Sa, 23. Juni 2018

Kind sah alles!

12.09.2016 10:05

Bewusstlos im Auto: Junkies am Facebook-Pranger

Im Kampf gegen eine um sich greifende Heroin-Epidemie greift die Stadt Liverpool im US-Bundesstaat Ohio zu radikalen Mitteln: Sie stellt Drogen-Junkies auf Facebook bloß, um andere abzuschrecken und aufzuklären. Mit dem Bild eines Paares, das im Drogenrausch ohnmächtig im Auto liegt, während der kleine Sohn am Rücksitz nicht weiß, wie ihm geschieht, geht die Stadt nach Ansicht mancher Internetnutzer aber zu weit.

Es sind schockierende Bilder, die von der Stadtverwaltung Liverpools auf Facebook gepostet wurden. Im Polizeireport heißt es, das Paar sei von einer Streife wegen des gefährlichen Fahrverhaltens des Autolenkers angehalten worden.

Junkies wurden bei Fahrzeugkontrolle ohnmächtig
Bei der Polizeikontrolle sei aufgrund des Verhaltens des Fahrers ein Drogenverdacht aufgekommen, am Ende verloren sowohl der Fahrer als auch seine Beifahrerin bei der Kontrolle das Bewusstsein. Erst ein Notarzt, der ihnen ein Mittel gegen Opiat-Überdosen verabreichte, beendete ihre Ohnmacht, bevor sie ins Krankenhaus transportiert wurden.

Auf Facebook erklärt die Stadtverwaltung, wieso man den Fall öffentlich gemacht hat. "Wir halten es für nötig, die andere Seite dieser furchtbaren Droge zu zeigen. Wir denken, wir sollten eine Stimme für die Kinder sein, die in diesen grausigen Verhältnissen gefangen sind. Das Kind kann nicht für sich selbst sprechen, aber wir hoffen, diese Geschichte überzeugt andere, zweimal nachzudenken, bevor sie sich Gift injizieren, während sie ein Kind beaufsichtigen."

Junkie-Bild spaltet Facebook-Gemeinde
Der Beitrag auf Facebook wurde bis Montagvormittag fast 30.000 Mal geteilt und mehr als 5000 Mal kommentiert, er dürfte seine abschreckende Wirkung also nicht verfehlen. Doch er spaltet die Facebook-Gemeinde auch.

Etliche Nutzer meinen, die Veröffentlichung der Fotos sei im Kampf gegen Drogenkriminalität ein akzeptables Mittel, die Stadt zeige damit Mut. Andere kritisieren, das Bild verletze die Privatsphäre der abgebildeten Junkies und vor allem des Kindes auf der Rückbank.

Fahrer muss 180 Tage hinter Gitter
Ob die Veröffentlichung der Bilder der Stadt im Kampf gegen harte Drogen tatsächlich hilft, muss die Zukunft zeigen. Für die abgelichteten Junkies hat ihre gemeingefährliche Fahrt aber schon jetzt Folgen.

Der 47-jährige Fahrer wurde angeklagt, unter Drogeneinfluss gefahren zu sein und das Leben von Kindern gefährdet zu haben. Er bekannte sich schuldig und muss laut "CNET" für 180 Tage hinter Gitter. Die 50-jährige Frau am Beifahrersitz - das Kind am Rücksitz ist ihr Sohn - wurde angeklagt, Kinder gefährdet und öffentliches Ärgernis erregt zu haben, außerdem habe sie gegen die Gurtpflicht verstoßen. Sie plädierte auf "Unschuldig", die Verhandlung wird noch dauern.

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