Di, 22. Mai 2018

Total "gangsta"

20.02.2009 16:13

50 Cent: Blood on the Sand

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. So oder so ähnlich könnte das heimliche Motto zu 50 Cents Baller-Game "Blood on the Sand" lauten. Schließlich strotzt der mittlerweile zweite Versuch des US-Rappers, im Videospiel-Biz Fuß zu fassen, nur so vor unfreiwillig komischen Einlagen. Trotzdem (oder gerade deswegen) macht der Titel mit seinem Bling-Bling und Peng-Peng überraschend viel Spaß.

Es ist das letzte Konzert der Tour. Fifty hat gerade sein Mikro aus der Hand gelegt, als er erfahren muss, dass die Gage für den Abend noch nicht überwiesen wurde. Im nächsten Augenblick sieht man den Gangster-Rapper seine Pumpgun durchladen und vor Wut schnaubend in ein Büro stürmen. Irgendein armer Kerl wird schließlich so lange eingeschüchtert, bis er einen strahlend blinkenden Kristallschädel herausrückt. Warum? Das wissen wohl nur die Entwickler. Einen weiteren Szenenwechsel später düst Fifty stilecht mit dem Hummer durch die Straßen an brennenden Ruinen vorbei. Langsam aber sicher beschleicht einen das dumpfe Gefühl, dass dies hier wohl doch nicht die Straßen der New Yorker Bronx sind.

Und tatsächlich: Wie dem Pressetext zu entnehmen, befindet sich der Rapper in einem fiktiven kriegszerrütteten Staat im Mittleren Osten. Ehe er es selbst bemerkt haben dürfte – Promis leiden schließlich öfter unter Jetlag -, schlagen um ihn herum bereits Raketen ein. Eine heiße Braut in Militärhosen und knappem Oberteil taucht auf und entwendet das von Fifty kurz zuvor angeeignete Schmuckstück. Das Spiel fasst die Szene wie folgt zusammen: "Der Konvoi ist in einen Hinterhalt geraten und die Schlampe hat deinen Schädel gestohlen". Eine spannende Ausgangsituation also, um in den nächsten Stunden ungehemmt auf alles und jeden ballern zu können.

Mittel dazu hat Fifty schließlich genug: Nach einem Besuch bei Raoul im Stripclub – das vergnügliche Leben muss schließlich auch in den zerbombten Stadtteilen weitergehen – kann der Rapper an jeder Telefonzelle in der Stadt neue Waffe ordern. Zur Auswahl stehen durchwegs konventionelle Wummen, insgesamt vier an der Zahl kann Fifty mit sich tragen: eine Handfeuerwaffe, zwei Gewehre und ein schweres Kaliber wie beispielsweise einen Raketenwerfer. Darüber hinaus hat Raoul auch "Gegenmaßnahmen" für den Nahkampf sowie "Verspottungen" im Programm. Warum man dafür Geld ausgeben sollte, wollte sich bis zum Ende des Spiels nicht so recht erschließen.

Einmal ausgerüstet, huscht Fifty dank Unreal-3-Engine schließlich ähnlich Microsofts "Gears of War" per A-Button von Deckung zu Deckung, zielt und feuert mit Hilfe der Schultasten, lädt per X-Button nach und verteilt per B-Knopf in kleinen Quicktime-Events effektvoll und blutig seine "Gegenmaßnahmen". Hat sich der Rap-Star dann so richtig warmgeschossen, kann über den Y-Button eine Art Zeitlupenmodus aktiviert werden, um Gegner schnell und präzise auszuschalten.

Gebrauch machen muss man von dieser Funktion allerdings nur selten, denn die Gegner sind mehr Kanonenfutter als echte Ziele und springen recht zügig vor den Lauf. Masse statt Klasse eben. Dies scheint allerdings durchaus gewollt: Von der ersten Minute an ähnelt "Blood on the Sand" eher einer Schießbude als einem fordernden Shooter. In Arcade-Manier gibt es für jeden Abschuss und für jede Explosion Punkte. Kleinere Zeitaufgaben, in denen es etwa eine bestimmte Anzahl von Gegnern zu eliminieren oder Dollar-Scheine einzusammeln gilt, unterstreichen das Spielhallen-Feeling. Der Spieler ballert sich so von Abschnitt zu Abschnitt, feuert auf allen Rohren auf das, was auf ihn zukommt, geht wieder ein paar Schritte und schießt schließlich die nächste Angriffswelle nieder.

Von Zeit zu Zeit dürfen 50 und sein ihn begleitender G-Unit-Kompagnon – zur Auswahl stehen Tony Yayo, Lloyd Banks und DJ Whoo Kid – auch mal mit Hilfe von C4 ein paar strategische Ziele in die Luft jagen, Helis per Bazooka vom Himmel holen oder mit dem Jeep über staubige Pisten heizen. Abwechslung mag dennoch nicht so recht aufkommen: Obwohl detailliert gestaltet, ähneln sich die Level einfach zu sehr. Immerhin kommen sammelwütige Spieler auf ihre Kosten: Wer im Game versteckte Poster und andere Gegenstände findet, schaltet Extras wie Konzeptzeichnungen und Videoclips frei.

Auch wenn "Blood on the Sand" inhaltliche Schwächen aufweist, technisch gibt sich das Spiel keine Blöße: Die bereits erwähnte Unreal-3-Engine bringt prächtige Explosionen, flüssige Animationen und äußerst detaillierte Level, wie das fröhlich abfackelnde Theater gegen Ende des Spiels, auf den Bildschirm. Akustisch unterlegt wird das Geschehen neben Fiftys derben Flüchen mit dessen nicht minder derben Rap-Songs. An den insgesamt über 40 Songs dürften sich jedoch selbst hartgesottene Fans schnell satt gehört haben. Atmosphäre, Nervenkitzel oder Spannung suggerierende Klänge sucht man leider vergeblich.

Fazit: Mit sinkendem Anspruch steigt auch der Spaß an "50 Cent: Blood in the Sand". Hat man erst einmal begriffen, dass sich der Titel als reines Ballerspiel ohne jeglichen spielerischen Tiefgang versteht, findet man an dem Schießbuden-Flair durchaus Gefallen. Seiner Vorbildfunktion wird der Rapper in dem Spiel zwar nicht gerecht, volljährige Fans und Freunde kurzweiliger Shooter dürfen aber dennoch getrost einen Blick darauf werfen.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: THQ
krone.at-Wertung: 7/10


von Sebastian Räuchle

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