Di, 16. Jänner 2018

Teilbedingte Strafen

02.05.2012 20:09

Cannabis-Anbau im großen Stil: Sechs Schuldsprüche

Sechs Schuldsprüche und jeweils teilbedingte Haftstrafen - mit diesen Urteilen ist am Mittwoch in Eisenstadt der Prozess um einen groß angelegten Cannabis-Anbau für sechs von neun Angeklagten zu Ende gegangen. Die restlichen drei müssen erneut vor Gericht erscheinen. Allen wird bzw. wurde vorgeworfen, mit Suchtgift gehandelt bzw. es verbreitet zu haben.

Ein Gärtner, ein Essenslieferant, ein Chauffeur, ein "Angestellter", der für die Akquise der Arbeiter zuständig war, sowie mehrere Personen, die sich um die Anmietung von Objekten gekümmert haben, waren in dem illegalen Unternehmen zum Teil über mehrere Wochen hinweg beschäftigt. Die Ausbeute war groß: Rund 32 Kilogramm Cannabis wurden geerntet, 2.271 Cannabispflanzen sichergestellt.

"Anbau im großen Stil" vs. "kleine Fische"
Bei den Angeklagten handelt es sich um eine Italienerin, zwei Österreicher und sechs Vietnamesen. Laut deren Aussagen und auch laut Verteidiger wurden die wohl wichtigsten Mitglieder, nämlich der Chef und jene Personen, die "das große Geld gescheffelt haben", nicht geschnappt. Staatsanwältin Karin Lückl meinte dagegen, dass es sich hierbei nicht um "Kleinkriminalität", sondern um Drogenanbau "im großen Stil" handle. Einer der Verteidiger bezeichnete die "untere Ebene" des Cannabis-Unternehmens als "kleine Fische".

Sie hätten nur ihre Arbeit getan, erklärten die Gärtner, die für die Pflege der Cannabis-Pflanzen zuständig waren. Die Zucht wurde in drei extra dafür angemieteten Häusern im niederösterreichischen Neunkirchen sowie im burgenländischen Marz und in Antau betrieben. Die Objekte wurden abgedunkelt, die Pflanzen fachgerecht mit Neonlicht bestrahlt. Geld haben die Gärtner bis dato nicht gesehen. Sie beteuerten vor Gericht zudem, zunächst nicht gewusst zu haben, worum es sich bei den Pflanzen handle, die sie zu gießen hatten. "Obst oder Gemüse" gab ein Angeklagter zu Protokoll. Die Richterin kaufte den Arbeitern das jedoch nicht ab.

Rechtlich versierter Österreicher organisierte Verträge
Mit Tricks, etwa einem falschen Pass, falschen Namen und Angaben zur persönlichen Tätigkeit sollen die Mietverträge von einem Österreicher beschafft worden sein. Organisiert und aufgesetzt soll die Verträge ein bereits mehrfach vorbestrafter Kärntner haben, der als Assistent in einer Rechtsanwaltskanzlei tätig war.

Das Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Birgit Falb verurteilte vier Vietnamesen, die als Gärtner und Erntehelfer sowie als Personalvermittler tätig waren, zu teilbedingten Haftstrafen von 18 bis 24 Monaten bedingt (davon von sechs bis neun Monaten unbedingt). Über den Fahrer und den Essenslieferanten wurde eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren unbedingt verhängt. Die Urteile sind rechtskräftig. Als mildernd wurde bei allen Angeklagten die bisherige Unbescholtenheit gewertet.

Die weiteren drei Angeklagten müssen zu einem noch nicht bekannten Termin erneut vor Gericht erscheinen. Dann sollen auch Zeugen geladen werden und möglicherweise die noch ausstehenden Urteile verkündet werden.

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