David Komatz hört auf

Rücktrittswelle im ÖSV-Team geht weiter

Biathlon
11.05.2026 09:12

Nach Simon Eder, Lisa Hauser und Julia Leitinger (Schwaiger) gab mit David Komatz ein weiterer ÖSV-Biathlet das Ende seiner Karriere bekannt. Der 34-jährige Steirer spricht im „Krone“-Interview über die Beweggründe hinter seiner Entscheidung und die Höhepunkte seiner Laufbahn.

Jetzt ist offiziell, was viele schon vermutet hatten: David Komatz hat seine Karriere beendet. „Mit einem Lächeln blicke ich auf eine coole, emotionale, aufregende, teils schmerzhafte und durchaus erfolgreiche Zeit zurück“, erklärt „Komi“, der viele Jahre lang eine wichtige Stütze des rot-weiß-roten Teams war.

Zu den größten Erfolgen des Obersteirers, der mit Ex-Biathletin Katharina Komatz (Innerhofer) verheiratet ist und zwei Söhne hat, zählen zwei WM-Silbermedaillen. Komatz, der stets für seine vorbildhafte Rolle als Teamplayer geschätzt wurde, gewann zudem zwei EM-Medaillen. In der „Krone“ spricht der Berufssoldat über seine Entscheidung.

„Krone“: David, wie war der Entscheidungsprozess?
David Komatz: Ich habe mir lange Zeit gegeben, am Ende haben viele Faktoren reingespielt. Da war der körperliche Aspekt. Wenn ich ein paar Jahre jünger und körperlich besser beieinander wäre – Stichwort rücken - wäre es sicher noch einen Versuch wert gewesen, weiterzumachen. Dazu ist meine Familie sicher ein großer Grund. Ich weiß zwar, dass ich auch weiterhin die volle Rückendeckung von Kathi gehabt hätte, aber der Verzicht ist eben doch groß. Dazu kommt, dass ich auch nicht mehr die nötige Wertschätzung gespürt habe.

Die Heim-WM 2028 hat dich nicht mehr gereizt?
Die Weltmeisterschaft in Hochfilzen wäre sicher noch einmal ein großes Ziel gewesen. Im Leistungssport sind zwei Jahre aber lang und im fortgeschrittenen Sportleralter geht alles zacher von der Hand.

Wie geht es deinem Rücken aktuell?
Danke, das passt ganz gut, ich bin schmerzfrei. Allerdings habe ich es nach dem Langlaufen halt immer gespürt, was dich zermürbt. Es war ein jahrelanger Leidensprozess, von dem die meisten nichts mitbekommen haben. Vor zwei Jahren wurde ich unter der Woche infiltriert und bin dann am Freitag im Sprint von Hochfilzen 19. geworden. Den Verfolger habe ich dann ausgelassen, um mich gut auf die Staffel vorbereiten zu können.

Viele Weggefährten würden wohl sagen, dass dieses Beispiel sinnbildlich dafür steht, welch unglaublicher Teamplayer du warst. Du hättest auch auf die Staffel verzichten können.
Viele andere hätten das vielleicht gemacht, mir war die Leistung der Mannschaft aber immer besonders wichtig. Ich denke, dass ich viele gute Staffeln gezeigt habe. Drei meiner vier Medaillen waren auch in Teambewerben.

Wie blickst du zurück auf deine Karriere?
Ich habe ein Video für Instagram zusammengeschnitten, da wurde ich schon demütig. Ich blicke gerne darauf, was ich erreichen durfte, denn es ist nicht selbstverständlich, Medaillen zu gewinnen. Auch wenn ich nicht die Überkarriere hatte, war es doch eine gute, auf die ich mit Stolz blicke. Dazu hat viel harte Arbeit gehört. Die Erinnerungen werden sicher wieder hochkommen, wenn ich mir mit meinen Kindern irgendwann die Fotos anschauen werde.

Bereust du etwas?
Rückblickend hätte ich sicher einige Dinge anders gemacht. Ich war immer sehr mannschaftsdienlich, auch wenn ich nicht immer zu hundert Prozent von allen Trainingsplänen überzeugt war. Ich wollte aber nie tricksen und habe das gemacht, was vorgegeben wurde. Vielleicht hätte ich aber öfter mal auf mich hören sollen.

