg, ging ein Raunen durch die Menge. Der Schwenk der Kamera offenbarte einen gröberen kosmetischen Fehltritt: Im Kleid mit Kimono- Zitaten steckte ein blass geschminkte Kylie mit überbetonten Lippen und blonder Perücke. Der erste Eindruck: Lolo Ferrari, der man die Luft herausgelassen hat. Drei Songs ("Come Into My World", "Nu- Di- Ty" und "Sensitized" mit Band) trällerte sie in dem Geisha/Disco- Aufputz, bevor der bitter nötige Kostümwechsel den Zuseher wieder auf andere Gedanken kommen ließ. Im türkisen Cocktail- Kleid und mit einer schmalzigen Ladung Orchestermusik aus der Konserve stürzte sich die Australierin in die Balladen "Flower" und "I Believe In You". Letzteres bekam durch die Verlangsamung einen Dreh, der gefiel.

Minogues treue Fans aus der Gayszene sollten anschließend wohl mit einem kurzen Zwischenspiel beglückt werten. Brustfrei gaben sich ein paar muskulöse Tänzer als schwule Matrosen, bevor Miss Minogue im Hosenanzug mit maritimen Zitaten dazwischenging und ihre Coverversion von "Loveboat" anstimmte. Seit ihrem 2000er- Comeback mit "Light Years" hat Kylie auf keiner Tour mehr alten Hadern wie "Locomotion" oder "I Should Be So Lucky" gesungen. Aus gutem Grund, ihr damaliges Image als "Singing Budgie" ("Trällernder Wellensittich") sollte auf ewig verdrängt bleiben. Als sie nach der ersten Kitsch- Attacke mit "Loveboat" aber Barry Manilows "Copacabana" vor Palmen- und Strandbar- Kulisse zum Besten gab, konnte man gar nicht anders, als sich in Erinnerung zu rufen, dass die jetzige Dancefloor- Queen einmal ein singender Soap- Star war. Mit den Palmen und den klischeeüberladenen Matrosen verschwand aber auch das wieder. Für die letzte Nummer des regulären Sets, "Spinning Around", war wieder Disco und Dancefloor angesagt. Das Tragen der berühmt- berüchtigten Goldhotpants aus dem dazugehörigen Videoclip, die laut Kylie aus einem Ramschladen stammten und spottbillig waren, überließ die Grande Dame des Abends aber ihren Tänzern bzw. Tänzerinnen.

Waren es die Matrosen oder gar die güldenen Höschen - als die Lichter auf der Bühen ausgingen, wurde das Publikum erst richtig wach und verlangte mit Applaus, Pfiffen und Getrampel nach Zugaben. Mit "No More Rain" hatte Kylie eine gute Wahl getroffen. Der Song gehört mit Abstand zu den besten auf der neuen Platte "X" und gibt der Sängerin live die Gelegenheit, etwas von ihren wider allen boshaften Kritikern zum Trotz auf jeden Fall vorhanden Sangeskünsten unter Beweis zu stellen. Übernatürliche Fähigkeiten präsentierte indes einmal mehr die Begleitband: Mit hochgestreckten Händen klatschten ausnahmslos alle Musiker das Publikum ein, während die Instrumente - oh Wunder! - "von alleine" weiterspielten. Nach einem kurzen Monolog über ihre lange Liste an gescheiterten Liebeleien ("You can't trust the boys today") wollte sich Kylie mit "Love At First Sight" verabschieden. "Jetzt wäre es eigentlich aus", sagte die Sängerin danach dem jubelnden Publikum und klärte übers Mikro mit ihrer Band ab, ob man denn noch einen Song spielen könnte. Die Tapes im Zuspieler waren definitiv schon aus, was das Achselzucken der Keyboarderin verriet. Deshalb gab's als letzte Zugabe eine komplett live gespielte Akustik- Version von "All I See", mit der sich Miss Minogue auch bei kritischen Zusehern wieder jenen Respekt zurückverdiente, der mit der Zeile "Her name was Lola, she was a showgirl" zwischenzeitlich flöten gegangen war.

Ein musikalisches Fazit zu ziehen, wäre hier unangebracht. Entertainer unterhalten ja bekanntlich nicht mit virtuosen Live- Performances, sondern mit Charisma, das beim gemeinen Musiker für gewöhnlich nicht in rauen Mengen vorhanden ist. Daher: Wer auch mit den Augen hören kann, hatte bei dieser Show gewonnen.

Von Christoph Andert

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