21.09.2006 18:41 |

100.000 ausspioniert

Abhörskandal erschüttert Italien

In Italien sind offenbar auch Vertreter der Geheimdienste in den Sog eines Abhörskandal geraten, wegen dem die Mailänder Staatsanwaltschaft 20 Haftbefehle erlassen hat. Verhaftet wurden Manager der Telecom Italia und des Mutterkonzerns Pirelli sowie hochrangige Polizeifunktionäre und Militärs. Sie sollen auf Telefongespräche von Politikern, Großunternehmern und Journalisten abgehört haben.

Die Verdächtigten werden beschuldigt, geheime Informationen an Privatdetektive und an die Geheimdienste weitergegeben zu haben.

Der Vorwurf lautet auf illegalen Erwerb von wichtigen Informationen. Durchsucht wurden die Wohnungen der Verdächtigen in Mailand, Florenz, Bologna und Turin.

Kriminelle Methoden der Steuerpolizei
Festgenommen wurden auch fünf Funktionäre der Steuerpolizei von Como. Sie sollen Privatdetektiven in Florenz vertrauliche Informationen über die Steuersituation mehrerer Personen weitergeliefert haben. Zu den Verhafteten zählt unter anderem der Verantwortliche für die Sicherheit bei der Telecom Italia, Giuliano Tavaroli.

Über 100.000 Italiener abgehört
Der Tageszeitung "La Repubblica" zufolge war im Schatten der Telecom Italia über Jahre hinweg ein Spionagezentrum gewachsen, welches in der Geschichte des Landes unvergleichlich sei. Tavaroli habe zu seinen Diensten 500 Angestellte der Telecom gehabt, um alle möglichen Informationen zu sammeln. Die Zahl der illegal Abgehörten beliefen sich auf mehr als 100.000. Zudem seien durch Bestechung Nachrichten über die Datenbanken des Innen-, Wirtschafts- und Justizministeriums ge- und verkauft worden.

Bereits im März waren in Zusammenhang mit illegal abgehörten Telefongesprächen 16 Personen festgenommen worden. Neben elf Privatdetektiven waren damals auch drei Polizisten und zwei Angestellte der Mobilfunkgesellschaft TIM verhaftet worden. Sie sollen Schmiergelder gegen geheime Informationen vergeben haben.

Symbolbild