Mi, 19. September 2018

Urlaub wie früher

21.08.2017 09:02

Kythira, ein sagenhaft schöner Inseltraum

Sprichwörtlich "reif für die Insel" fühlen wir alle uns gelegentlich - und viele haben dabei ein ganz bestimmtes Traumbild vor Augen. Von Sonne und Wärme, von ruhigen Stränden und Schattenplätzen unter Bäumen, von idyllischen Dörfern, urigen Fischerhäfen, gemütlichen Tavernen. Ein Griechenland-Klischee. Aber ein Traum-Klischee, das wirklich genauso existiert: Auf Kythira, einer ionischen Insel südlich des Peloponnes, etwa 3500 Einwohner, 56 Dörfer, 65 Strände, Hunderte Kirchlein und sehr viel Geschichte.

Sagen zufolge entstieg dort (und nicht auf Zypern!) die Liebesgöttin Aphrodite dem Meeresschaum. Vor der Küste wurde 1900 das berühmteste Schiffswrack der Antike entdeckt, mit dem 2000 Jahre alten ersten Vorläufer heutiger Computer an Bord. Kythira war schon zu Urzeiten besiedelt, später von Minoern, Phöniziern, Mykenern, Athenern und fiel nach Auflösung des Byzantinischen Reiches 1204 an Venedig (am Baustil heute noch wunderschön zu erkennen). Später an Frankreich, im 19. Jahrhundert an die Briten (sie brachten Herrenhäuser, gewagte Straßen- und Brückenbauten). Seit 1864 ist die Insel Bestandteil Griechenlands - und war im September 1944 das erste befreite Stück des Landes im Zweiten Weltkrieg.

Kristallklare Buchten, Olivenhaine und Windmühlen
Der Rundblick von der venezianischen Festung Fortetsa zeigt Kythiras strategisch wichtige Position: drei Meere, das ionische, das ägäische und das kretische - sind von dort aus zu überblicken. Für "Inselreife" noch wichtiger: der Blick auf kristallklare Buchten, weiß getünchte Dorfhäuser, Olivenhaine, Weingärten, Schafweiden, Windmühlen. Das erträumte Griechenland-Gefühl stellt sich bei Besichtigungen von Kastell, Museen und Klöstern - da ist vor allem Myrtidiotissa mit seiner Ikonensammlung ein "Muss" - schön langsam ein. Beim genüsslichen Baden und Sonnen an einem der vielen Sand- und Kiesstrände noch mehr - und vollends beim Kaffee auf dem schattigen Marktplatz von Potamos.

Das Bergdorf Mylopotamos
Oder in der Taverne unter der riesigen Platane im Bergdorf Mylopotamos. Beim Fischessen im Hafen von Agia Pelagia oder Kapsali. Beim herben Weißwein, bei kleinen, feinen griechischen Köstlichkeiten mit viel Gemüse, Würsten, Schafkäse und natürlich reichlich bestem Olivenöl. Danach darf der lokale Tsipouro-Trebernschnaps nicht fehlen und die Kythira-Spezialität Fatourada aus Tispouro mit Zimt und Nelken. Beim allerletzen Gläschen auf der einfachen Pensionsterrasse mit Blick auf Meer und Sternenhimmel macht sich das wohlige Gefühl des Angekommenseins breit.

Ein Gefühl des Angekommenseins
Ein Gefühl, das nicht nur Urlauber erfasst: Im vorigen Jahrhundert haben mehr als die Hälfte der Bewohner die schöne, aber karge Insel verlassen. Zu wenig Aufstiegschancen, ein beschwerliches Leben. Die meisten von ihnen suchten ihr Glück in Australien, lebten dort bequemer und moderner als in der alten Heimat, kehrten sporadisch auf Besuch zurück - und lernten sie nach Jahrzehnten wieder schätzen. Immer mehr Auswandererkinder kehren zurück und geben wertvolle neue Impulse.

Mandelmehl, Olivenölbrot und Apfeltorte
Genau wie junge Leute aus Kythira, die in Athen studierten und durch die Wirtschaftskrise keine Arbeit finden. Sie beleben beinahe ausgestorbene Traditionen, haben zum Beispiel eine Windmühle restauriert und daneben eine perfekt gestylte "alte" Bäckerei eingerichtet, die nach Rezepten örtlicher Großmütter Köstlichkeiten wie Rozedes und Amygdalotas aus Mandelmehl, Olivenölbrot, Apfeltorte und Honigkekse erzeugt. Sie bieten Kochkurse, Trekking und Mountainbike-Touren ins Landesinnere an, in den Berg- und Hafendörfern verkaufen kleine Geschäfte Gewürze, Olivenöl, Honig, Marmeladen und Liköre, es gibt originelle Schuster und Schneider, stilvolle Pensionen, trendige Cafés mit moderner Küche. Inselreife ist keine Altersfrage: Was die einen als Urlaub wie früher genießen, findet die nächste Generation voll cool gechillt. Traumhaft aber immer...

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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