Eiskalt abserviert wurden alle, die an der Weiterführung des Ardo-Tiefkühlwerks in Groß-Enzersdorf (Niederösterreich) Interesse gezeigt haben. Nun meldet sich die Gewerkschaft und fordert einen deutlich besseren Sozialplan.
Die Kritik am belgischen Tiefkühlkonzern Ardo verschärft nun die Produktionsgewerkschaft PRO-GE. Besonders empörend sei, dass der Konzern seinen Standort in Groß-Enzersdorf schließen will und Unterstützungs- und Übernahme-Angebote ausgeschlagen hat. Rund 190 Beschäftigte sowie etwa 50 Leiharbeitskräfte sind, wie berichtet, direkt betroffen – zusätzlich dazu 500 Bauernfamilien und unzählige Zulieferer.
„Arbeitsplatzvernichtung mit Ansage“
„Wer ein Werk selbst nicht mehr betreiben will, gleichzeitig aber eine mögliche Übernahme blockiert, vernichtet Arbeitsplätze mit Ansage. Das ist verantwortungslos. Hier werden Beschäftigte, bäuerliche Betriebe und eine ganze Region einer Konzernentscheidung geopfert. Für uns drängt sich der Eindruck auf, dass Profitgier wichtiger sind als Arbeitsplätze und regionale Wertschöpfung“, kritisiert PRO-GE-Bundesvorsitzender Reinhold Binder.
Weitere Gespräche gefordert
„Hier wird funktionierende regionale Lebensmittelproduktion mutwillig aufs Spiel gesetzt. Kurze Wege, heimische Produktion, Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Marchfeld werden gefährdet, damit ein internationaler Konzern seine Produktion anderswo konzentrieren kann“, so Binder, der Ardo erneut auffordert, Gespräche über eine Übernahme und Weiterführung des Standorts zu ermöglichen. Die Auswirkungen der geplanten Sperre zeichnen sich schon jetzt ab: Der Herbstanbau für Tiefkühlspinat wird nicht mehr durchgeführt.
Das bisherige Angebot ist völlig unzureichend.
PRO-GE-Bundesvorsitzender Reinhold Binder
Es droht ein heißer Herbst
Ein heißer Herbst kann es auch im Bereich der Sozialverhandlungen werden. „Wenn Ardo schon Arbeitsplätze vernichten will, dann kann sich der Konzern nicht auch noch bei den betroffenen Beschäftigten aus der Verantwortung stehlen. Das bisherige Angebot ist völlig unzureichend. Wer Menschen nach vielen Jahren Arbeit vor die Tür setzt, muss für einen ordentlichen Sozialplan auch ordentlich Geld in die Hand nehmen“, fordert Binder.
Wirtschaftsforscher sorgen für Stirnrunzeln
Die Ökonomen des IHS und des WIFO sprechen sich indes gegen Subventionen aus, um die Tiefkühlgemüseproduktion in Österreich zu halten. Ein Rat, den man im Marchfeld mit einem Stirnrunzeln quittiert.
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