Katharina und David Komatz mit ihren Söhnen Fabio und Levi.
Katharina und David Komatz mit ihren Söhnen Fabio und Levi.(Bild: Privat)

Unvergessen ist deine Aussage bei der WM 2024 in Nove Mesto, als du als amtierende Vizeweltmeister in der Single Mixed-Staffel meintest, dass du auf einen Start verzichtest, weil Simon Eder der Chef sei und er teilnehmen soll.
(lacht) Mir war immer glasklar, dass er und Lisa (Hauser) das machen müssen. Das gehört sich so, weil das ihr Bewerb war und sie die Einser-Paarung waren. Ich bin bei der WM 2023 zum Zug gekommen, weil Sam krankheitsbedingt ausgefallen ist.

Sind im Laufe deiner Karriere auch Freundschaften zu Kollegen entstanden?
Ganz sicher, gerade etwa mit Sam. Wir haben uns immer wertgeschätzt. Schon in jungen Jahren, als ich in den Weltcup gekommen bin, hat er mir immer gut zugesprochen. Außerdem hat er mir immer gesagt, dass er mich als zukünftigen Startläufer in der Staffel sieht.

Damit sollte er recht behalten, du warst auch bei der WM-Silbermedaille im Mixedbewerb 2021 als Erster aufgestellt.
Stimmt. Da war ich extrem stolz, dass mir die Trainer das Vertrauen gegeben haben. Wir sind das ja in Obertilliach ausgelaufen, da waren auch Julian Eberhard und Felix Leitner dabei. Die Medaille kam sicher überraschend, aber wie hatten damals auch Spitzenmaterial.

Seit einigen Jahren läuft es für die ÖSV-Herren alles andere als nach Wunsch. Wie erlebst du das?
Ich leide extrem mit, das trifft mich hart. Ich weiß noch als wir vor einem Jahr die Top 10 im Nationencup ganz knapp verpasst und damit einen Startplatz verloren haben. Ich habe im Sprint von Oslo das Maximum rausgeholt, bin aber trotz fehlerfreier Leistung nicht über Rang 27 hinausgekommen, weil gewisse Dinge nicht gepasst haben. Da war ich fertig und habe mir Vorwürfe gemacht. Jetzt stehen wir sogar nur noch auf Platz 13. Es ist traurig, dass es so weit kommen musste, dass der Herren-Biathlon am Boden ist und es jetzt einen Neustart im Verband braucht. Denn eines ist klar: Talente hätte es in Österreich auch in den vergangenen Jahren gegeben.

Was stimmt dich für die Zukunft zuversichtlich?
Dass wir auch jetzt talentierte Sportler haben. Ich sehe aktuell Fabian Müllauer als unseren klar stärksten Läufer. Wenn er das Vertrauen bekommt, dann bin ich davon überzeugt, dass er seinen Weg gehen wird. Generell hoffe ich für die Athleten, dass die Umstrukturierung im Verband aufgeht und jeder seine bestmögliche Leistung abrufen kann. Wir haben gute Leute, die haben das auch schon gezeigt. Luki Haslinger oder Tom Marchl haben die Gesamtwertung im Junior Cup gewonnen – das musst du erst einmal schaffen, das kommt nicht von ungefähr.

Wie geht’s mit David Komatz weiter?
(lacht) Gute Frage. Ich habe noch keinen konkreten Plan und werde sich etwas Zeit brauchen, weil alles noch sehr frisch ist. Was mir ganz wichtig ist: Ich möchte mich bei meiner Familie, die mich immer unterstützt hat bedanken, dazu bei meinen Sponsoren und beim Bundesheer für 15 Jahre Unterstützung. Ich hatte hier schon ein sehr gutes Gespräch und kann mir vorstellen, in Zukunft etwas in diesem Bereich zu machen. Es würde sicher auch Spaß machen, in der Biathlon-Branche tätig zu bleiben. Die kommenden Monate werden zeigen, wohin die Reise geht.

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