Do, 24. Mai 2018

Ende der Karriere

12.03.2012 14:05

Weltcup-Pechvogel Mario Scheiber gibt endgültig auf

Mario Scheiber hat am Montag in Schladming seinen Rücktritt bekannt gegeben. Der 29-jährige Osttiroler galt einst ob seines Talents als potenzieller Anwärter auf den Gesamtweltcup, wurde aber immer wieder von Verletzungen und Krankheiten zurückgeworfen. WM- und Olympia-Medaillen blieben ihm verwehrt, ebenso wie ein Weltcupsieg. Er landete allerdings 13-mal auf dem Podest, wurde in Abfahrt und Super-G neunmal Zweiter und viermal Dritter.

Scheiber riss sich Kreuzband und Meniskus, erlitt Schulterluxation und Gehirnerschütterung, brach sich Schlüsselbein und Nase. Jedes Mal hat er sich nach Rückschlägen zurück an die Spitze gekämpft. "Leider ist sich der große Erfolg nicht ausgegangen, aber ich bin mit meiner Karriere sehr zufrieden."

Der Vater einer acht Monate alten Tochter hat noch keine konkreten beruflichen Zukunftspläne, jetzt will er erst einmal die Entscheidung verdauen und in den Kopf bekommen, dass er kein Spitzensportler mehr ist. Und Zeit mit seiner Familie genießen. Schon vor einem Jahr, nach dem Sturz in Chamonix im Jänner 2011, hatte Scheiber Abschiedsgedanken gehegt. "Da habe ich so einen Blödsinn dahergeredet, weil ich auf den Kopf gefallen bin. Es war es aber auf alle Fälle wert, dass ich weitergemacht habe. Ich habe im Sommer konditionell sehr gut trainiert, habe mich wieder auf die Ski gestürzt und wollte es noch einmal wissen. Ich hatte im Kopf, dass die letzten Comebacks auch immer super gelaufen sind", erklärte er.

Skifahren ohne Schmerzmittel unmöglich
Doch dieses Mal war es anders, Scheiber laborierte zunehmend an Magenverstimmungen, hatte Bauchkrämpfe und Erbrechen. Er führte das auf die Schmerzmittel zurück, die er seit sieben Jahren nimmt. Skifahren war anders nicht mehr möglich, vergaß er die Tablette, schwoll das Knie an. "Die ganze Saison war zu vergessen, das rechte Knie ist immer schlechter geworden, es hat während des Skifahrens immer gezwickt. Das ist der Hauptgrund, warum ich die Karriere beende", begründete Scheiber seinen Entschluss, den er in einem Gespräch mit Rennsportleiter Mathias Berthold Anfang März in Kvitfjell gefällt hatte.

Scheiber: "Ich konnte nicht mehr mithalten"
Knie und verloren gegangene Risikobereitschaft spielten zusammen. "Ich habe zurückgeschaltet, um gesund ins Ziel zu kommen. Dann bist du halt zweieinhalb, drei Sekunden hinten. Und die anderen riskieren extrem, ich habe gesehen, dass ich nicht mehr mithalten kann, dass ich die Risikobereitschaft nicht mehr aufbringen kann." Bei den Rennen im Februar auf der Olympiapiste von Sotschi 2014 ist für ihn dann Entscheidendes passiert. "Da waren große Sprünge, schwierige Kurven, eine anspruchsvolle Piste. Da ist das erste Mal die Angst mitgefahren. Das hat sich dann so fortgesetzt, auch im Super-G."

Platz zwei in Kitzbühel schönste Erinnerung
Spaß am Skifahren hat er nach wie vor, und trotz seiner Leidensgeschichte will er niemandem davon abraten. Im Gegenteil. "Der Job hat mir irrsinnig getaugt, es ist ein super-cooler Sport. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Und ich hatte mich daran gewöhnt, dass es ein bisserl zwickt. Ich kann nur sagen, jeder, der es machen will, soll es probieren, wenn er Talent, Ehrgeiz und Zielstrebigkeit hat", sagte Scheiber, für den einer der schönsten Momente der Karriere der zweite Platz 2008 in der Abfahrt von Kitzbühel war.

Coach Berthold blutet das Herz
Berthold schmerzt der Abschied Scheibers. "Für uns als Mannschaft und für mich persönlich finde ich es sehr schade. Es war in den vergangenen zwei Jahren ein Auf und Ab, wie es mehr nicht sein kann. Ich habe seinen enormen Einsatz sehr geschätzt. Aber die Verletzungen und Krankheiten den ganzen Winter hindurch, da blutet einem als verantwortlicher Trainer das Herz, wenn man das sieht."

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