Mo, 23. April 2018

Kultur

21.01.2018 21:22

Die Vergebung hilft da auch nicht!

Nach "Don Giovanni" und "Cosi fan tutte" ergänzte der Regisseur Jacopo Spirei mit "Le nozze di Figaro" den da Ponte-Zyklus der Mozart-Opern. Mit einem fein austarierten und balancierten Ensemble sowohl im Gesang wie auch in der enorm spielfreudigen Aktion. Ein schöner Erfolg.

Drei junge Frauen standen nach der Premiere in der schneeregennassen Winternacht unter dem Landestheater-Vordach, eine meinte: "Drei Stunden, das war gar nicht so krass." Die andere: "Verging echt schnell." Womit viel gesagt ist.

Der Regisseur Jacopo Spirei holt die Geschichten aus dem historischen Rahmen und versetzt sie mit Gegenwarts-Kolorit. Auch hier im "Figaro" sind einige Sperenzchen dabei: Selfies mit dem stets griffbereiten Smartphone, der Graf ist Golfer und übt auf der Terrasse seiner Neubau-Villa mit Swimmingpool, Umzugskartons, inmitten derer die Möbel-Bauanleitung für Verwirrung sorgt: geschenkt! Das Finale ist ein anderer Fall. Etliche Frauen im Sitzstreik mit #MeToo-Plakaten. Das mag für manche ein zeitgemäßer Einfall sein, ich halte es für einen Gag, der eine weitgehend ernsthafte Debatte per Opera buffa konterkariert. Es sind Kinkerlitzchen, denn das Ensemble macht all das wett mit enormer Spiellust und darstellerischer Vielfalt, gesanglich famosem Leuchten - da werden Opernschablonen wunderbar aufgeraut und -gekratzt. Diese schöne, erfrischend mitreißende Präsenz konzentriert sich sehr genau in der "Susanna" von Laura Nicorescu und im wild verzweifelten "Cherubino" von Shahar Lavi. Wie George Humphreys den Lüstlings-Macho-Grafen spielt und singt, das ist ein feine Figur zwischen Erhaben- und Verdorbenheit. Am Ende bittet er sein Frau (Anne-Fleur Werner) um Vergebung. Hilft nicht wirklich, denn es bleibt der Riss des Begehrens, der Krater, dem eine noch so schöne Bebauung mit Bekenntnissen keine Blüte bringen kann. Adrian Kelly am Pult des Mozarteumorchesters? Vor allem im ersten Akt fand ich es etwas holzschnittartig, einigermaßen entfernt von der Musik-Seele, danach pendelte sich die "Wasserwaage" ein und er übertrumpfte nie die Sänger. Was ja auch schön ist. Wieder einmal: der meinerseitige Besuchsbefehl!

Hans Langwallner, Kronen Zeitung

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