Fr, 15. Dezember 2017

"Bisher friedlich"

24.05.2016 16:43

Chaos-Camp Idomeni: Polizei begann Räumung

Die griechischen Behörden haben mit der Räumung des wilden Flüchtlingslagers von Idomeni begonnen. Einheiten der Bereitschaftspolizei sperrten Dienstagfrüh das Lager weiträumig ab, ein Hubschrauber überflog die Region. Nach Polizeiangaben haben bereits mehr als 1000 Flüchtlinge mit Bussen das Lager verlassen. Sie wurden in weiter südlich gelegene staatliche Einrichtungen gebracht. "Alles läuft nach Plan", sagte der Sprecher des Stabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei bisher keine Gewalt angewendet worden.

Die Evakuierung läuft auch Medienberichten zufolge bisher ruhig und ohne Gewaltanwendung ab. Die Migranten, die seit Monaten unter menschenunwürdigen Zuständen vor dem mazedonischen Grenzzaun ausharren und auch eine wichtige Bahnlinie sperren, sollen in organisierte Auffanglager gebracht werden. Die meisten Menschen sollen zunächst in neue Auffanglager bei Thessaloniki gebracht werden - etwa 80 Kilometer südlich von Idomeni. 6000 Aufnahmeplätze stehen für sie bereit.

NGO besorgt über Zustände in staatlichen Einrichtungen
Die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR mahnte Griechenland, bei der Umsiedlung auf Druck zu verzichten. Wichtig sei, dass der Umzug freiwillig stattfinde, nicht diskriminierend sei und die Menschen gut informiert würden, sagte Sprecher Adrian Edwards. Die Hilfsorganisation "Save the Children" zeigte sich besorgt über die Lage in den offiziellen Flüchtlingscamps, in denen es etwa an Waschräumen und Schutzräumen für Kinder fehle.

Demonstranten blockierten Bahnstrecke
An der Aktion nehmen laut Berichten griechischer Medien rund 1400 Polizisten teil. Diese werden von mehreren Dolmetschern begleitet, die bei der Informationsweitergabe behilflich sein sollen. Mehr als 1000 Demonstranten blockierten nach Angaben der Polizei aus Protest gegen die Umsiedlungen die Bahnverbindung zwischen Griechenland und Mazedonien.

Das Lager von Idomeni hatte sich nach der schrittweisen Schließung der Balkanroute im Februar und dem Bau eines Zauns durch Mazedonien gebildet. Es wurde zum traurigen Sinnbild der Flüchtlingskrise, weil dort zwischenzeitlich bis zu 12.000 Menschen festgesessen waren. Obwohl mit der Zeit viele Hilfsorganisationen vor Ort vertreten waren, verschlimmerte sich die Situation. Unter anderem kursierten Berichte über Prostitution und Drogenhandel im Lager.

Zuletzt mehr als 8000 Migranten in Camp
Trotz der erbärmlichen Lage weigerten sich die meisten Flüchtlinge, sich in andere Lager im Landesinneren bringen zu lassen, weil sie noch auf eine Chance zur Weiterreise Richtung Nordwesteuropa hofften. Immer wieder kam es zu verzweifelten Versuchen, die Grenze zu überqueren. Vor Beginn der Räumung sollen noch etwa 8400 Menschen im Camp ausgeharrt haben.

In ganz Griechenland sind laut Regierung 54.000 Flüchtlinge gestrandet. Allerdings hat sich die Lage seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes Anfang April leicht entspannt. Seitdem nimmt Ankara alle neu auf den griechischen Ägäis-Inseln ankommenden Flüchtlinge zurück.

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