Di, 21. November 2017

Rapid-Trainersuche

09.04.2017 13:26

Bickel: „Habe Anforderungskatalog nicht gelesen“

"Hackln, hackln, hackln!" - Rapids Canadi-Erben Goran Djuricin und Martin Bernhard inszenierten sich Sonntagmittag als hemdsärmelige Anpacker. Ob das neue Trainer-Gespann von der unverhofften Interims- zur etablierten Dauerlösung mutiert, ist offen. Sportchef Fredy Bickel will bei der Trainersuche den einst rund um die Canadi-Verpflichtung so gepriesenen Anforderungskatalog jedenfalls nicht überbewerten - "mein Anforderungskatalog richtet sich nach den Bedürfnissen der Mannschaft".

Das Auto kurzerhand zum mobilen Büro umgemodelt, das Handy auf Dauerbereitschaft gestellt, die grauen Zellen zum Rattern gebracht - die Heimfahrt Fredy Bickels am Samstagabend von Ried war die vielleicht arbeitsintensivste in seiner Karriere. Nach dem blamablen 0:3 der Hütteldorfer beim Tabellenletzten wusste er: Es muss gehandelt werden. Also ein ausführliches Gespräch mit Rapid-Wirtschaftsmanager Christoph Peschek, mit dem gemeinsam er im Auto saß. Anschließend telefonisches Vorfühlen bei Dujricin und Bernhard. Noch in der Nacht in Wien das Gespräch mit Damir Canadi. Der nimmt seine Beurlaubung "erstaunlich ruhig und professionell" hin, sagt Bickel.

"An unbändigem Willen gescheitert"
Er, der gerne darauf verweist, kein Freund von Trainer-Rauswürfen zu sein, sah keine Alternative mehr. "In der Länderspielpause haben wir gemeinsam beschlossen, es noch einmal mit Canadi zu probieren. Das 3:1 im Cup bei St. Pölten hat uns auch zuversichtlich gestimmt." Aber mit der Bankrotterklärung in Ried am Samstag war die Ära Canadi bei Rapid zu Ende. "Vielleicht ist er an seinem unbändigen Willen gescheitert", sinniert Bickel, angesprochen auf das oft grantig wirkende Auftreten Canadis in der Öffentlichkeit. Die medial kolportierten zwischenmenschlichen Turbulenzen zwischen Trainer Canadi und Spielern will Bickel nicht gelten lassen. "Das stimmt so einfach nicht."

Die Canadi-Nachfolger sind jedenfalls in Amt und Würden. Und leiteten am Sonntagvormittag bei herrlich-frühsommerlicher Atmosphäre im Wiener Prater die erste Trainingseinheit. Mit dabei waren freilich nur die Spieler, die am Samstag in Ried nicht über 90 Minuten gingen, unter ihnen Steffen Hofmann und der durch die Auswechslung in Minute 38 gedemütigte Christoph Schösswendter. Vor allem Martin Bernhard gab sich während der Trainingseinheit wort- und stimmgewaltig. Bei der anschließenden improvisierten Open-Air-Pressekonferenz eher kühl und analytisch. "Jetzt geht's ums Überleben. Dessen muss sich jeder bewusst sein."

"System ist nicht wichtig"
Kollege Djuricin legt Wert auf die Feststellung, dass "wir als Team arbeiten werden" - die Letztverantwortung liegt aber bei ihm. Die von Canadi beharrlich durchgezogene Dreierkette will er nicht in Stein gemeißelt wissen. "Das System ist nicht wichtig - auch wenn ich in der Nacht auf heute vielleicht drei, vier Stunden geschlafen habe, weil mir insgesamt 17 Systeme durch den Kopf gegangen sind. Aber wichtig ist, dass wir die Einstellung auf den Platz bringen. Wir denken von Spiel zu Spiel."

"Überdurchschnittlich intelligente Mannschaft"
Auch Sportchef Bickel sieht das System nicht als das Allheilmittel. Ebenso wenig wie den Anforderungskatalog, der von der Rapid-Spitze im November, als Canadi für Büskens geholt wurde, oft postuliert wurde. "Um ehrlich zu sein", schmunzelt Bickel, "dieser Anforderungskatalog liegt bei mir in der Schreibtischlade - ich habe ihn aber bisher noch nicht gelesen. Ich habe in der Vergangenheit bei der Trainersuche nicht so gearbeitet. Weil ich glaube, dass es am wichtigsten ist, dass der Trainer zur Mannschaft passt." Und die aktuelle Rapid-Mannschaft sei eine "überdurschnittlich intelligente. Sie hinterfragt sehr viel, passt genau darauf auf, was gesprochen wird, ist bestimmt eine überdurchschnittlich intelligente Mannschaft. Das habe ich so in meiner Karriere noch nicht erlebt".

Volle Unterstützung für Djuricin/Bernhard
Was das für die Zukunft von Djuricin und Bernhard heißt? "Es kann durchaus sein, dass sie auch in der kommenden Saison Cheftrainer von Rapid sind. Aber die beiden wissen auch, dass wir parallel mit anderen Kandidaten Gespräche führen." Dennoch habe er volles Vertrauen in das Duo Djuricin/Bernhard. "Die beiden sollen ihr Ding durchziehen. Ich werde sie unterstützen, wo ich nur kann."

Michael Fally
Redakteur
Michael Fally
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