Die heurige Ernte soll noch vollständig verarbeitet, verpackt und teilweise bis weit ins nächste Jahr eingelagert werden. Doch nach der angekündigten Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf suchen die heimischen Supermarktketten bereits nach alternativen Bezugsquellen. Hofer, Lidl, Rewe und Spar wollen allerdings auch in Zukunft auf österreichisches Gemüse setzen.
Spar baut nun die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen niederösterreichischen Geschäftspartner in Groß-Enzersdorf massiv aus. „Wir konnten mit Schneider‘s Gemüseland bereits fix vereinbaren, dass sie in Zukunft beinahe alle Spar-Tiefkühl-Gemüseprodukte produzieren werden“, sagte Spar-Sprecherin Nicole Berkmann am Mittwoch. Tiefkühlgemüse unter den verschiedenen Spar-Marken werde weiterhin aus Österreich, aus dem Marchfeld, stammen.
Die Billa-Mutter Rewe will „weiterhin konsequent“ auf Tiefkühlgemüse aus Österreich setzen. Man prüfe „laufend neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit alternativen Lieferanten aus Österreich, um auch langfristig eine verlässliche und hochwertige Versorgung sicherzustellen“, hieß es von Rewe .
Der Lebensmitteldiskonter Hofer bezog sein Tiefkühlgemüse für die Biomarke „Zurück zum Ursprung“ und Eigenmarken bisher von Ardo. „Sollte österreichisches Tiefkühlgemüse nicht in ausreichendem Umfang verfügbar sein, halten wir uns daher verschiedene Beschaffungsoptionen offen“, so Hofer. Der Diskonter bat die Kundschaft um Verständnis, „dass man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine weiteren Informationen geben kann“. Lidl sucht nach dem angekündigten Aus für das Ardo-Werk ebenfalls Tiefkühlgemüse-Alternativen. „Unser Wunsch ist es jedenfalls, weiterhin Qualität aus Österreich auch in diesem Produktsegment anbieten zu können“, erklärte Lidl Österreich. Man hoffe auf „eine Lösung, auch im Sinne der betroffenen verlässlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Landwirte und Erzeuger“.
Iglo: „Bereits erste Gespräche mit potenziellen Partnern“
Das Aus des Ardo-Werks trifft Iglo besonders hart. Die Tiefkühlmarke bezieht seit mehr als 60 Jahren Gemüse aus dem Marchfeld. „Auch in Zukunft bekennen wir uns klar zum Marchfeld und setzen uns dafür ein, die Verarbeitung des regionalen Gemüses so weit wie möglich vor Ort zu sichern“, hieß es von Iglo. Man prüfe verschiedene Möglichkeiten und habe „bereits erste Gespräche mit potenziellen Partnern geführt“.
Auch nach der voraussichtlichen Einstellung des Betriebs im Werk Groß-Enzersdorf Mitte 2027 würden Iglo-Produkte „wie gewohnt“ im Handel erhältlich sein, betonte der Tiefkühl-Markenproduzent. Iglo Österreich ist Teil der britischen Iglo-Gruppe, die zum internationalen Tiefkühlkonzern Nomad Foods gehört.
Online-Petition hat bereits mehr als 106.000 Unterstützer
Die geplante Schließung hat auch bereits Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Marchfeld. Der Herbstanbau von Winterspinat für die Ernte im Frühjahr wurde nicht durchgeführt. Das Werk des belgischen Unternehmens in Groß-Enzersdorf verfügt über die einzige Anlage österreichweit für Blattgemüse. Damit dürfte heimischer Tiefkühlspinat voraussichtlich maximal bis Oktober 2027 in den Supermarktregalen verfügbar sein. Das Thema bewegt viele Menschen in Österreich. Die Online-Petition „Rettet das Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld!“ verzeichnete am Mittwoch bereits mehr als 106.000 Unterstützer. Unterdessen gehen die Verhandlungen über einen Sozialplan für die 190 betroffenen Beschäftigten weiter.
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