Bentley, Villa und Rolex – ein Wiener Ex-Taxler lacht in seinem türkischen Luxus-Exil als Boss der „Polizei-Mafia“ unsere Behörden aus. Seine Bande hat schon mehr als 2000 Pensionisten in Österreich betrogen. Die neuesten Tricks: Anrufe als vermeintlicher Staatsanwalt – oder Opfer als „Bank-Betrugsermittler“ an öffentliche Orte locken.
Es ist ein ebenso raffiniertes wie herzloses Spiel mit menschlichen Ängsten. So verlor etwa ein Rollstuhlfahrer in Wien, der sein Geld auf Anweisung eines angeblichen Filialmitarbeiters vor Betrügern in Sicherheit bringen sollte, seine gesamten Lebens-Ersparnisse. Der mobil beeinträchtigte Mann wurde wie in einem schlechten TV-Entführungskrimi an einen öffentlichen Platz gelockt, wo er knapp 200.000 Euro hinterlegen musste.
Betrüger geben sich bei Opfern auch als Staatsanwalt aus
Diese Fälle, in denen nicht mehr Abholer zum Wohnort kommen, sondern die Opfer Geld oder Wertgegenstände in einen vorher definierten Mistkübel oder unter ein Auto legen, häufen sich. Auch ein neuer Trick: ein Schockanrufer gibt sich als Staatsanwalt bei schon Geschädigten aus. Man habe Goldmünzen, Bares etc. vom ersten Coup sichergestellte und würde nun zur Übergabe vorbeikommen – während die alarmierte Polizei aufmarschiert und Kräfte abzieht, schlagen die falschen Polizisten woanders zu.
Der Boss der Bosse mit österreichischen Wurzeln lacht indes über die Ohnmacht unseres Rechtsstaates im türkischen Luxus-Exil. Geboren in Vorarlberg, dann Taxi-Unternehmer in Wien, verlegte der Chef einer der größten Betrüger-Banden der Welt (Spitzname „Euro-Mehmet“) seine Geschäfte mit eigenen Call-Centern in seine türkische Heimat.
Millionenbeute und Schmiergeld-Gerüchte
Die bisherige Beute kratzt mittlerweile an der 30-Millionen-Euro-Marke. Der Strafakt des Ex-Taxlers hierzulande hat schon Tausende Seiten. Doch den heimischen Korruptionsjägern der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft sind die Hände gebunden. Während Dutzende Mittäter als „kleine Fische“ bisher zu oft harten Haftstrafen verurteilt wurden, ist der 37-Jährige für die heimischen Behörden nicht greifbar. Da nützen auch unzählige Rechtshilfe-Begehren nichts ...
Dutzende Geschädigte schon verstorben
Was auch an Schmiergeld-Gerüchten liegen könnte. So prahlt der mutmaßliche Haupttäter im Istanbuler Exil im kleinen Kreis damit, der er der dortigen zuständigen Staatsanwältin zwei Rolex-Uhren und 100.000 Euro angeboten habe. Auch kursiert die Geschichte über einen leitenden Beamten, der im Auftrag von „Euro-Mehmet“ einen Rucksack voll Geld direkt ins Polizeipräsidium geliefert bekam.
Unzählige österreichische Opfer werden Gerechtigkeit wohl nicht mehr erleben. An die 40 Geschädigte der „Polizei-Mafia“ sind bisher schon verstorben ...
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