Di, 18. September 2018

Fans in Gefahr!

23.06.2016 10:43

Streaming-Mafia verteilt bei EM-Spielen Trojaner

Im Zug, im Auto, im Büro: Fußball-Fans haben nicht immer Zugang zum TV-Gerät, wenn ein interessantes Match läuft. Gerade zu EM-Zeiten lässt das Live-Streams im Netz boomen - und zwar nicht nur legale, wie man sie in der ORF-Mediathek findet, sondern auch illegale. Cyberkriminelle greifen EM-Spiele von TV-Sendern ab und übertragen sie live ins Netz - und zwar angereichert mit Viren und Trojanern, wie jetzt eine Studie belegt.

Die Hintermänner der illegalen Streams sind freilich nicht nur während großen Fußball-Turnieren aktiv, berichtet das IT-Portal "Golem". Steht keine EM an, streamen sie zum Beispiel Sportübertragungen von Pay-TV-Anbietern wie Sky, die man sonst nicht kostenlos sehen könnte. Es gilt: Alles, was man sonst nur gegen Geld sehen könnte, findet man auch irgendwo im Internet als illegalen Live-Stream. Bei Sky spricht man von "organisierter Kriminalität".

Studie zeigt: Jeder zweite Stream verteilt Viren
Und eine Studie der Katholischen Universität Löwen und der Stony Brook Universität in New York untermauert diesen Verdacht. Die Analyse von mehr als 800.000 Live-Streams von 23.000 verschiedenen Einzel-Websites auf mehr als 5000 Domains ergab: Jeder zweite illegale Sport-Stream im Netz wird von Cyberkriminellen mit Schadsoftware angereichert. Üblicherweise verbergen sich Viren und Würmer dabei in sogenannten Overlays, also Einblendungen über dem Video, die man wegklicken muss, um das Video ansehen zu können.

Beim Wegklicken - "X" heißt bei solchen Fallen nicht zwangsläufig "schließen" - besteht vor allem für unbedarfte Nutzer die Gefahr, dass sie auf Seiten weitergeleitet werden, wo ihnen vermeintliche Plug-ins untergejubelt werden, die sie laut Overlay-Nachricht zum Streamen brauchen. Tatsächlich handelt es sich um Viren und Trojaner, die in den privaten Daten herumschnüffeln und schlimmstenfalls sensible Dinge wie Kreditkartennummern abstauben.

Die Forscher haben bei ihrer Analyse sogar Viren entdeckt, die von Virenscannern nicht erkannt werden. Besonders gefährdet seien die Browser Chrome und Safari: Mit ihnen haben die Forscher die meisten schädlichen Overlays verzeichnet.

Sport-Streamingszene ist bestens organisiert
Neben den Streams an sich haben sich die Forscher auch die Organisationen hinter illegalen Sport-Streams genauer angesehen - mit interessanten Erkenntnissen. Demnach ist die gesamte illegale Streaming-Szene im Sportbereich fest in der Hand von lediglich fünf großen Serveranbietern. Sie verteilen aus Belize, Holland, Schweden und der Schweiz die illegalen Übertragungen, die vorher von einzelnen Lieferanten mit Zugang zu Pay-TV-Sendern in die Server eingespeist werden.

Dass die Streaming-Server ausgerechnet in diesen Ländern stehen, ist dabei kein Zufall. Alle genannten Länder haben gemein, dass sie die Anonymität von Internetnutzern recht gut schützen. Das spielt der Streaming-Szene in die Hände, die freilich zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen trifft und Standorte und Identität mit zusätzlichen Proxys und Cloud-Diensten weiter verschleiert.

Letztlich sind die Hintermänner illegaler Sportübertragungen im Netz dadurch sehr schwer zu fassen. Die UEFA hat zwar Versuche unternommen, gegen die Anbieter vorzugehen. Aber das sei ein Spiel, das der Fußball-Weltverband nicht gewinnen kann, schreibt das Filesharing-Nachrichtenportal "TorrentFreak".

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