Für einen sogenannten Nackenfaltentest bleibt Schwangeren nur ein begrenztes Zeitfenster. Wie schwierig es sein kann, rechtzeitig einen Termin zu bekommen, musste eine junge Tirolerin erst kürzlich selbst erfahren. Sie wurde gleich 12-mal abgewiesen.
Lange Wartezeiten auf Facharzttermine sind nicht nur in Tirol nichts Neues. In der Inneren Medizin liegt dort die mediane Wartezeit im Jahr 2026 bei 38 Tagen. Das bedeutet: Die Hälfte der erfassten Wartezeiten lag bei höchstens 38 Tagen, die andere Hälfte darüber. Für einen Termin in der Gynäkologie beträgt die mediane Wartezeit österreichweit 34 Tage.
Die Zahlen stammen aus einer Studie von krankenversicherung.at, bei der 1601 Terminanfragen in allen neun Bundesländern ausgewertet wurden. Doch was passiert, wenn für eine Untersuchung nur ein kurzes Zeitfenster bleibt?
Ich bin frustriert.
Sarah, Tirol
Ersttrimester-Screening: Die Zeit drängt
Viele werdende Eltern wollen wissen, ob ihr ungeborenes Baby möglicherweise eine Fehlbildung entwickeln könnte. Neben den Untersuchungen im Eltern-Kind-Pass gibt es dafür weitere Untersuchungsmöglichkeiten. Eine davon ist das Ersttrimester-Screening (ETS), auch bekannt als „Nackenfaltenmessung“ oder „Nackenfaltentest“.
Dass es schwierig werden würde, einen Termin dafür zu bekommen, kam für eine schwangere Tirolerin überraschend. Bereits Anfang der neunten Schwangerschaftswoche begann die Tirolerin, die anonym bleiben möchte – wir nennen sie Sarah –, zu suchen. Das ETS ist eine freiwillige Untersuchung und kann Hinweise auf bestimmte Chromosomenstörungen und mögliche Fehlbildungen beim ungeborenen Kind geben.
Test muss selbst bezahlt werden
Durchgeführt wird die Untersuchung zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche nur von speziell ausgebildeten Gynäkologen mit entsprechendem Ultraschallgerät. Die Untersuchung, zu der auch ein Bluttest gehört, ist freiwillig und muss von den Patientinnen selbst bezahlt werden.
Aus ihrer ersten Schwangerschaft wusste Sarah, dass sie frühzeitig einen Termin vereinbaren muss. Sie kontaktierte sieben niedergelassene Gynäkologen in ihrer Umgebung sowie vier Bezirkskrankenhäuser und die Innsbrucker Klinik. Sie kassierte eine Absage nach der anderen. Zunächst nahm Sarah die Absagen noch gelassen: „Nach den ersten Absagen habe ich mir noch nichts gedacht.“ Als jedoch auch die Krankenhäuser keinen Termin anbieten konnten, wuchs die Enttäuschung: „Ich bin frustriert.“
Es geht auf keinen Fall darum, die Schwangerschaft bei Auffälligkeiten abzubrechen. Ich möchte nur Gewissheit.
Sarah, Tirol
Wie viele andere wollte sie nur Gewissheit
„Es geht auf keinen Fall darum, die Schwangerschaft bei Auffälligkeiten abzubrechen. Ich möchte nur Gewissheit“, sagt Sarah. Doch auf Anfrage der „Tiroler Krone“ in den verschiedenen Krankenhäusern ergab sich ein Bild: Es ist eine Frage der Kapazität und diese ist in vielen Krankenhäusern nicht gegeben. Vorrangig werden Patientinnen mit einer Überweisung betreut – etwa bei Risikoschwangerschaften.
In Bezirkskrankenhaus Schwaz werden ETS an zwei Wochentagen von aktuell zwei Fachärztinnen durchgeführt. In Innsbruck stehen dafür sechs Fachärzte, die im Jahr rund 3500 Ambulanzbesuche und rund 10.600 Untersuchungen durchführen. Gleichzeitig sind die Krankenhäuser nicht zuständig für diese Untersuchungen und verweisen Patientinnen auf die niedergelassenen Ärzte sowie auf Zentren, die hauptsächlich Pränataldiagnostik anbieten – wie in Vorarlberg und Salzburg.
Auch Sarah wurde über diese Möglichkeit informiert. In der Zwischenzeit hat sie einen Termin erhalten. Fest steht: Die Nachfrage nach Ersttrimester-Screenings trifft auf begrenzte Kapazitäten.
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